Deutsche Bank Skepsis trotz Rekordgewinn

Ungeachtet der US-Hypothekenkrise hat die Deutsche Bank ihr bisher bestes zweites Quartal hinter sich. Mit Blick auf mögliche Risiken gibt Vorstandschef Josef Ackermann Entwarnung, weicht Fragen aber aus. Experten erwarten, dass der Bank allein im Geschäft mit US-Hypotheken Belastungen in dreistelliger Millionenhöhe drohen.

Frankfurt am Main - Der Gewinn der Deutschen Bank  ist im zweiten Quartal um fast ein Drittel auf 1,78 Milliarden Euro und übertraf deutlich die Erwartungen der Analysten. Die Sorgen der Anleger vor den Folgen der Krise konnte Bank-Chef Josef Ackermann am Mittwoch dennoch nicht ausräumen. Die Aktie brach um bis zu 3,5 Prozent auf 97,40 Euro ein.

Analysten kritisierten, das Management sei konkreten Fragen ausgewichen. Die Deutsche Bank  sei gegen Verluste nicht immun.

Ackermann erklärte, dass die US-Hypothekenkrise aus Sicht der Bank zwar Auswirkungen auf das Geschäftsumfeld habe, aber keine grundlegende Umwälzung darstelle. Die Bank sei in der Vergangenheit mit der Übernahme solcher Risiken sehr vorsichtig gewesen. "Daher sind wir fest davon überzeugt, dass diese Disziplin es uns erlauben wird, weiterhin gute Ergebnisse zu erwirtschaften", erklärte er.

Viele Fragen bleiben offen

Analysten bemängelten, viele Fragen seien offen geblieben. "Das ist natürlich schade - gerade in Situationen, in den die Unsicherheit groß ist", sagte Dieter Hein von Fairesearch. "Die Leute haben die Sorge, dass sich da draußen große Risiken befinden", ergänzte Analyst Alan Webborn von Societe Generale. "Niemand weiß letztlich, wann die Musik zu spielen aufhört und wer dann ohne einen Stuhl zum Sitzen dasteht."

Anfang der Woche war die IKB  Mittelstandsbank in Bedrängnis geraten, weil sich ein Fonds der IKB mit US-Hypothekenkrediten verspekuliert hatte. Die staatliche Förderbank KfW musste ihr zur Seite springen. Die Finanzaufsicht BaFin erklärte zwar am Mittwoch, sie sehe in diesem Zusammenhang keinen Anlass für weitere Sonderprüfungen unter den deutschen Banken. In Presseberichten hieß es aber, einzelne Institute hätten der IKB millionenschwere Kreditzusagen gemacht. Andere sollen ebenfalls mit den schlecht gesicherten Hypothekenkrediten spekuliert haben.

Standard & Poor's sieht Gefahr für Banken

Zugleich könnten sich die Renditebringer der Vergangenheit - die kreditfinanzierten Übernahmen - zu einer ernsthaften Gefahr in den Bilanzen der Banken entwickeln. Finanzinvestoren stemmen den Kauf von Unternehmen mit bis zu 80 Prozent Fremdkapital - finanziert durch große Geschäftsbanken, die derlei Kredite syndizieren.

Für gewöhnlich bündeln die Banken die Kredite und reichen sie an den Kapitalmarkt weiter. Angesichts der Kreditkrise am US-amerikanischen Hypothekenmarkt reagieren die Investoren aber zunehmend skeptischer. Die Konsequenz: Die Banken bleiben auf den Risiken sitzen.

"Harte Landung nicht auszuschließen"

Sollte sich die Krise an den internationalen Kreditmärkten ausweiten, drohe nach Einschätzung der Ratingagentur Standard & Poor's auch eine Gefahr für die Bonität der Banken. Dies gelte vor allem dann, wenn die von Finanzinvestoren übernommenen Unternehmen in die Insolvenz gingen oder sich die Krise am US-Hypothekenmarkt ausweiten sollte. "Man kann eine harte Landung nicht völlig ausschließen", zitiert die Internetausgabe des Handelsblatt am Mittwoch aus der Studie.

Wie stark Banken nun von der Krise an den Kreditmärkten tatsächlich betroffen sind, ist schwer zu beziffern. Die meisten Institute schweigen zu ihrem Engagement bei kreditfinanzierten Übernahmen. Noch weisen sie aus, wir stark sie in dem riskanten Markt für US-Hypotheken involviert sind. Experten der US-Investmentbank von Morgan Stanley haben gleichwohl versucht, sich anhand des verfügbaren Zahlenmaterials darüber ein Bild zu machen.

