Devisen Japans Yen jault

Spekulationsgeschäfte zu Lasten niedrig verzinster Währungen haben den japanischen Yen kräftig unter Druck gesetzt. Sein Wert fällt gegenüber Dollar, Euro, Pfund und australischem Dollar teilweise auf Mehrjahrestiefs. Das Bundeswirtschaftsministerium warnt vor den Folgen.

Hamburg - Der Yen ist gegenüber dem Euro auf den tiefsten Stand seit Einführung der Gemeinschaftswährung gefallen. Ein Euro kostete am späten Vormittag 168,07 Yen nach 168,55 Yen im asiatischen Handel. Damit nicht genug: Die japanische Währung büßte auch gegenüber anderen bedeutenden Weltdevisen an Wert ein. Japans Yen rutschte beispielsweise gegenüber dem Dollar auf den tiefsten Stand seit viereinhalb Jahren, zu den Devisen Kanadas und Australiens auf ein 16-Jahres-Tief.

Grund für die Talfahrt der japanischen Landeswährung sind Finanzspekulationen. Viele internationale Anleger leihen sich Geld in niedrig verzinsten Währungsräumen wie eben in Japan und investieren das Geborgte in Finanzanlagen aus Ländern mit einem höheren Zinsniveau.

Da der Leitzins in Japan mit 0,5 Prozent im Vergleich zu anderen Industrieländern extrem niedrig ist, ist der Yen eine der Währungen, die von diesen so genannten Carry Trades besonders betroffen sind. Gleiches gilt für den Schweizer Franken. Euro und Dollar profitieren dagegen seit Monaten von dem weltweiten Geldanlagegeschäft. In den USA liegt der Zinssatz bei 5,25 Prozent, in der Euro-Zone bei 4 Prozent. Dabei allerdings wird es wohl nicht bleiben, glauben Experten.

Analysten erwarten angesichts der brummenden Konjunktur in Europa und steigender Inflationsgefahren für September eine Erhöhung sogar auf 4,25 Prozent. Immer mehr Auguren rechnen jedoch mit weiteren Zinsschritten Ende des Jahres oder Anfang 2008.

Unterdessen wächst die Zahl kritischer Stimmen zum Gefüge der Devisenmärkte. Chefanalyst Folker Hellmeyer von der Bremer Landesbank glaubt, die Verwerfungen an den Märkten nähmen zu. "Nicht zuletzt der schwache Yen haben der guten Ausfuhrentwicklung der japanischen Wirtschaft schon 2006 geholfen", ermittelte zuletzt auch die Bundesagentur für Außenwirtschaft (BFAI), die zum Bundeswirtschaftsministerium gehört.

Allein aus dem Geschäft mit der Bundesrepublik, Japans größtem Handelspartner in Europa, erwirtschaftete das Land nicht zuletzt deshalb einen Überschuss von rund zwei Milliarden Dollar, stellte die BFAI kürzlich fest.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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