Börsenschluss Dax in Krisenstimmung

Der deutsche Leitindex Dax musste heute ein deutliches Minus hinnehmen. Selbst teils glänzende Geschäftsdaten von Continental, der Deutschen Bank oder der Metro zeigen bei den Investoren keine Wirkung. Zu gefährlich scheint den Anlegern derzeit Amerikas Finanzkrise, als dass gute deutsche Wirtschaftsdaten eine Rolle spielten.

Frankfurt am Main - Hiobsbotschaften vom US-Hypothekenmarkt haben heute eine wahre Verkaufswelle am deutschen Aktienmarkt ausgelöst. Der Dax  fiel um 1,45 Prozent auf 7473,93 Punkte zurück. Am Morgen hatte der Index sogar zweieinhalb Prozent im Minus gelegen. Selbst starke Quartalszahlen wie die von Continental , der Deutschen Bank  oder der Metro  wurden nicht mit Kursgewinnen honoriert.

Der MDax  der mittelgroßen Werte, zwischenzeitlich mit mehr als 3 Prozent im Minus, erreichte 10.582,70 Punkte; das sind 1,53 Prozent weniger als am Vortag. Für den Technologieindex TecDax  ging es darüber hinaus um 1,74 Prozent auf 905,32 Punkte nach unten. Auch an den anderen Börsen in Europa gaben die Aktienkurse kräftig nach. "Die Anleger starren derzeit wie das Kaninchen auf die Schlange", sagte Analyst Timo Graucob von Merck Finck. Außerdem stieg der Ölpreis Dienstagabend zwischenzeitlich auf ein Rekordhoch von 78,21 Dollar.

Auslöser der Verkaufswelle war das Eingeständnis des US-Hypothekenfinanzierers American Home Mortgage, keine Kredite mehr zur Finanzierung des Geschäfts zu erhalten. Damit stehe das Unternehmen kurz vor der Pleite, sagte ein Händler. Das habe Panik ausgelöst.

Von den 30 Dax-Werten mussten heute 25 Kursverluste hinnehmen. Den Rückwärtsgang legten vor allem einige der Unternehmen ein, die ihre Zwischenbilanzen vorlegten. Der Preis für BMW-Titel  beispielsweise sank um 5,02 Prozent auf 43,53 Euro. Der Autobauer hat im zweiten Quartal zwar steigende Umsätzen präsentiert, aber weniger verdient - und mit einem Vorsteuerergebnis von 1,065 Milliarden Euro vor allem wegen ungünstigerer Wechselkurse die Analystenschätzungen verfehlt.

Aktien von Henkel  verloren ebenfalls nach Zahlen zum zweiten Quartal 3,46 Prozent auf 38,46 Euro. Der Konsumgüterkonzern hatte von April bis Juni verglichen mit der entsprechenden Vorjahresperiode einen Gewinnrückgang bei steigenden Umsätzen verbucht. allerdings war das Vorjahresergebnis durch Erlöse von Firmenverkäufen aufgebläht.

Trotz starker Quartalszahlen konnten sich auch die Papiere der Deutschen Bank  und des Autozulieferers Continental  nicht gegen den Abwärtstrend am Markt stemmen. Der Aktienkurs der Deutschen Bank gab um 2,08 Prozent auf 98,80 Euro nach, Continental-Anteile sanken um 1,90 Prozent auf 104,00 Euro.

Ölpreis auf Rekordniveau

Ölpreis auf Rekordniveau

Dagegen verbuchten die Anteilsscheine der Metro  dank gestiegener Umsätze des weltweit drittgrößten Einzelhändlers ein Plus und stiegen um 0,65 Prozent auf 57,64 Euro. Zu den Favoriten der Anleger im Dax zählten die Aktien von Linde  mit einem Plus von 1,25 Prozent auf 87,95 Euro. Händlern zufolge trieben Anschlusskäufe nach den starken Zahlen vom Montag die Titel weiter an.

Der Ölpreis erklomm derweil am Dienstagabend einen Höchststand. US-Leichtöl erreichte mit 78,21 Dollar einen Rekord-Schlussstand. Der bisherige Rekord-Schluss war am 14. Juli vergangenen Jahres mit 77,03 Dollar erreicht worden. In den vergangenen zwei Monaten sind die Rohölpreise damit um mehr als 20 Prozent gestiegen. Am Mittwoch verbilligte sich Rohöl etwas. Im elektronischen Handel an der New Yorker Rohstoffbörse kostete ein Barrel (159 Liter) 77,75 Dollar, etwa 46 Cent weniger als am Dienstag.

Nordsee-Öl der für Europa wichtigen Sorte Brent verlor in London 48 Cent auf 76,57 Dollar, liegt aber damit auf ähnlich hohem Niveau wie US-Öl. Zu dem aktuellen Preisauftrieb bei US-Öl trug die Erwartung der Börse bei, dass sich die Lagerbestände in den USA in nächster Zeit deutlich verringern werden.

Ursachen für den kontinuierlichen Preisanstieg der vergangenen Wochen waren auch Ausfälle in Raffinerien, Produktionskürzungen in Nigeria und in der Nordsee sowie Prognosen, wonach die globale Nachfrage das verfügbare Angebot bis Ende des Jahres übertreffen soll. "Neben den Fundamentaldaten spielen eben auch Spekulationen derzeit eine wichtige Rolle an den Märkten", sagte der Experte des Energie-Informationsdienstes, Rainer Wiek. Es gebe vor allem in den USA Druck von der Nachfrageseite.

Der Euro  wurde heute ebenfalls teurer. Die europäische Gemeinschaftswährung wurde am Nachmittag mit 1,3707 US-Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank hatte ihren Referenzkurs zuvor auf 1,3663 US-Dollar festgesetzt, nach Dienstag: 1,3707 am Dienstag. Ein Dollar kostete damit 0,7319 Euro.

"Die US-Wirtschaft schwächt sich stärker als bisher erwartet ab", sagte Folker Hellmeyer, Chefanalyst von der Bremer Landesbank. Dies signalisiere der Nachmittag veröffentlichte Einkaufsmanagerindex ISM für das Verarbeitende Gewerbe. "Die Hoffnung auf eine baldige Belebung der US-Wirtschaft wurde enttäuscht." Der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe gilt als wichtigster Frühindikator der US-Konjunktur. Der Index sank im Juli von 56,0 Punkten im Vormonat auf 53,8 Punkte. Volkswirte hatten im Durchschnitt mit einem zum Vormonat unveränderten Wert von 56,0 Punkten gerechnet.

An der New Yorker Wall Street tendierten die Kurse bisher uneinheitlich. Während der Dow-Jones-Industrial-Index  um 0,4 Prozent auf 13 258 Punkte stieg, verlor der Nasdaq Composite 0,1 Prozent auf 2544 Zähler.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx, dpa und reuters

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