Leitzins Bundesbank warnt vor Inflation

Die Deutsche Bundesbank bewertet die Aussichten für die deutsche Wirtschaft trotz US-Finanzkrise positiv. Eine erneute Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank sei weiterhin notwendig. Die Commerzbank hingegen geht davon aus, dass die EZB die Anhebung der Leitzinsen vertagt.

Frankfurt am Main - Das Gewitter an den Finanzmärkten ändert nach Einschätzung der Bundesbank bisher nichts an den guten Aussichten für die Weltwirtschaft. Gleichzeitig sei in den kommenden Jahren im Euro-Raum ein stärkerer Preisanstieg zu befürchten, so dass eine weitere Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) notwendig sei, heißt es in dem am Montag veröffentlichten Monatsbericht.

Der Bericht wurde am Freitagvormittag abgeschlossen, wenige Stunden vor der überraschenden Zinssenkung der US-Notenbank Federal Reserve (Fed). Die Fed ermäßigte den Zins für Übernachtkredite der Banken um einen halben Prozentpunkt auf 5,75 Prozent. Experten erwarten nun, dass die Fed am 18. September auch den zentralen Leitzins von 5,25 Prozent senken wird. Die Notenbank hatte gewarnt, die angespannte Lage an den Kreditmärkten könnte das Wachstum bremsen.

Weltweit stellten die Notenbanken den Banken in den vergangenen Tagen kurzfristige Kredite in Rekordhöhe zur Verfügung, um den massiven Anstieg der Marktzinsen zu drücken.

Auch die Bundesbank stellt fest, dass mit der Korrektur am amerikanischen Immobilienmarkt und den damit verbundenen Börsenturbulenzen die Risiken für die Weltkonjunktur zugenommen haben. Doch bleiben die Währungshüter zuversichtlich: "Trotz der Anspannungen (...) sind die Perspektiven für die weitere weltwirtschaftliche Entwicklung nach wie vor günstig einzuschätzen."

Ungünstig seien dagegen trotz der EZB-Zinserhöhungen die Aussichten für die Preisstabilität im Euro-Raum. Die zunehmende Kapazitätsauslastung der Wirtschaft, steigende Löhne, hohe Öl- und Rohstoffpreise seien ernst zu nehmende Risiken. Die starke, von lebhafter Kreditnachfrage getriebene Zunahme der Geldmenge lasse befürchten, dass die Verbraucherpreise in den nächsten Jahren im Mittel deutlich über der 2-Prozent-Marke zulegen würden - und damit stärker als von der EZB angestrebt.

"Geldpolitik expansiv ausgerichtet"

"Geldpolitik expansiv ausgerichtet"

Die Zentralbank hatte von Ende 2005 bis Juni den Leitzins schrittweise auf 4 Prozent verdoppelt, um die Inflationsrate während des Aufschwungs auf knapp zwei Prozent zu drücken. "Angesichts der günstigen gesamtwirtschaftlichen Entwicklung ist die Geldpolitik nach diesem Zinsschritt noch immer tendenziell expansiv ausgerichtet", schrieb die Bundesbank.

Anfang August hatte die EZB eine weitere Erhöhung auf vermutlich 4,25 Prozent im September signalisiert, indem sie den Schlüsselbegriff erwähnte, mit dem sie fast alle Zinserhöhungen dieser Runde einleitete. Dies bekräftigte nun die Bundesbank: Der EZB-Rat habe erkennen lassen, dass die weitere Entwicklung der Preise mit "großer Wachsamkeit" beobachtet wird, um im Bedarfsfall weitere Schritte zu unternehmen.

Volkswirte waren zuvor davon ausgegangen, dass neben der Fed auch die EZB ihren Kurs ändere. Die EZB werde ihre für September angekündigte Zinserhöhung nicht vornehmen und auch später die Zinsen nicht weiter anheben, schreibt die Commerzbank  am Montag und änderte damit ihre Prognose.

"Wenn die Turbulenzen anhalten, dürfte die EZB die Zinsanhebung wohl absagen", hieß es. Bislang hatten die Experten wegen des wirtschaftlichen Aufschwungs und der damit verbundenen Inflationsgefahren mit einer Anhebung im September und im Dezember auf dann 4,5 Prozent gerechnet. Derzeit beträgt der Leitzins im Euroraum 4,0 Prozent.

Nach Einschätzung von Commerzbank und UniCredit wird die amerikanische Notenbank Fed wegen der Krise auf dem US-Immobilienmarkt den Leitzins voraussichtlich senken. "Das ist nun eine sehr konkrete Möglichkeit", schreiben die Analysten von UniCredit. Für die Vereinigten Staaten sei "in den kommenden Wochen" mit Leitzinssenkungen seitens der Federal Reserve um insgesamt 0,5 Prozentpunkte auf dann 4,75 Prozent zu rechnen, heißt es in der Studie der Commerzbank.

Bislang waren die Experten von einem zum Jahresende unveränderten Zinsniveau von 5,25 Prozent ausgegangen.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

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