SEB Deutschland-Problem wächst

Mit dem Kauf der BfG-Bank wollte die Großbank SEB auf dem deutschen Markt Fuß fassen - stattdessen entwickelte sich das Geschäft auch im ersten Halbjahr 2007 deutlich rückläufig. Verkaufen die Schweden ihr Haus in Deutschland? Eine Bestandsgarantie sprach SEB-Chefin Annika Falkengren nur bis Ende 2007 aus.

Stockholm/Frankfurt am Main - Die schwedische Großbank Skandinaviska Enskilda Banken (SEB)  kommt in Deutschland nicht von der Stelle.

Das Geschäft der vor Jahren übernommenen gewerkschaftlichen BfG-Bank habe von Januar bis Juni auf operativer Basis einen Gewinnrückgang um zehn Prozent auf 807 Millionen Schwedische Kronen (rund 88 Millionen Euro) verbucht, teilte SEB am Donnerstag in Stockholm mit. Wie schon im Auftaktquartal belasteten höhere Refinanzierungskosten auf Grund der gestiegenen Kurzfristzinsen. Hinzu kamen Verluste aus einem nicht näher benannten Kreditengagement. Das Geschäft mit Privatkunden entwickle sich aber dennoch positiv, hieß es.

Damit sticht Deutschland einmal mehr als Schwachpunkt im Zahlenwerk der Schweden heraus. Lediglich in Norwegen musste die SEB im Halbjahr einen geringfügigen Gewinnrückgang hinnehmen.

Commerzbank soll Kaufinteresse haben

Alle anderen Regionen konnten hingegen zulegen - die baltischen Staaten sogar mit deutlich zweistelligen Wachstumsraten.

Experten zweifeln an, ob die SEB ihr vergleichsweise kleines Geschäft hier zu Lande auf Dauer halten kann. Bankchefin Annika Falkengren hat der Tochter bis Ende 2007 Zeit gegeben, sich zu beweisen, und eine Trennung nicht ausgeschlossen. Im Januar hatte sie sich zwar mit den Worten zitieren lassen: "Ich möchte das Deutschland-Geschäft behalten." Ein endgültiges Bekenntnis steht aber nach wie vor aus. Es gilt als ausgemachte Sache, dass für Institute wie beispielsweise die Commerzbank  die deutsche SEB ein interessantes Übernahmeziel wäre.

Gesamtkonzern legt gute Bilanz vor

Insgesamt konnte SEB dank steigender Erträge und nur moderat erhöhter Kosten die Erwartungen der Analysten im zweiten Halbjahr übertreffen. Vor Steuern und Zinsen (Ebit) stieg das Ergebnis von April bis Juni um 16 Prozent auf 4,55 Milliarden Kronen - umgerechnet rund 495 Millionen Euro. Analysten hatten im Schnitt mit gut 400 Millionen Kronen weniger gerechnet. Die Gesamterträge erhöhten sich um elf Prozent auf 10,72 Milliarden Kronen, während die Kosten mit 5,88 (Vorjahr 5,64) Milliarden Kronen nur leicht zulegten. Damit stellten sich die SEB in eine Reihe mit den Konkurrenten Handelsbanken und Nordea , die ebenfalls bereits starke Zahlen abgeliefert haben.

"Meiner Meinung nach ist es besonders positiv, dass es im Baltikum weiter extrem gut läuft", sagte Analyst Henrik Schmidt von Keefe, Bruyette and Wodds. Auch Kim Bergoe von Fox-Pitt, Kelton lobte die Zahlen. Zugleich verwies er aber darauf, dass SEB die Konkurrenz keineswegs übertroffen habe. Die SEB-Aktie legte bis zum Nachmittag 1,7 Prozent auf 241 Kronen zu.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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