Kreditkrise Neue Finanzspritze der EZB

Die Europäische Zentralbank hat den europäischen Banken eine weitere Geldspritze angeboten, diesmal gut 61 Milliarden Euro. Damit soll ein Liquiditätsengpass vermieden werden, der die Börsen weiter beunruhigen könnte. Der Geldmarkt entspannte sich nach dieser Ankündigung.

Frankfurt am Main - Im Kampf gegen einen Geldengpass bei den europäischen Banken hat die Europäische Zentralbank (EZB) erneut eine Finanzspritze angeboten. Die Währungshüter pumpten am Freitag zum zweiten Tag infolge frisches Geld in die Märkte. "Die aktuelle Feinsteuerungsoperation folgt der gestrigen Maßnahme und dient der Sicherstellung geordneter Bedingungen am Geldmarkt", erklärte die EZB am Freitagmorgen.

Die EZB startete die Ausschreibung am Vormittag. Das Geld wurde den Banken und Sparkassen für eine Laufzeit von drei Tagen bei einem Mindestsatz von 4 Prozent angeboten, teilte die EZB am Freitag in Frankfurt mit. Der Schnelltender umfasst ein Volumen von 61,05 Milliarden Euro. Der Durchschnittszins lag bei 4,08 Prozent und der Marginalsatz - der niedrigste Satz, zu dem noch Gebote angenommen werden - bei 4,05 Prozent. Der Tender war mit einer Laufzeit von drei Tagen und einem Mindestsatz von 4,00 Prozent ausgeschrieben worden.Voraussichtlich am Nachmittag wird die Bank das Ergebnis der Auktion bekanntgeben.

Zum ersten Mal seit sechs Jahren hatten die Währungshüter am Vortag den Banken überraschend 94,8 Milliarden Euro zusätzliche Liquidität bereitgestellt. Grund dafür war ein Geldengpass infolge der Turbulenzen an den Finanzmärkten und der US-Immobilienkrise. Der Zinssatz für Tagesgeld war zuvor auf bis zu 4,70 Prozent in die Höhe geschnellt. Dieser Zinssatz liegt normalerweise knapp über dem jeweils aktuellen Leitzinsniveau. Aktuell liegen die Leitzinsen in der Euro-Zone bei vier Prozent. Nach der EZB engagierten sich auch zahlreiche andere Zentralbanken am Geldmarkt. Auch die US-Notenbank (Fed) intervenierte. Zuletzt sahen sich auch viele Zentralbanken in Asien zum Handeln gezwungen. Alleine die Bank of Japan pumpte eine Billion Yen (6,18 Milliarden Euro) in den Geldkreislauf.

Die Zinssätze am Geldmarkt haben sich am Freitagvormittag nach dieser Ankündigung stabilisiert. Geldmarkthändler nannten gegen 10.45 Uhr Sätze zwischen 4 und 4,05 Prozent. Am Morgen hatten die Tagesgeldsätze auf bis zu 4,25 Prozent angezogen. Die Liquidität am europäischen Geldmarkt ist derzeit wegen der Furcht vieler Banken vor den Auswirkungen der US-Kreditkrise sehr knapp.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters