Standort D Gagfah prüft Rückkehr

Geplante Steuererleichterungen locken den Immobilienkonzern Gagfah womöglich nach Deutschland zurück. Denn bislang unversteuertes Eigenkapital einst gemeinnütziger Wohnungsfirmen könnte mit einer Abgeltungsteuer von nur 3 Prozent belegt werden. Gagfah-Eigentümer Fortress würde die Steuer gerne zahlen.

Hamburg - Der US-Finanzinvestor Fortress  erwägt, seine Luxemburger Wohnungsholding Gagfah  nach Deutschland zu holen. "Wir prüfen, ob es eine Option sein könnte, unseren Sitz von Luxemburg nach Deutschland zu verlegen", sagte Gagfah-Chef Burkhard Drescher der "FTD" (Dienstagausgabe).

Hintergrund ist eine Steueränderung, die das Bundeskabinett im August beschließen will: Das bisher unversteuerte Eigenkapital der einst gemeinnützigen Wohnungswirtschaft von insgesamt 78 Milliarden Euro soll mit einer pauschalen Abgeltungssteuer belegt werden. Danach könnten die Eigner frei über die Rücklagen (EK 02) verfügen.

"Durch die pauschale Abgeltungssteuer werden gleiche steuerliche Bedingungen für alle Wohnungsgesellschaften geschaffen. Die Abschaffung der EK 02-Problematik führt zu einer erheblichen Erleichterung bei der Dividendenausschüttung. Zudem erwarten wir, dass nach dem Wegfall der EK02-Problematik mehr Städte dem Beispiel Dresdens folgen und ihre kommunalen Wohnungsbestände verkaufen werden", sagte Drescher.

Dreiprozentige Abgeltungsteuer auf Rücklagen geplant

Das unversteuerte Eigenkapital stammt aus der Zeit der Gemeinnützigkeit bis 1990. Wenn einst gemeinnützige Wohnungsgesellschaften vor 2019 Gewinne ausschütten, müssen sie diese Rücklagen auskehren und zu 45 Prozent nachversteuern. Die meisten schütten daher nichts aus - ein Problem für Finanzinvestoren, die ihre Geldgeber mit Rendite versorgen müssen.

Die Bundesregierung will nun durch eine zwingende, dreiprozentige Abgeltungssteuer auf diese Rücklagen das Problem lösen und dabei 2,3 Milliarden Euro einstreichen. Der deutsche Städte- und Gemeindebund lehnt dies als Sonderbelastung für kommunale Wohnungsfirmen ab.

Kapitalstarke Finanzinvestoren jedoch zahlen gerne, um einfacher ausschütten zu können: Beim Börsengang der Gagfah 2006 hatte Fortress das Problem durch eine umstrittene Luxemburger Holding umschifft.

Wie viel steuerfreies Eigenkapital in der Steuerbilanz der Gagfah schlummert, wollte Drescher nicht genau beziffern. "Wir sind dabei, das zu berechnen, gehen aber davon aus, dass wir bei der im Referentenentwurf vorgesehenen Regelung einen niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag zahlen würden", sagte er. Bei dem geplanten Satz von 3 Prozent dürften demnach die steuerfreien Rücklagen der Gagfah also mindestens 3 Milliarden Euro betragen.

"Beim Kaufpreis war die EK 02-Problematik bereits voll eingepreist", sagte Drescher. Für die Gagfah (Gemeinnützige Aktien-Gesellschaft für Angestellten-Heimstätten) mit knapp 80.000 Wohnungen hatte Fortress dem Bund im Jahr 2004 rund 3,5 Milliarden Euro gezahlt. Durch weitere Zukäufe ist der Bestand seither auf 170.000 Wohnungen gewachsen.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx