ZEW-Index Die Dämpfer des Aufschwungs

Der deutsche Aufschwung hat nach Einschätzung der vom ZEW befragten Finanzprofis seine besten Zeiten hinter sich. Der hohe Ölpreis, gestiegene Zinsen sowie der starke Euro wirken als Dämpfer - doch die aktuelle Lage ist weiterhin gut.

Berlin - Wegen des starken Euro, hoher Ölpreise und steigender Zinsen rechnen Finanzmarktprofis in der zweiten Jahreshälfte mit einem schwächeren Wachstum, wie das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag zu seiner monatlichen Umfrage unter rund 300 Experten mitteilte.

Das ZEW-Barometer sank im Juli unerwartet kräftig auf 10,4 von 20,3 Punkten im Vormonat. "Die Konjunkturerwartungen zeigen an, dass die deutsche Wirtschaft mit einer etwas nachlassenden Dynamik in das Jahr 2008 starten wird", sagte ZEW-Präsident Wolfgang Franz. Die Lage schätzten die Befragten aber erneut als ausgezeichnet ein.

Der deutsche Leitindex Dax  fiel nach Bekanntgaben des ZEW-Barometers zeitweise unter die Marke von 8000 Punkten. Am Freitag hatte er mit knapp 8152 Punkten eine neue Rekordmarke erreicht. Auch der Euro gab etwas nach, behauptete sich aber mit rund 1,377 Dollar nahe seinem ebenfalls am Freitag erreichten Rekordhoch von 1,3813.

Abschwächung für Konsum und Baugewerbe erwartet

Den Höhenflug des Euro führten die Investoren und Analysten als wichtigen Grund für die erwartete Konjunkturabkühlung an. Er macht den deutschen Exporteuren das Leben schwer, da er Ausfuhren in andere Währungsräume verteuert.

Eine Abschwächung in den kommenden sechs Monaten sagen die Befragten auch dem inländischen Konsum und dem Baugewerbe voraus. "Gründe für diese Einschätzungen dürften unter anderem der Aufwärtstrend des Ölpreises und die steigenden Zinsen sein", hieß es beim ZEW.

Rohöl kostete zuletzt so viel wie seit einem Jahr nicht mehr und entzieht den Verbrauchern viel Kaufkraft. Der von der Europäischen Zentralbank binnen anderthalb Jahren von zwei auf vier Prozent verdoppelte Leitzins macht zudem die Kreditaufnahme für Konsumenten wie Unternehmern teurer.

Aktuelle Lage weiterhin sehr gut

Die aktuelle Lage schätzten die Befragten nur wenig schlechter ein als im Vormonat. Der Teilindex sank zwar auf 88,2 Punkte, hielt sich aber nahe dem erst im Juni erreichten Rekordwert von 88,7 Punkten.

Ökonomen teilen die Auffassung, wonach Deutschland den Konjunkturgipfel bereits hinter sich habe. "In den nächsten Monaten rücken wir wohl einfach in ein ruhigeres Fahrwasser", sagte Brian Mandt von der Postbank. Der gestiegene Pessimismus von Analysten und Anlegern sei angesichts des schärferen Gegenwindes für die Wirtschaft nicht unbegründet, sagte Bernd Weidensteiner von der DZ Bank: "Zudem steht der Dax auf Rekordhoch, da werden die Risiken wieder stärker in den Vordergrund gerückt".

manager-magazin.de mit Material von reuters

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