Finanzbranche Furcht wächst, Fonds schließen

Die durch marode US-Hypothekenanleihen ausgelöste Krise an den Finanzmärkten breitet sich aus. Auch in Deutschland wurden mehrere Fonds vorübergehend geschlossen. Die krisengeschüttelte IKB ruft nach dem Staatsanwalt. Zahlreiche Finanzkonzerne bemühen sich unterdessen darum, ihre Anleger zu beruhigen.

Frankfurt am Main - Am Freitag wurde bekannt, dass in Deutschland drei Investmentfonds in Folge der Turbulenzen vorübergehend geschlossen wurden. Die in eine Schieflage geratene Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB  schaltete die Staatsanwaltschaft ein, um mögliche Straftaten aufzudecken.

In den USA kündigte die Hypothekenkredit-Firma American Home Mortgage an, rund 90 Prozent ihrer Mitarbeiter zu entlassen und sich aus dem Geschäft mit der Immobilienfinanzierung zurückzuziehen.

Die IKB, die mit einer milliardenschweren Rettungsaktion der gesamten deutschen Bankenbranche am Leben gehalten werden soll, lässt jetzt mögliche juristische Konsequenzen ermitteln. "Die IKB hat sich bei der Staatsanwaltschaft gemeldet, wir stehen mit ihr und der BaFin in Kontakt und tragen die notwendigen Informationen für eine erste Bewertung des Sachverhalts zusammen", sagte Oberstaatsanwalt Peter Lichtenberg in Düsseldorf.

Derzeit gebe es aber weder eine Strafanzeige noch ein Ermittlungsverfahren. Die IKB war durch ihr Engagement an den US-Märkten in Schwierigkeiten geraten, Vorstandschef Stefan Ortseifen trat zurück.

Union Investment schließt Fonds – "vorübergehend"

Die Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken, Union Investment, schloss vorübergehend einen Fonds für institutionelle Anleger mit einem Volumen von rund einer Milliarde Euro. Damit solle verhindert werden, dass der Fonds seine Investments unter Wert verkaufen muss, weil Anleger zuletzt in größerem Umfang Geld abgezogen hatten. Ein Sprecher von Union Investment hatte die Schließung der Fonds bereits am Donnerstag gegenüber manager-magazin.de bestätigt. Das investierte Geld stammte von rund 200 Großkunden, darunter Banken und Unternehmen. Solange der Fonds geschlossen ist, können diese Kunden ihre Gelder nun nicht wieder zurückbekommen.

HSBC schließt ABS-Fonds - "vorläufig"

Nach Union Investment hat am Freitag auch HSBC Investments Deutschland seinen 200 Millionen Euro schweren ABS-Fonds vorläufig geschlossen. "Wir haben die Ausgabe und Rücknahme von Anteilen zum Schutz der Anleger ausgesetzt", sagte HSBC-Trinkaus-Syndikus Norbert Stabenow der "Financial Times Deutschland". ABS-Fonds investieren in forderungsbesicherte Wertpapiere (Asset Backed Securities), die in der aktuellen Liquiditätskrise an den Kreditmärkten teils nur noch zu hohen Preisabschlägen handelbar sind. Der Markt sei so illiquide, dass derzeit keine faire Preisfindung möglich sei, sagte Leonhard Fröhling, Leiter des institutionellen Geschäfts bei HSBC Investments.

Axa schließt zwei Fonds für neue Gelder

Die Fondstochter der Versicherung Axa  schloss zwei Publikumsfonds für neue Gelder. Die Anteile könnten aber weiterhin zurückgegeben werden, sagte eine Sprecherin von Axa Investment Managers in Frankfurt.

In den vergangenen Wochen war der Wert der Fonds um teils mehr als 20 Prozent zurückgegangen. In Schreiben an ihre Investoren hatten die Axa-Manager schon zuvor eine große Liquiditäts- und Vertrauenskrise im US-Anleihenmarkt beklagt.

Es handele sich um ein extrem herausforderndes Umfeld. Es werde allerdings erwartet, dass die Liquidität im Laufe der Zeit wieder zunehmen werde, hieß es.

Allianz, HRE und Depfa in Erklärungsnot

Allianz, HVB, HRE und Depfa begegnen Gerüchten

Mehrere deutsche Banken wie etwa die HVB, Hypo Real Estate  oder Depfa  betonten, sie rechneten nicht mit relevanten Belastungen aus der Subprime-Krise in den USA. Auch der Versicherungskonzern Allianz trat Ängsten um mögliche Auswirkungen der Krise entgegengetreten.

Ähnlich hatten sich zuvor schon mehrere Frankfurter Großbanken geäußert. Die Commerzbank-Tochter Essen Hyp betonte, nicht in dem Markt engagiert zu sein.

American Home kurz vor der Pleite – Aktien fast wertlos

Die Stimmung an den Börsen blieb dennoch nervös. So verlor die Aktie der Hypo Real Estate  verlor bis zum Nachmittar rund 5 Prozent auf 41,63 Euro. Auch Depfa  tendierte sehr schwach.

In den USA warf die schwer angeschlagene Hypothekenkredit-Firma American Home Mortgage weitgehend das Handtuch. Das bis vor kurzem rasant expandierende Unternehmen entlässt mehr als 7000 Mitarbeiter bis auf eine kleine Restmannschaft von 750 Beschäftigten. Es will nur noch die Spar- und Dienstleistungssparte behalten und sucht nach einem geeigneten Weg, um den Wert der verbliebenen Vermögenswerte zu schützen, wie das Unternehmen mit Sitz in Melville (US-Bundesstaat New York) mitteilte.

Die Aktien der American Home brachen nachbörslich weiter ein und sind inzwischen fast wertlos.

Analysten beschreiben die Stimmung am Kapitalmarkt derzeit als "übernervös". Der gesamte Kreditmarkt werde auf Grund der Hypothekenkrise in Sippenhaft genommen. Die Risikoaufschläge auch für Unternehmensanleihen waren in den vergangenen Tagen stark gestiegen. "Es ist wahrscheinlich, dass sich der Markt bis Herbst wieder beruhigt und die Risikoprämien am Anleihemarkt wieder sinken", sagte ein Analyst gegenüber manager-magazin.de. Bis Jahresende sei dann auch wieder mit steigenden Kursen im Dax  zu rechnen.

Dax-Geflüster: Wie Dax-Konzerne die Kreditkrise überstehen

manager-magazin.de mit Material von dpa

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