OMX Scheich Maktoums Liebe für die Börse

Nasdaq-Chef Bob Greifeld war sich seiner Sache schon sicher, als ihm die Borse Dubai bei der Übernahme der nordischen Börse OMX in die Quere kam. Doch nach einem peinlichen Fehltritt des Börsenbetreibers aus der Wüste könnte sich das Blatt für die Amerikaner noch wenden.
Von Susanne Schulz

Stockholm – Alte Rachegelüste und peinliche Fehltritte, Visionen und weltumspannende Expansionsfantasien prägen inzwischen den Übernahmestreit um die skandinavische Börse OMX. Eigentlich hatte der Übernahmeplan ganz harmlos angefangen.

Ende Mai waren sich Nasdaq-Chef Bob Greifeld und die OMX-Hauptaktionäre handelseinig. Der schwedische Investor AB, der mit 10,7 Prozent größter OMX-Anteilseigner ist, sowie der schwedische Staat, der mit 6,6 Prozent an zweiter Stelle steht, hatten dem Kauf durch die amerikanische Technologiebörse bereits zugestimmt. Als Fusionsbedingung wurden mindestens 90 Prozent Anteilseigentum festgelegt.

Noch besitzt die Nasdaq  jedoch keine einzige Aktie der nordischen Börse, die Handelsplätze in Stockholm, Kopenhagen, Helsinki, Reykjavik, Talinn, Riga und Vilnius betreibt. Diese Chance nutzte die Börse Dubai. Mit einem Paukenschlag kaufte der kleine Börsenbetreiber aus der Wüste Anfang August 4,9 Prozent der OMX-Anteile und sicherte sich zusätzlich Optionen auf weitere 22,4 Prozent.

Doch das ist nicht das einzige Hindernis für die Nasdaq, nun noch an ihre 90 Prozent zu kommen. Kurz darauf unterbreitete die Dubaier Börse auch noch ein eigenes Übernahmegebot, das mit vier Milliarden US-Dollar in bar das der Amerikaner in den Schatten stellt. Greifelds Mischgebot, das zu 50 Prozent aus Nasdaq-Aktien bestehen soll, ist derzeit lediglich 3,7 Milliarden US-Dollar wert.

Mit ihrem raschen Vorstoß hatten die Araber jedoch gegen schwedisches Gesetz verstoßen. Eine peinliche Angelegenheit, wo doch ausgerechnet der Chef der Dubaier Börse, Per E. Larsson, selbst Schwede ist und vor wenigen Jahren noch der Stockholmer Börse vorstand. Zu seiner Verteidigung muss zwar gesagt werden, dass das Gesetz erst ein Jahr alt ist, demzufolge vor einem Anteilskauf etwaige Übernahmeabsichten kundgetan werden müssen.

Das übereilte Handeln wirbelte aber viel Wüstensand auf und brachte die schwedische Finanzaufsicht FI auf den Plan. Am Donnerstag teilte sie mit, vorerst keine Maßnahmen gegen die Börse Dubai zu ergreifen, da diese ihren Fehltritt mit dem nachgeschobenen Kaufgebot korrigiert habe. Sollte allerdings Dubai den Zuschlag bekommen, wäre eine erneute Prüfung der Finanzaufsicht nötig. Und die könnte strenger ausfallen.

Greifeld redet sein Angebot schön

Greifeld redet sein Angebot schön

FI-Chefjurist Gent Jansson kündigte bereits in bürokratischem Ton an: "Alle Vorkommnisse, die die Bewertung der Dubaibörse in Hinblick auf ihre Eignung als OMX-Eigner beeinflussen, werden beachtet." Das bedeutet, der Fehltritt könnte Dubai dann kurz vor dem Ziel doch noch aus dem Rennen werfen.

Während sich also Larsson von Arabien unmöglich machte, startete der amerikanische Greifeld vergangene Woche seine Charmoffensive in Stockholm und Helsinki. Bei Presseveranstaltungen vor luxuriöser Kulisse am Stockholmer Nybrokajen redete er sein schwächeres Angebot schön. Er sprach von Visionen, "industrieller Logik" und eigentlich viel höheren Synergieeffekten, als anfangs errechnet. Gleichzeitig versucht Greifeld auch den Aktienanteil seines Gebots aufzuwerten.

