IKB-Krise "Jenseits meiner Vorstellungskraft"

Trotz des milliardenschweren Rettungspakts für die IKB haben Investoren kein Vertrauen mehr in die Bank. Anleger flüchteten aus der Aktie, die am Donnerstag in der Spitze um mehr als 40 Prozent einbrach. Der Börsenwert der IKB hat sich binnen einer Woche halbiert. Die Krise hat weitere personelle Konsequenzen.

Frankfurt am Main - Die staatliche Förderbank KfW und die deutschen Banken haben sich am Wochenende bereit erklärt, bis zu 3,5 Milliarden Euro von etwaigen Verluste der IKB  aufzufangen, wie erst am Donnerstag bekannt wurde. Die zur Verfügung gestellten Garantien decken Finanzkreisen zufolge aber nur ein Fünftel des spekulativen Engagements der IKB im US-Hypothekenmarkt ab.

Dem zufolge wäre die IKB  mit rund 17,5 Milliarden Euro im Markt für zweitklassige US-Hypotheken engagiert. Doch noch ist unklar, wie viel die Mittelstandsbank tatsächlich zu schultern hat.

Die 3,5 Milliarden seien ein hypothetischer Wert, der bei der Abwicklung des US-Engagements entstehen könnte, hieß es in Finanzkreisen. Davon entfällt eine Milliarde Euro auf risikobehaftete Positionen in der IKB-Bilanz. Der Rest sind Risiken aus dem betroffenen Fonds "Rhineland Funding", der sich in den USA mit zweitklassigen Immobiliendarlehen verspekuliert hat.

Hauptversammlung wird verschoben

Mit ihren Reserven von mehr als zwölf Milliarden Euro sieht sich die IKB aber in der Lage, den Liquiditätsbedarf für die nächsten zwölf Monate zu decken, betonte der IKB-Vorstand. Auf Betreiben der Bank soll die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) aber in einer "umfassenden Sonderprüfung" insbesondere den Fonds untersuchen.

Eckpunkte des IKB-Rettungspakets

In Finanzkreisen hieß es, die IKB  solle ihre spekulativen Investments abbauen und sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren. Eigentlich ist sie auf die Finanzierung deutscher Mittelständler spezialisiert, betreut aber seit sechs Jahren den US-Fonds "Rhineland Funding". Weil sich in den USA Kreditausfälle häufen, wurden Investoren nervös, der Fonds konnte seine Refinanzierung nicht mehr sichern. Die KfW hat der IKB deshalb - unabhängig von der Abschirmung gegen die Verluste - eine Kreditlinie von 8,1 Milliarden Euro eingeräumt und damit deren Bonität gesichert.

Ebenfalls am Donnerstag teilte die IKB mit, ihre ursprünglich für den 30. August angesetzte Hauptversammlung in das vierte Jahresquartal zu verschieben. Der Aufsichtsratsvorsitzende Ulrich Hartmann, der auch Oberkontrolleur beim Energiekonzern Eon  ist und lange dessen Vorstandschef war, sei vom IKB-Großaktionär KfW gebeten worden, seine Amtszeit entsprechend zu verlängern, sagte Eon-Konzernsprecher Peter Blau. "Hartmann hat sich dazu bereiterklärt."

Weitere personelle Konsequenzen

Weitere personelle Konsequenzen

Hartmann sollte ursprünglich zur Hauptversammlung aus Altersgründen als IKB-Aufsichtsratschef ausscheiden. Künftig soll das KfW-Vorstandsmitglied Detlef Leinberger die Leitung des Aufsichtsrats übernehmen. Entsprechende Vorab- Informationen der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (Freitag) wurden am Donnerstag in Frankfurter Finanzkreisen bestätigt. IKB und KfW wollten sich dazu nicht äußern.

Die IKB-Krise hat weitere personelle Konsequenzen, nachdem am Montag bereits Vorstandschef Stefan Ortseifen abtreten musste. Fristlos entlassen wurde nun der Geschäftsführer der IKB Credit Asset Management, Winfried Reinke, wie die IKB am Donnerstagabend mitteilte.

Die "Süddeutsche Zeitung" (Freitagausgabe) berichtete vorab, der IKB-Aufsichtsrat und die KfW prüften, ob gegen den Vorstand strafrechtlich ermittelt werden müssen. Einem Bericht der "Welt" zufolge hat IKB-Chef Ortseifen noch kurz vor der entscheidenden Aufsichtsratssitzung nicht über die Probleme informiert. IKB und KfW kommentierten das nicht.

Auslöser der von IKB , KfW, dem Bundesfinanzministerium sowie Banken- und Verbandsvertretern vereinbarten Rettungsaktion war Finanzkreisen zufolge die Deutsche Bank . Diese habe die Risiken bei der IKB erkannt und eine Kreditlinie gekündigt, sagte ein Insider. "Dadurch wurden die Probleme erkannt und es konnte schnell gehandelt werden", fügte er hinzu.

Börsianer zeigen sich geschockt

Börsianer zeigten sich geschockt über die Höhe der bei der IKB drohenden Verluste und kritisierten die Informationspolitik der Bank. "Das liegt jenseits meiner Vorstellungskraft, diesen Umfang hat wohl auch niemand erwartet", sagte ein Händler. LBBW-Analyst Olaf Kayser sagte, nun stelle sich die Frage einer Kapitalerhöhung.

Der Bundesverband deutscher Banken (BdB) und die Bundesbank versuchten verunsicherte Anleger zu beruhigen. Spekulationen über eine drohende Bankenkrise seien "völlig aus der Luft gegriffen", erklärte der Geschäftsführer des BdB, Manfred Weber. Bundesbank-Präsident Axel Weber sagte, das Engagement deutscher Kreditinstitute am US-Immobilienmarkt sei überschaubar. Ein Vergleich mit der Bankenkrise von 1931 sei "völlig abwegig".

Von den Garantien für die IKB  übernimmt der BdB 500 Millionen Euro. Die KfW als Hauptaktionär soll Insidern zufolge 2,5 Milliarden Euro tragen. Sparkassen und Landesbanken, Genossenschafts- und Förderbanken teilen sich die restlichen 500 Millionen Euro. Dort macht sich Unmut breit. "Es entstand ein Gruppenzwang, dem man sich nicht entziehen kann", hieß es in Sparkassenkreisen.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa