TecDax GPC-Aktie stürzt ins Bodenlose

Für die Biotechfirma GPC kommen die Probleme geballt. Die US-Zulassung des Krebsmittels Satraplatin ist fraglich, amerikanische Anwälte verklagen GPC. Dass der Vorstandschef sich rechtzeitig von Aktienoptionen trennte, trübt das Vertrauen der Anleger weiter. Binnen einer Woche brach die Aktie um zwei Drittel ein.

Frankfurt am Main - Für die Aktien von GPC Biotech  hat es auch zum Wochenausklang kein Halten gegeben. Die Titel rutschten am Freitagvormittag um 16,57 Prozent auf 7,55 Euro noch weiter ins Minus. Seit dem ersten Kurssturz am vergangenen Freitag durch Zweifel am neuen Krebsmedikament Satraplatin hat die Aktie damit rund 68 Prozent ihres Werts eingebüßt.

Händler verwiesen auch auf den Verkauf von Aktienoptionen von Vorstandschef Bernd Seizinger am vorvergangenen Donnerstag - einen Tag vor der Bekanntgabe der Zweifel der US-Zulassungsbehörde FDA an Satraplatin. Es habe sich zwar um einen bereits lange zuvor festgelegten Verkaufsplan gehandelt und damit könnten Insidergeschäfte ausgeschlossen werden, so ein Börsianer. Für die Stimmung sei dies aber sehr schlecht.

Zudem wurde auf eine Klage gegen GPC in den USA verwiesen. Der Investor Robert Corwin reichte am Donnerstag Klage beim Bezirksgericht im New Yorker Stadtteil Manhattan ein, in der er GPC vorwirft, Wertpapiergesetze verletzt und falsche Angaben über die Entwicklung von Orplatna gemacht zu haben. Das GPC-Management habe angeblich Investoren erklärt, dass das Unternehmen erhebliche Fortschritte bei einer frühen US-Zulassung des Prostatakrebsmittels erziele, obwohl es gewusst habe, dass die Studie mit Orplatna voller Fehler sei.

Die Kanzlei Abbey Spanier Rodd & Abrams strebt eine Sammelklage an. Ein Sprecher von GPC sagte, dem Unternehmen liege die Klage noch nicht vor. So lange könne es sich nicht dazu äußern. "Wir werden uns aber selbstverständlich gegen alle Anschuldigungen verteidigen", sagte er. "Man konnte damit rechnen. Wenn eine Klage kommen würde, dann aus den USA", sagte ein Händler. Die Stimmung für die Aktie sei desolat. "Alle wollen nur noch raus aus dem Titel."

GPC Biotech hatte ursprünglich gehofft, bereits im August die US-Zulassung für Satraplatin zu erhalten. Das Unternehmen aus Martinsried bei München hat bislang noch kein Medikament am Markt und erhofft sich mit Krebsmedikament einen jährlichen Spitzenumsatz von mehr als 500 Millionen Dollar. Der Expertenausschuss der FDA hat allerdings empfohlen, die Analyse der endgültigen Überlebensdaten abzuwarten, bevor über den Zulassungsantrag entschieden werde. Experten sehen darin auch Zweifel an der Wirksamkeit des Mittels. Eine Markteinführung des Präparats in den USA, dem GPC mehr als 500 Millionen Dollar Umsatz im Jahr zutraut, dürfte sich nun zumindest deutlich verzögern.

Unterdessen hat sich die Credit Suisse dem Reigen der Abstufungen für die Titel angeschlossen und die Einschätzung von "Outperform" auf "Neutral" gesenkt. Am Vortag hatte bereits die Deutsche Bank die Aktien des Biotech-Unternehmens von "Buy" auf "Hold" und das Kursziel von 30 auf 14,50 Euro gesenkt.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx und reuters

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