UBS Düstere Aussichten

Die Schweizer Großbank UBS hat im zweiten Quartal besser abgeschnitten als erwartet - trotzdem verliert die Aktie. Der Grund: Die Prognose für das zweite Halbjahr fiel angesichts der Krise an den Finanzmärkten pessimistisch aus.

Zürich - Die Kreditkrise und die Turbulenzen an den Finanzmärkten haben trotz eines Rekordgewinns im zweiten Quartal die Aussichten bei der weltgrößten Vermögensverwaltungsbank UBS  verdüstert.

Der neue UBS-Konzernchef Marcel Rohner konnte bei der Vorlage seiner ersten Quartalsbilanz einen Anstieg des Reingewinns um 79 Prozent auf 5,62 Milliarden Franken (3,42 Milliarden Euro) melden. Zwar ist darin der Gewinn aus dem Verkauf der Beteiligung an der Bank Julius Bär  von rund 1,93 Milliarden Franken enthalten, aber auch ohne Sonderposten hätte der Quartalsgewinn eine neue Rekordmarke erreicht.

Ungeschoren kam UBS aber nicht durch die Subprime-Krise in den USA. Die nur wenige Jahre alte Hedgefonds-Tochter Dillon Read Capital Management (DRCM), die überwiegend in Hypotheken minderer Qualität investierte, verursachte einen Handelsverlust von 230 Millionen Franken.

Dazu kostete die Schließung des Fonds nochmals knapp 230 Millionen Franken nach Steuern. Damit sollte das Kapitel DRCM abgeschlossen sein. Mögliche weitere Verluste werden nicht mehr erkennbar sein, da das Restgeschäft in der Sparte UBS Investment Bank aufgeht.

Die Krise auf dem US-Hypothekenmarkt fraß die Ertragszuwächse im Aktienhandel und im Übernahme- und Beratungsgeschäft (M&A) praktisch wieder auf, so dass der Vorsteuergewinn der Investment Bank nur marginal stieg.

Als stabiler Ertragspfeiler konnte sich einmal mehr die Vermögensverwaltung und das Geschäft in der Schweiz erweisen, wo die UBS als Universalbank auftritt. Reiche Kunden legten im Berichtsquartal weitere 35,2 Milliarden Franken an, verglichen mit 31,2 Milliarden Franken im ersten Quartal 2006. In Europa konnten steigende Geldzuflüsse in Deutschland und Italien verzeichnet werden.

Insgesamt verwaltet das Geldhaus Vermögen von 3300 Milliarden Franken. Der Bereich Wealth Management International & Switzerland erzielte mit 1,54 Milliarden einen neuen Rekordgewinn vor Steuern. 52 Prozent der Erträge kamen aus dem weniger volatilen Dienstleistungs- und Kommissionsgeschäft.

Möglicherweise starke Beeinträchtigungen

Möglicherweise starke Beeinträchtigungen

Marktturbulenzen wie zuletzt beobachtet bieten nach Rohners Worten einer eigenkapitalstarken Bank wie der UBS zwar mannigfaltige Chancen, die Marktanteile auszudehnen. Sie hätten den Anlegern aber auch die Risiken in Erinnerung gerufen. Sollten die derzeitigen Schwankungen anhalten, sei möglicherweise mit starken Beeinträchtigungen beim Handelserfolg zu rechnen.

Auch wenn die Erträge im Wealth und Asset Management gut kalkulierbar seien, sei es wahrscheinlich, dass der Gewinn des zweiten Halbjahres nicht an das Niveau der zweiten Jahreshälfte anknüpfen könne. Bereits im dritten Quartal des Vorjahres war der Gewinn unterdurchschnittlich gewesen, hieß es.

Rohner, der Anfang Juli an die Stelle des überraschend ausgeschiedenen Peter Wuffli getreten war, will sein Augenmerk neben der Risikokontrolle besonders auf die Kostenkontrolle legen. Die Strategie will Rohner nicht viel anders handhaben als sein Vorgänger und Förderer Wuffli.

Zu den zahlreichen Projekten zähle weiterhin der Ausbau des Vermögensverwaltungsgeschäfts in Europa und den USA sowie die Expansion im Festzinsgeschäft, wo kürzlich der Chef ausgewechselt wurde. Der trübe Ausblick schlug der Börse auf den Magen, die UBS-Aktie verlor 3,5 Prozent.

Albert Schmieder, reuters

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