Wie tief die Deutsche Bank drinsteckt

US-Hypothekenmarkt wird Deutsche Bank belasten

Demnach gehen die Analysten von Morgan Stanley davon aus, dass der Deutschen Bank  alleine im Geschäft mit riskanten US-Hypotheken Belastungen von 435 Millionen Dollar drohten, berichtet die Internetausgabe des Handelsblatt. Dies wären gut 4 Prozent des für 2007 erwarteten Vorsteuergewinns.

Finanzvorstand Anthony di Iorio erklärte am Mittwoch lediglich, dass die Bank nur in einem kleinen Umfang am Markt für kriselnde US-Immobilienkredite aktiv sei. Das Engagement im Geschäft mit Hypothekenkrediten an Schuldner mittelmäßiger und schlechter Bonität sei "relativ gering", sagte di Iorio in einer Telefonkonferenz.

Im europäischen Geschäft mit Übernahmekrediten für Finanzinvestoren war die Deutsche Bank in diesem Jahr an neun der zwanzig größten Finanzierungen beteiligt. In den USA hat der deutsche Branchenprimus immerhin einen Marktanteil von 8 Prozent und sei damit die fünftgrößte Bank, was die Kreditvergabe an Finanzinvestoren angehe, heißt es in dem Handelsblatt-Bericht weiter.

Auch bei besonders riskanten Finanzierungen, die unter dem Stichwort Bridge Equity laufen, sei die Deutsche Bank mit dabei. Dabei handelt es sich um Überbrückungsfinanzierungen für Übernahmen, bei denen die Banken nicht nur Kredit geben, sondern auch mit Eigenkapital ins Risiko gehen.

Wie Deutschlands größtes Geldhaus am Mittwoch nun mitteilte, fiel von April bis Juni unter dem Strich ein Gewinn von 1,78 Milliarden Euro an - 31 Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Damit übertraf die Bank die Analystenerwartungen klar, die im Schnitt mit 216 Millionen Euro weniger gerechnet hatten. Die Eigenkapitalrendite vor Steuern kletterte im Quartal bereinigt um Sonderfaktoren auf 35 (33) Prozent und lag damit zehn Punkte über der Zielmarke von Vorstandschef Josef Ackermann.

Quartalsgewinn steigt um 32 Prozent

Vor Steuern steigerte die Deutsche Bank den Quartalsgewinn um 32 Prozent auf 2,70 Milliarden Euro. Insbesondere Provisionsüberschuss und Handelsergebnis sorgten dafür, dass die Frankfurter die Erwartungen übertrafen. So kletterte das Handelsergebnis um gut die Hälfte auf 3,10 Milliarden Euro, während sich der Provisionsüberschuss auf 3,14 (Vorjahr 2,88) Milliarden Euro erhöhte. Der Zinsüberschuss stieg um rund 6 Prozent auf 1,97 Milliarden Euro. Insgesamt stiegen die Erträge damit um 27 Prozent auf 8,78 Milliarden Euro.

"Alle Geschäftsbereiche haben zu diesem Wachstum beigetragen", erläuterte Ackermann. Allerdings blieb erneut ein deutliches Übergewicht der Sparte Firmenkunden und Investmentbanking (CIB), die mit 2,0 (Vorjahr 1,5) Milliarden Euro etwa drei Viertel des Gewinns vor Steuern erwirtschaftete.

Insbesondere im Handel - sowohl mit Anleihen als auch mit Aktien - konnte die Deutsche Bank kräftig zulegen. Die Pipeline mit Beratungsaufträgen für Börsengänge und Übernahmen (M&A) sei stark gefüllt, hieß es zudem. Das Konzernsegment Privatkunden und Vermögensverwaltung (PCAM) steigerte den Vorsteuergewinn im Quartal um 19 Prozent auf 588 Millionen Euro.

Im zweiten Quartal profitierte die Deutsche Bank auch von einem Sonderertrag aus der im Mai angekündigten so genannten Sale-Leaseback-Transaktion ihres US-Hauptsitzes. Die Bank hatte ihr Bürogebäude an der Wall Street an den Immobilieninvestor Paramount verkauft und erwartet dadurch im laufenden Jahr einen Vorsteuergewinn von rund 320 Millionen Euro. Anteilig wurden davon im zweiten Quartal nun 126 Millionen Euro verbucht.

manager-magazin.de mit Nachrichtenagenturen

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