Kreditkrise Auch WestLB schließt Fonds

Die Folgen der Krise am US-Hypothekenmarkt haben einen weiteren Fonds in Deutschland getroffen. WestLB Mellon schließt einen seiner ABS-Fonds – obwohl dieser gar nicht am Subprime-Markt tätig ist.

Düsseldorf - Der Vermögensverwalter WestLB Mellon teilte am Dienstag mit, er setze vorübergehend die Rücknahme eines seiner ABS-Fonds aus, weil dieser im Laufe der vergangenen Woche 2,4 Prozent an Wert verloren habe.

Allerdings ist der Fonds gar nicht im krisengeschüttelten US-Markt für zweitklassige Hypothekendarlehen (Subprime) engagiert. "Die Subprime-Krise ist gleichzeitig eine Liquiditätskrise", sagte WestLB-Mellon-Manager Uwe Fuiten im Interview mit Reuters. Daher sei eine faire Anteilschein-Berechnung nicht mehr möglich gewesen und Investoren seien immer nervöser geworden.

Der 235 Millionen Euro schwere WestLB Mellon Compass Fund richte sich zum großen Teil an institutionelle Kunden. Insgesamt habe der Fondsanbieter 1,2 Milliarden Euro in den in Misskredit geratenen ABS-Papieren angelegt.

In den vergangenen Tagen hatten bereits die Fondsgesellschaften Frankfurt Trust, HSBC Investments, Union Investment sowie der Versicherer Axa vorübergehend Fonds geschlossen. Betroffen sind unter anderem der FT ABS Plus  und der HSBC Trinkaus ABS .

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Der größte ABS-Fonds in Deutschland, der DWS ABS Fund , ist nach Aussage der DWS nicht von der Schließung bedroht. Auch beim zweitgrößten Produkt Parvest Dynamic ABS  von BNP Paribas ist bislang keine Schließung vorgesehen.

Nach Ansicht der Fondsratingagentur Feri wird sich die Krise am US-Hypothekenmarkt noch verschärfen. "Ich denke nicht, dass die Probleme vorbei sind. Wir werden noch bis 2008 damit zu haben", sagte Feri-Vorstand Helmut Knepel am Dienstag in Frankfurt. Der Höhepunkt der Turbulenzen dürfte Ende dieses Jahres erreicht werden, wenn auf viele Darlehensnehmer nochmals Zinsanhebungen zukämen. "Es wird deshalb noch zu weiteren Kreditausfällen und Schieflagen bei Hypothekenfinanzierern kommen", prognostizierte Knepel.

Auslöser für die Nervosität in Deutschland war die Mittelstandsbank IKB, die sich mit einem Fonds in den USA verspekuliert hatte und in eine massive Schieflage geraten war. Die Bank muss nun mit Staatshilfen und milliardenschweren Garantien der deutschen Kreditwirtschaft gestützt werden.

Spekulation auf Zinssenkung in USA

Spekulation auf Zinssenkung bis Jahresende

Nach Einschätzung von Feri werden die Probleme am US-Hypothekenmarkt aber keine großen Kreise ziehen. "Wir gehen nicht von einer allgemeinen Wirtschaftskrise aus", betonte Knepel. Die US-Wirtschaft sei sehr robust, zudem zeichne sich allmählich eine leichte Erhöhung der zuletzt stark gesunkenen Hauspreise ab.

Für Erleichterung könne auch eine mögliche Zinssenkung der US-Notenbank Fed Ende des Jahres sorgen, sagte der Feri-Vorstand.

Die Turbulenzen waren entstanden, nachdem in den USA zwischen 2001 und 2004 massiv Immobiliendarlehen zu historisch niedrigen Zinsen vergeben wurden.

Weil die Zinsen inzwischen stark gestiegen sind, können Schuldner mit schlechter Bonität ihre ohne Zinsbindung vereinbarten Kredite vielfach nicht mehr bedienen. Die Notenbank hat die Leitzinsen seit 2003 um mehr als vier Prozentpunkte auf 5,25 Prozent erhöht. Schwach besicherte Hypothekenkredite machen nach Angaben von Feri 14 Prozent des US-Markts für Baudarlehen aus.

manager-magazin.de mit Material von reuters