"Wir sind uns sehr wohl bewusst, dass wir hier ein Preisproblem haben", sagte er am Dienstag in Stockholm. Man sei jedoch flexibel und man sei hier, um zuzuhören. "Nach unserem Besuch werden wir dann über eine eventuelle Aufstockung des Baranteils nachdenken." Konkreter wurde es nicht mehr, wie die schwedische Tageszeitung Svenska Dagbladet urteilte. Börse-Dubai-Chef Larsson kommentierte dies kühl mit: "Unsere Synergieeffekte basieren auf Einnahmen und nicht auf Kostensenkungen."

Greifeld kämpft mit allen Mitteln weiter. Zuletzt versuchte er dem Hauptaktionär Investor AB , dem Finanzvehikel der schwedischen Großindustriellenfamilie Wallenberg, die Fusion schmackhaft zu machen. Das angehende Familienoberhaupt Jacob Wallenberg soll Aufsichtsratsvorsitzender des fusionierten Unternehmens werden. "Das ist unser starker Wunsch", konstatierte Greifeld am Dienstag.

Ob Wallenberg interessiert ist, ist unklar. Wie in der Familie üblich, hält man sich bedeckt und ließ Investor-Informationschef Fredrik Lindgren ausrichten: "Unser Ziel ist es, das Gebot zu identifizieren, welches in unseren Augen das größte Wertpotenzial für uns und unsere Aktionäre bereit hält." Nach derzeitiger Sachlage, könnte damit das Dubaier Angebot gemeint sein.

"Wir erschaffen neue Kapitalmärkte"

"Wir erschaffen neue Kapitalmärkte"

Die Stimmung in Skandinavien tendiert allerdings zum amerikanischen Gebot. Unter anderem deshalb, weil der Verkauf der Börse Teil einer großen Privatisierungskampagne der konservativen Regierung ist. Sollte der Zuschlag jedoch an Dubai gehen, wäre die Börse nicht nur zu 6,6 Prozent, sondern zu 90 Prozent in staatlicher Hand – nämlich in der der Dubaier Herrscherfamilie Maktoum.

Die Geschichte der Stockholmer Börse reicht bis ins Jahr 1778 zurück. Sie war lange Zeit ohne Eigentümer – eher wie ein öffentlicher Verein. Kein Staat besaß je einen entscheidenden Anteil an dem Handelsplatz.

Zudem wird dem einstigen Stockholmbörsen-Chef Larsson in der skandinavischen Presse unterstellt, er wolle mit "Ölgeld" für seinen damaligen Rauswurf Rache üben. Der Schwede musste seinen Posten 2003 räumen, nachdem er im Jahr 2000 vergeblich versucht hatte, die Londoner Börse LSE  zu übernehmen. Im Juli 2006 bekam der 46-jährige Vater von vier Kindern dann den Chefposten der erst 2005 gegründeten Dubaier Börse DIFX angeboten.

Larsson hat nicht viel zu sagen

Mit dem Eigentümer des Handelsplatzes, Scheich Mohammed Bin Rashid Al Maktoum, hat Larsson endlich einen Vorgesetzten gefunden, der seine Expansionsambitionen teilt. Nur wenige Monate nach Larssons Amtsantritt machte er dies in einem Interview mit der schwedischen Wirtschaftszeitung Dagens Industri klar: "Scheich Mohammeds Ambitionen beschränken sich nicht nur auf den Nahen Osten – er will sich auch in das Spiel um die Neuaufteilung der Börsenweltkarte einmischen."

Wie alles andere in Dubai seien auch seine Visionen für DIFX groß. "Wir sind mit dabei und erschaffen neue internationale Kapitalmärkte, zuerst in dieser Region hier und dann international", sagte Per E. Larsson im gleichen Interview.

Dass der blonde Mann aus der schwedischen Provinz in der Wüste allerdings nicht all zuviel zu sagen hat, verrät seine Beschreibung der Zusammenarbeit mit der Herrscherfamilie Maktoum: "Die Struktur hier in Dubai ist völlig anders als das, was man aus der westlichen Welt gewohnt ist. Scheich Mohammed mischt sich selbst in alle wichtigen Beschlüsse ein, so dass für uns gilt, ihn so viel wie möglich zu beeinflussen. Hat er einmal einen Beschluss gefasst, bleibt nur noch wenig Zeit, zwischen Wort und Handlung."

Die Frage ist, ob sich der Scheich damit nicht manchmal selbst Wüstensand in die Augen streut, wie das übereilte Handeln der DIFX Anfang August gezeigt hat.

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