MLP/Interhyp Gebündelte Kräfte

Der Finanzmakler MLP und der vor allem im Internet tätige Baufinanzierer Interhyp werden ihre Kräfte in der privaten Immobilienfinanzierung über ein gemeinsames Unternehmen bündeln. Wer am Ende stärker davon profitiert, ist unter Experten noch nicht ausgemacht. Die Aktie von Interhyp zieht jedenfalls kräftig an.

Hamburg - An dem Joint Venture mit dem Namen "MLP Hyp" soll Interhyp  50,2 Prozent und MLP  den Rest der Anteile halten. Das Gemeinschaftsunternehmen mit Sitz im Raum Heidelberg soll Ende dieses Jahres seine Geschäftstätigkeit aufnehmen, die operative Führung werde bei Interhyp liegen, heißt es am Dienstag.

"Wir werden in Zukunft unser Baufinanzierungsgeschäft über die neue Gesellschaft abwickeln", sagt MLP-Sprecher Jan Berg im Gespräch mit manager-magazin.de. Die Kunden sollen von einer unabhängigen Auswahl zahlreicher Produkte und niedrigeren Zinssätzen als jenen der klassischen Filialbanken profitieren. Beide Kooperationspartner versprechen sich von dem Joint Venture mehr Impulse für ihr Geschäft.

Baufinanzierungsbroker unterhalten kein aufwendiges Filialnetz, sondern betreiben ihr Geschäft überwiegend über Internet, Telefon und Post. Aufgrund dieses Kostenvorteils können sie ihren Kunden in der Regel auch deshalb günstigere Konditionen anbieten, weil sie im Massengeschäft zahlreiche Kreditanfragen bündeln und damit gegenüber den Kredit gebenden Banken einen größeren Verhandlungsspielraum besitzen. Dabei nimmt die Bedeutung des Internets als Informationsquelle für Immobilienfinanzierungen stetig zu. Nach einer repräsentativen Umfrage der DG Hyp unter potenziellen Immobilienkäufern und Bauherren liegen Internet und Hausbank als Informationsquelle für Baufinanzierungen mittlerweile fast gleichauf.

Der Markt stagniert

Angesichts der im internationalen Vergleich geringen Wohneigentumsquote von rund 44 Prozent in Deutschland sehen Experten noch viel Nachpotenzial. Gleichwohl stagniert seit Jahren das Gesamtvolumen des Wohnungsbaumarktes und damit die private Baufinanzierung, sagen Experten. Der Markt gilt hart umkämpft. Neben herkömmlichen Instituten wie Banken und Bausparkassen konkurrieren verstärkt Direktbanken und auch ausländische Anbieter um die Kunden und ein geschätztes jährliches Finanzierungsvolumen von rund 190 Milliarden Euro.

Unklar ist, ob es künftig im Bereich der Baufinanzierung einen gemeinsamen Internetauftritt geben wird, sagt Berg. Klar sei aber, dass der MLP-Berater auch bei Baufinanzierungen der Ansprechpartner Nummer eins für seine Kunden bleibt. "MLP will sich in der Baufinanzierung vom Direktvertrieb gerade dadurch absetzen, dass wir als Zusatz die umfassende persönliche Beratung bieten."

Auch wenn die MLP-Finanzierungssparte den Löwenanteil ihrer Erlöse mit Baufinanzierungen erwirtschaftet, spielt dieses Geschäft für den Finanzdienstleister gemessen an den gesamten Provisionserlösen der Makler eine untergeordnete Rolle. Der Bereich Finanzierung hat im vergangenen Jahr 3 Prozent der MLP-Maklererträge von insgesamt 473,5 Millionen Euro ausgemacht. Das vermittelte Neugeschäft im Bereich Finanzierung belief sich auf 1,217 Milliarden Euro, 900 Millionen Euro davon stammen aus der privaten Baufinanzierung.

Mit dem Gemeinschaftsunternehmen verknüpft MLP keine neuen Zielvorgaben. "Wir werden jetzt nicht zum Baufinanzierungsspezialisten in Deutschland. Das Joint Venture sehen wir vielmehr als eine wichtige Ergänzung unseres ganzheitlichen Beratungsansatzes", sagt Berg. Gleichwohl sei das Projekt für den Finanzdienstleister "ein großer Schritt nach vorn", weil MLP-Berater die ganze Systemlandschaft von Interhyp nutzen könnten. So werde MLP im Bereich der Baufinanzierung für seine Kunden künftig von 50 statt 15 kooperierenden Banken Angebote einholen können.

"Eine gute Nachricht für Interhyp"

Interhyp legt kräftig zu

Die im Jahr 1999 gegründete Interhyp bezeichnet sich selbst als der "führende unabhängige Anbieter von privaten Baufinanzierungen in Deutschland". Das vermittelte Finanzierungsvolumen belief sich im vergangenen Jahr auf 4,403 Milliarden Euro, ein Plus von 46 Prozent - in diesem Jahr soll es auf mehr als sechs Milliarden Euro steigen. Der Umsatz kletterte um 51 Prozent auf 70,6 Millionen Euro, während das Ergebnis (Ebit) auf 22,4 Millonen (2005: 12,9 Millionen) Euro anstieg. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet das Unternehmen ein Ergebnis von mindestens 32 Millionen Euro.

Die Aktie der Interhyp  hat sich seit ihrem Börsengang im September 2005 mehr als verdoppelt. Am Montag führt der Titel den SDax  mit einem Plus von mehr als 4 Prozent in der Spitze auf 87 Euro an. Die Commerzbank hat ihre Kaufempfehlung für die Aktie bei einem Kursziel von 110 Euro bestätigt. Das geplante Gemeinschaftsunternehmen mit MLP sei eine gute Nachricht für Interhyp , heißt es in einer Kurzstudie. Im Bereich der kleineren und mittleren Finanzwerte bleibe Interhyp der Titel mit dem besten Risikoprofil.

Für MLP  betont derselbe Analyst allerdings, das geplante Gemeinschaftsunternehmen könne sich negativ auf die Umsätze von MLP auswirken, dürfte die Gewinne aber nicht wesentlich beeinflussen. Ein anderer Marktbeobachter gibt nach Agenturberichten zu bedenken, MLP-Vertreter müssten sich ihre Provision aus dem Vertrieb von Hypothekenkrediten nun mit Kollegen von Interhyp  teilen. Gleichwohl sei das geplante Joint-Venture positiv zu bewerten, da sich der Umsatzanteil des Geschäfts mit Baufinanzierungen für MLP nun erhöhen dürfte. Experten von Equinet bemerken am Dienstag, das geplante Projekt eröffne MLP auch die Möglichkeit, Verbundprodukte zu vertreiben.

Die im MDax  notierten Aktien von MLP  verlieren gegen Dienstagmittag rund 2 Prozent. Händler machen dafür aber vor allem einen Analystenkommentar von JP Morgan verantwortlich. Die Bank hat die Aktie von "Neutral" auf "Untergewichten" herabgestuft und dies mit den ihrer Meinung nach mageren Wachstumsaussichten für MLP in Deutschland begründet.