Währungshoch Euro teurer als je zuvor

Der Euro hat ein Rekordhoch erreicht. Am Dienstagnachmittag stieg der Kurs der europäischen Gemeinschaftswährung erstmals auf mehr als 1,37 Dollar. Gleichzeitig fiel die letzte Hürde für den Beitritt Maltas und Zyperns zur Währungsunion. Die beiden Inselstaaten übernehmen den Euro zum Jahreswechsel.

Frankfurt am Main - Der Kurs des Euro  ist am Dienstag auf einen neuen Rekordstand zum Dollar gestiegen und hat erstmals die Marke von 1,37 US-Dollar überschritten. Wenige Stunden vor einer mit Spannung erwarteten Rede des Chefs der US-Notenbank, Ben Bernanke, kletterte die Gemeinschaftswährung am Nachmittag bis auf 1,374 Dollar.

Die alte Rekordmarke bei 1,3682 Dollar von Ende April wurde damit deutlich übertroffen. Seinen Tiefstand seit seiner Einführung an den Finanzmärkten hatte der Euro im Oktober 2000 bei 0,82 Dollar erreicht. Gestartet war der Euro im Jahr 1999 mit 1,18 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Nachmittag noch auf 1,3666 (Montag: 1,3621) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,7317 (0,7342) Euro.

"Der Dollar-Raum ist derzeit die einzige der großen Wirtschaftsregionen in der Welt, für die keine Leitzinserhöhungen erwartet werden", sagte Carsten Fritsch, Devisenexperte bei der Commerzbank. Diese Zinserwartungen belasteten den Dollar zu allen wichtigen Währungen. So hatte am Dienstag auch die kanadische Notenbank ihren Leitzins angehoben.

Die EZB hatte auf ihrer jüngsten Sitzung eine weitere Zinserhöhung im Herbst angekündigt, während in den USA ein unveränderter Leitzins von 5,25 Prozent bis zum Jahresende erwartet werde. Nicht nur zum Euro, sondern auch zum japanischen Yen geriet der Dollar unter Druck. Die japanische Notenbank dürfte laut Fritsch ihre Zinsen im August anheben. Das britische Pfund stieg zum Dollar auf ein 26-Jahreshoch von 2,0217 Dollar.

Das Treffen der Finanzminister der Eurozone am Montagabend sei dem Anstieg zumindest nicht abträglich gewesen, sagte Fritsch. Der starke Euro war dort nicht ausdrücklich thematisiert worden. Finanzminister Peer Steinbrück hatte die Stärke des Euro an den Devisenmärkten sogar begrüßt. "Ich liebe einen starken Euro", sagte Steinbrück.

Thomas Amend, Analyst bei HSBC Trinkaus & Burkhardt, dem Euro einiges zu: "Der Anstieg heute könnte die Tür für einen Euro von 1,40 Dollar in den nächsten Wochen öffnen."

Die deutsche Exportwirtschaft reagierte überwiegend gelassen. Ein Sprecher des Bundesverbandes Groß- und Außenhandel (BGA) sagte der Nachrichtenagentur AP am Dienstag, der Anstieg liege "nach wie vor im Trend". Laut BGA verläuft die Euro-Dollar-Entwicklung - trotz des ungewöhnlich starken Anstiegs am Dienstag - insgesamt "berechenbar, nicht abrupt". Der Branchenverband rechne sogar mit einem weiteren Anstieg. "Die Firmen konnten sich darauf einstellen, und sie haben das auch gemacht. Die Auftragsbücher sind gut gefüllt." BDI-Sprecher Hüne erklärte zudem: "Und man muss auch bedenken: Auf der anderen Seite verbilligen sich Importe, etwa Öl."

Für die Verbraucher hat ein starker Euro unterschiedliche Folgen: Wer einen Urlaub in Dollar-Ländern plant, darf sich freuen, denn er bekommt schlicht mehr Dollar-Scheine für den Euro und kann dementsprechend mehr ausgeben. Aber auch, wer zu Hause bleibt, kann profitieren: Importware könnte billiger zu haben sein - sofern der Handel dies an den Verbraucher weitergibt. Gleiches gilt für die Energie- und Kraftstoffpreise.

Eurozone wächst auf 15 Staaten an

Eurozone wächst auf 15 Staaten an

Die Gemeinschaftswährung wird künftig in 15 Mitgliedstaaten der Währungsunion offizielles Zahlungsmittel. Der Einführung des Euro in Malta und Zypern am 1. Januar 2008 steht nichts mehr im Wege: Die EU-Finanzminister legten am Dienstag die Wechselkurse des zyprischen Pfunds und der maltesischen Lira zum Euro fest und erledigten die letzten rechtlichen Formalitäten für den Beitritt der beiden Mittelmeerinseln zur Eurozone im kommenden Jahr.

Ein Euro entspricht nach dem Beschluss vom Dienstag 0,59 zyprischen Pfund und 0,43 maltesischen Lira. Das entspricht den Kursen im Europäischen Wechselkursmechanismus, dem die beiden Staaten schon seit zwei Jahren angeschlossen waren. Erst zu Beginn dieses Jahres hatte Slowenien als erstes der neuen EU-Mitglieder den Euro eingeführt.

Steinbrück erklärte, die Aufnahme Maltas und Zyperns mache erneut deutlich, dass die Eurozone keine geschlossene Gesellschaft sei. "Ich bin sicher, dass sich die Bewerbungen zum Beitritt in die Eurozone fortsetzen." In ihrem Beschluss riefen die EU-Finanzminister Malta und Zypern dazu auf, die Konsolidierung ihrer Haushalte fortzusetzen.

Das Haushaltsdefizit Maltas fiel im vergangenen Jahr erstmals unter die im Vertrag von Maastricht festgeschriebene Obergrenze von 3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Die Gesamtverschuldungsrate lag zuletzt bei 66,5 Prozent, befindet sich aber in einem Abwärtstrend in Richtung des Grenzwerts von 60 Prozent. Zypern wies zuletzt ein Haushaltsdefizit von nur 1,5 Prozent auf, die Gesamtverschuldungsquote lag 2006 bei 65,3 Prozent.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx, reuters und ap

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