Kreditkrise Frankfurt Trust schließt ABS-Fonds

Das Geldanlagehaus Frankfurt Trust hat seinen Fonds ABS Plus geschlossen. Grund ist die Krise bei amerikanischen Hypothekenkrediten. Hunderte Anleger kommen vorerst nicht mehr an ihr Geld. Das erfuhr manager-magazin.de exklusiv.
Von Karsten Stumm

Düsseldorf - Die Krise auf dem US-Hypothekenkreditmarkt trifft die Sparer in der Bundesrepublik in immer kürzeren Abständen: Nach der genossenschaftlichen Fondsgesellschaft Union Investment und HSBC Investments Deutschland zieht nun auch die Fondsgesellschaft Frankfurt Trust der BHF-Bank die Notbremse. Das Finanzhaus hat am Freitagabend seinen Fonds ABS Plus  geschlossen.

"Das hat der Verwaltungsrat des Unternehmens im Sinne unserer Anleger so entschieden", sagte Frankfurt-Trust-Sprecher Holger Ullrich auf Nachfrage gegenüber manager-magazin.de. Die BHF-Bank gehört zur Kölner Privatbank Sal. Oppenheim.

Betroffen davon sind Hunderte Anleger, die vorerst nicht mehr an ihr Geld kommen. Alle Rücknahmeaufträge, die nach dem 3. August 2007 bei der Verwaltungsgesellschaft oder der Depotbank des Finanzinstituts eingegangen sind, werden blockiert.

Insgesamt investierten die Sparer etwa 200 Millionen Euro in den FT ABS Plus, die Frankfurt-Trust-Fondsmanager Rainer Gogel unter anderem in sogenannte Collateralized Debt Obligations gesteckt hat, kurz CDO. Genau die sollten aber eigentlich durch die Erlöse jener Hypothekenkredite abgesichert werden, die in Amerika derzeit vielfach unter Druck geraten: die Subprime-Mortgages. Frankfurt Trust habe die Anteilswertberechnung des Fonds bereits eingestellt. Wann der Fonds wieder geöffnet wird, sei nicht absehbar.

Die Krise des Frankfurt-Trust-Fonds zeigt nicht nur, wie weit die Verquickung der Finanzwirtschaft mittlerweile rund um den Globus reicht; schließlich war die zugrunde liegende Hypothekenkreditklemme ursprünglich ein amerikanisches Problem. Die mittlerweile dritte Fondsschließung in Deutschland lässt vielmehr auch die Nervosität der Anleger erahnen, die offenbar von einer fiebrigen Crash-Angst gepackt sind. Denn der FT ABS Plus zählte in den vergangenen Jahren oft zu den besten seiner Klasse.

Zudem hatte das Fondsmanagement zuletzt nur noch geringe Anteile des Fondsvermögens überhaupt in die kritischen CDO-Investments gesteckt. "Unser Portfoliomanagement steht dem US-Subprime-Markt schon seit geraumer Zeit skeptisch gegenüber und hat bereits frühzeitig die Konzentration dieser durch ABS besicherten CDOs im Portfolio reduziert", sagte Fondsmanager Gogel noch vor wenigen Tagen gegenüber manager-magazin.de. Das reichte allerdings nicht.

Denn nachdem zuerst Union Investment seinen Kreditfonds ABS Invest  schloss und anschließend HSBC seinen HSBC Trinkaus ABS , forderten jetzt auch mehr und mehr Anleger von Frankfurt Trust ihr Geld zurück - und setzten damit speziell am vergangenen Freitag ebenfalls den ABS-Plus-Fonds dieses Geldhauses unter Druck.

Welle türmt sich auf

Welle türmt sich auf

Damit ähneln die Folgen der Subprime-Mortgage-Krise schon jetzt jener Verkaufspanik, die vor Monaten noch Immobilienfondsanleger gepackt hatte. Nachdem einzelne dieser Anlagevehikel seinerzeit in Schwierigkeiten geraten waren, zogen Anleger massenhaft ihr Geld auch bei anderen offenen Immobilienfonds ab.

Das aber setzte diese dann genauso unter Druck wie jetzt das Fondsmanagement des ABS Plus von Frankfurt Trust, auch wenn der Fonds noch über Reserven verfüge. Damals mussten eigentlich unbeteiligte Fonds vorübergehend schließen - und plötzlich steckte fast die gesamte Branche in Schwierigkeiten.

Finanzexperten sind nicht nur deshalb besorgt, dass die aktuelle Finanzkrise erneut zu einer Fluchtbewegung aus einer ganzen Anlageklasse führen könnte. Die Mortgage-Krise steuert ihrer Meinung nach erst auf ihren Höhepunkt zu.

Die Konditionen eines Großteils dieser Kredite müssen nach Expertenschätzung erst Ende dieses oder Anfang kommenden Jahres neu verhandelt werden. Dann aber werden die Banken von ihren Hypothekenkreditnehmern deutlich höhere Zinsen fordern als die Häuslebauer noch beim Abschluss ihrer Kreditverträge kalkuliert hatten.

Zugleich steigt aber in Amerika nicht mehr unbedingt der Wert der Immobilien im gleichen Verhältnis wie die Zinsen für ihre Kredite. Im Gegenteil, vielfach fallen die Immobilienpreise für neue Häuser sogar so kräftig wie seit 1992 nicht mehr. Deshalb aber könnten nicht wenige Kreditnehmer ihre Kredite bald nicht mehr bezahlen, unken Volkswirte - und die Blase würde platzen.

"Die Tatsache, dass der Anteil der Subprime-Mortgages am gesamten Hypothekenmarkt in den vergangenen Jahren auf historische Hochs angestiegen ist und gleichzeitig die Vergabekriterien so lax wie noch nie waren, lässt nichts Gutes für die nächsten Monate erwarten", sagte selbst Frankfurt-Trust-Mann Gogel.

Seit Freitagabend kann er die Risiken und Chancen noch besser einschätzen.

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