Finanzinvestoren Carlyle verschiebt IPO

Der geplante Börsengang der Private-Equity-Firma Carlyle fällt wohl aus - zumindest in diesem Jahr. Mitgründer David Rubenstein hält die Pläne wegen der Kreditkrise für zu riskant. Auch am IPO des Branchenriesen KKR wachsen die Zweifel.

Frankfurt am Main - Der US-Finanzinvestor Carlyle hat infolge der Kreditkrise seine Überlegungen für einen Börsengang vorerst auf Eis gelegt. Die Kreditkrise lässt nach Ansicht des Investors jeden vierten Private-Equity-Deal platzen. "Ich erwarte nichts mehr für 2007", sagte Carlyle-Mitgründer David Rubenstein der "Financial Times Deutschland" (FTD/Mittwochausgabe). "Auf Sicht von zwei bis drei Jahren rechne ich aber mit der Notierung von sechs bis acht globalen Private-Equity-Firmen. Dass Carlyle dabei ist, ist wahrscheinlicher, als dass wir nicht dabei sind."

Carlyle gibt damit als erster unter den weltgrößten Finanzinvestoren Pläne für ein baldiges Listing offiziell auf. Konkurrent Blackstone  hatte Mitte Juli den Schritt an den Aktienmarkt geschafft, doch ist die Blackstone-Aktie seither um 24 Prozent auf 23,58 Dollar eingebrochen. KKR reichte Anfang Juli Unterlagen bei der US-Börsenaufsicht SEC für ein Listing in diesem Jahr ein. Doch wachsen die Zweifel, dass KKR das Vorhaben durchziehen kann.

Carlyle hatte die Krise schon beim Börsengang seiner Investment-Tochter Carlyle Capital Corporation (CCC) in den Niederlanden zu spüren bekommen. Der Gang auf das Börsenparkett musste um eine Woche verschoben und das Emissionsziel gesenkt werden.

Angesichts der zugeknöpften Geldbeutel der führenden Investmentbanken schauen sich die großen Beteiligungsfonds nach neuen Kreditgebern um. "In den nächsten drei bis vier Monaten bleibt es schwierig, neue Übernahmen zu finanzieren, weil die Banken nervös geworden sind", sagte Rubenstein dem "Handelsblatt" (Mittwochausgabe). Deshalb könnte man sich nach neuen Finanzierungsquellen umsehen. "Vielleicht wenden wir uns an Staatsfonds, die könnten die Fremdfinanzierung arrangieren", sagte Rubenstein.

Im Gespräch mit "Welt Online" erklärte er zu den aktuellen Turbulenzen: "Die Renditen der Private-Equity-Unternehmen werden ebenso ein wenig zurückgehen wie die Preise, die bei künftigen Übernahmen gezahlt werden können. In den nächsten sechs Monaten wird die Zahl der Private-Equity-Geschäfte deutlich zurückgehen." 2006 und im ersten Halbjahr 2007 hatten die Übernahmen durch Finanzinvestoren ein Rekordvolumen erreicht. Die raueren Marktbedingungen dürften zudem dazu führen, dass etliche Private-Equity-Häuser allein nicht mehr überleben können.

Branche wird sich konsolidieren

Branche wird sich konsolidieren

Die derzeit noch stark zersplitterte Branche werde sich konsolidieren, schätzt Rubenstein. "Schon in drei bis vier Jahren werden wir noch sechs bis zehn große, global agierende Unternehmen haben." Carlyle dürfte gute Chancen haben, zu dieser Gruppe zu gehören. Mit einem verwalteten Vermögen von mehr als 70 Milliarden Dollar zählt das US-Unternehmen zur Spitzengruppe.

Der Jurist rechnet damit, dass Private-Equity-Fonds künftig etwa 10 bis 15 Prozent weniger bieten können als derzeit, wenn sie eine Firma kaufen. Dadurch könnten sich die Kräfteverhältnisse zu Gunsten von Industrieunternehmen verschieben, die erfahrungsgemäß seltener auf Kredite angewiesen sind, so "Welt Online".

Die ungünstigeren Rahmenbedingungen werden nach Rubensteins Überzeugung auch die Gewinne der Finanzinvestoren beeinflussen. Die erfolgreichsten Gesellschaften erwirtschafteten zuletzt Renditen von mehr als 25 Prozent. "Nun wird bei den großen Fonds die Rendite sicher um zwei bis drei Prozentpunkte zurückgehen", sagte Rubenstein. Allerdings würden die Profite börsennotierter Unternehmen in nächster Zeit ebenfalls sinken: "Am Renditevorsprung von Private Equity wird sich deshalb nicht viel ändern."

Anhaltender dürften die Imageprobleme der großen angelsächsischen Investoren in Deutschland und anderen europäischen Ländern sein. Ihnen wird vor allem vorgeworfen, zu wenig Rücksicht auf die Belegschaft ihrer Tochterfirmen zu nehmen. Rubenstein räumt hier Versäumnisse ein. Die Branche habe tatsächlich lange nur auf die Renditen geachtet.

manager-magazin.de mit Material von dow jones und dpa-afx

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