Münchener Rück Lauer Sturm

Im zweiten Quartal hat die Münchener Rück ihren Gewinn stabil gehalten - vor allem, weil sie in den USA keine Ertragssteuer zahlte. Im Betriebsergebnis hinterließ der Wintersturm Kyrill Spuren, allerdings nicht so schlimme wie befürchtet. Der Konzern peilt für 2007 ein Rekordergebnis an.

München - Der weltweit zweitgrößte Rückversicherer Münchener Rück  hat wegen höherer Schadenbelastungen vor allem durch den Wintersturm "Kyrill" im ersten Halbjahr operativ weniger verdient. Das operative Ergebnis sei in den ersten sechs Monaten von 3,3 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum auf 2,8 Milliarden Euro gesunken, teilte die Münchener Rück am Montag mit. Unter dem Strich konnte der Konzern aber dank eines Steuereffekts vor allem in den USA seinen Gewinn bei 2,1 Milliarden Euro stabil halten. Die gebuchten Bruttobeiträge verringerten sich um 0,7 Prozent auf 18,9 Milliarden Euro.

Auch im dritten Quartal erwartet der Konzern durch die Unternehmenssteuerreform und das Jahressteuergesetz 2008 positive Ergebniseffekte in Höhe von rund 400 Millionen Euro. Konzernchef Nikolaus von Bomhard erhöhte deshalb das Gewinnziel für das gesamte Geschäftsjahr von bisher 3,0 bis 3,2 Milliarden Euro auf nunmehr 3,5 bis 3,8 Milliarden Euro. "Wir liegen sehr gut auf Kurs für das Gesamtjahr. Unsere Ziele sind weiter ambitioniert, aber wir können und wollen erneut ein Spitzenergebnis liefern", sagte von Bomhard.

Die Aktie lag kurz nach Handelsbeginn mit 0,48 Prozent im Minus bei 123,62 Euro.

Analysten loben Zahlen

"Die Münchener Rück hat sich operativ sehr gut entwickelt", sagte UniCredit-Analyst Lucio Di Geronimo in einer ersten Reaktion. Das operative Ergebnis habe seine Schätzung ziemlich genau getroffen. Vor allem habe das Unternehmen von der Erstversicherungssparte Ergo  profitiert. Mit einer kombinierten Schaden-Kosten-Quote von 85,1 Prozent liege Ergo besser als der Mitbewerber Allianz . "Das gab es in der Vergangenheit selten", sagte Di Geronimo. Ergo hatte seine Gewinnprognose für 2007 am Sonntag um 30 Prozent auf 700 bis 780 Millionen Euro angehoben.

DZ-Bank-Analyst Thorsten Wenzel sagte, die neue Zielvorgabe für den Konzern sei realistisch, aber nicht ambitioniert. Steuereffekte herausgerechnet, sei das Ziel für den Überschuss nur um 100 Millionen Euro erhöht worden.

Für das Erreichen dieses Gewinnziels setzt der Vorstand eine normale Entwicklung am Kapitalmarkt sowie der Schadenbelastung bis zum Jahresende voraus. Zudem bestätigte er das Ziel, eine Rendite auf das Risikokapital (Rorac) in Höhe von mindestens 15 Prozent zu erreichen. Auch das Ziel für die Beitragseinnahmen in Höhe von 36,5 bis 37,5 Milliarden Euro wurde bekräftigt. Die kombinierte Schaden-Kosten-Quote soll sich in der Rückversicherung auf weniger als 97 Prozent belaufen. In der Erstversicherung werden weiterhin weniger als 95 Prozent angestrebt.

Drei Großschäden in diesem Quartal

Drei Großschäden in diesem Quartal

Im laufenden dritten Quartal erwartet das Unternehmen von dem Erdbeben in Japan, der Flut in Großbritannien sowie dem Flugzeugunglück in Brasilien jeweils Belastungen in Höhe eines zweistelligen Millionen-Euro-Betrages.

Im abgelaufenen zweiten Jahresviertel ging das operative Ergebnis im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 1,851 auf 1,535 Milliarden Euro zurück. Von der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-afx befragte Analysten hatten im Schnitt mit 1,510 Milliarden Euro gerechnet. Das Kapitalanlageergebnis gab von 2,674 auf 2,485 (Prognose: 2,574) Milliarden Euro. Der Überschuss nach Minderheiten stieg von 1,116 Milliarden auf 1,140 Milliarden Euro.

Keine Ertragssteuer in den USA

Für den Gewinnbeitrag von Munich Re America seien in diesem Quartal wegen einer Abschreibung im Vorjahr keine Ertragssteuern angefallen, erläuterte eine Konzernsprecherin die gegenläufige Entwicklung von operativem Ergebnis und Überschuss. Die Ertragssteuerbelastung ging Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 623 auf 298 Millionen Euro zurück. Alle anderen Ergebnisbeiträge des Konzerns waren rückläufig, wenn auch insgesamt weniger stark als erwartet.

Die Bruttoprämieneinnahmen gingen von 9,027 Milliarden auf 8,908 Milliarden Euro zurück, während Analysten einen leichten Anstieg auf 9,086 Milliarden Euro prognostiziert hatten. Die verdienten Nettoprämien legten von 8,811 Milliarden auf 8,861 (Prognose: 8,788) Milliarden Euro zu.

Rückversicherung stützt Ergebnis

In der Rückversicherung gingen die Bruttobeiträge um 3,2 Prozent zurück. Ihr Ergebnis verbesserte die Sparte um 22,8 Prozent auf 1,124 Milliarden Euro. Die Schaden-Kosten-Quote in der Schaden-Unfall-Rückversicherung stieg von 91,7 auf 94,9 Prozent und verfehlte damit die Analystenprognose von 93,8 Prozent.

Im Erstversicherungsgeschäft legten die Prämieneinnahmen um 2,3 Prozent zu. Das Ergebnis brach hingegen um 46,8 Prozent auf 160 Millionen Euro ein. Die Schaden-Kosten-Quote der Schaden/Unfall-Erstversicherung einschließlich der Rechtsschutzversicherung sank von 87,2 Prozent auf 85,1 Prozent.

600 Millionen Euro Subprime-Risiko

Der Rückversicherer hat sein Engagement auf dem Markt für gefährdete Hypothekenkredite angesichts der US-Subprime-Krise auf 600 Millionen Euro beziffert. Dies geht aus einer Präsentation des Vorstands hervor.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx