US-Hypothekenkrise "Kein Problem für den Finanzmarkt"

J.P.Morgan-Chase-Chef Jamie Dimon sieht in der US-Hypothekenkrise kein Problem für den Finanzmarkt. Die Kreditrisiken seien gut verteilt. Allerdings werde die Realwirtschaft größere Probleme bekommen als viele denken. Eine Rezession befürchtet er dennoch nicht.

Hamburg - Die Krise auf dem US-Hypothekenmarkt ist "aus Finanzmarktsicht kein Problem", sagte Jamie Dimon, Chef der US-Großbank J.P. Morgan Chase, laut Vorabbericht in einem SPIEGEL-Gespräch. Die finanziellen Verluste würden sich auf Käufer von Kreditderivaten, Banken und Hedgefonds verteilen.

Allerdings wirke sich die aktuelle Krise auch auf den realen Markt aus. Weniger Menschen könnten Häuser kaufen, die Hauspreise würden sinken. "Die Lage ist schlimmer, als die Leute glauben", sagte er, "aber die Dimension reicht nicht aus, um eine Rezession auszulösen." Die US-Ökonomie sei groß und in der glücklichen Situation, dass der Rest der Welt wachse.

Dem Bericht zufolge will Dimon eventuell in Europa expandieren. "Wir haben kein internationales Privatkundengeschäft, das ist unsere größte strategische Lücke", sagte er, "hier könnten wir eine Akquistion tätigen." Diese finde möglicherweise in Europa statt. Zuerst müssten sich im Zuge der weiteren Konsolidierung größere Einheiten bilden. "Die könnten dann für uns als Übernahmeziel interessant werden", sagte Dimon.

Dimon zeigte sich offen für eine Beschränkung von Hedgefonds. Um das extreme Kurzfristdenken vieler Hedgefonds einzudämmen, könne man darüber nachdenken, "ob es bei Aktien für kurzfristige Investoren gewisse Stimmrechtsbeschränkungen geben sollte, zum Beispiel eine Mindesthaltefrist von sechs Monaten". Das müssten die Unternehmen aber selbst regeln, nicht der Gesetzgeber. Solche und ähnliche Fragen habe Dimon auch bei einem Treffen mit Finanzminister Peer Steinbrück diskutiert. "Es geht Herrn Minister Steinbrück nicht um Regulierung, sonder um Transparenz", sagte er.

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