Wochenvorschau Geduld ist gefragt

Die Optimisten am deutschen Aktienmarkt werden sich wohl noch eine Weile gedulden müssen. Analysten sehen zwar eine positive Grundstimmung, rechnen aber nicht damit, dass der Dax in der kommenden Woche über das sieben Jahre alte Allzeithoch springt. Belastungen für den Markt könnten von der Geldpolitik ausgehen.

Frankfurt am Main - "Es fehlt im Vorfeld der Berichtssaison an Impulsen, um über das Rekordhoch zu springen. Viele Anleger werden abwarten und Gewinne mitnehmen", sagte LBBW-Anlageexperte Michael Köhler. Danach werde es aber weiter aufwärts gehen, ergänzte Stratege Achim Matze von der Commerzbank. "Wir sehen kein großes Störfeuer. Die Bullen muss man laufen lassen." Der Markt werde allerdings abwarten, ob die Unternehmen den Ertragstrend aus dem ersten Quartal bestätigen.

Der Dax  hatte sich am Donnerstag bereits bis auf 20 Punkte an sein Allzeithoch von 8136 Stellen aus dem März 2000 herangearbeitet, drehte dann aber wegen Anschlagsängsten ins Minus. Insgesamt kam der Leitindex im Wochenverlauf nicht richtig voran. Am Freitag schloss das Börsenbarometer auf 8048 Punkten.

Mit Spannung werden die für Montag angekündigten Geschäftszahlen des weltgrößten Aluminiumherstellers Alcoa  aus den USA erwartet, der traditionell die Berichtssaison eröffnet. "Das wird wie immer ein Hingucker sein", sagt Köhler. Am Freitag folgt der Mischkonzern und Siemens-Konkurrent General Electric . Da der US-Konzern in vielen Branchen aktiv ist, gilt das Konglomerat als guter Indikator für den Geschäftsverlauf in zahlreichen Wirtschaftsbereichen. In Deutschland eröffnet voraussichtlich erst in der übernächsten Woche wieder SAP die Berichtssaison.

Konjunkturdaten könnten für Bewegung sorgen

Für neue Bewegung am Aktienmarkt könnten Ende nächster Woche Konjunkturdaten sorgen. Die Universität Michigan veröffentlicht am Freitag den von ihr berechneten Index des US-Verbrauchervertrauens. Die Analysten der Commerzbank rechnen mit schwachen Einzelhandelsumsätzen in den USA und folglich wachsenden Sorgen über das Konsumklima. "Im Euroraum werden dagegen die Daten zur Industrieproduktion zeigen, dass der Rückgang im April nur ein Ausrutscher war", sagten die Experten voraus. Am Donnerstag gibt die EU-Kommission Zahlen zur Industrieproduktion im Mai in der Euro-Zone bekannt. Zudem veröffentlicht das Ifo-Institut seinen Wirtschaftsausblick für die Eurozone.

Experten erwarten straffere Geldpolitik

Belastungen für den Aktienmarkt könnten von der Geldpolitik ausgehen. Marktteilnehmer deuteten Aussagen von EZB-Chef Jean-Claude Trichet nicht nur als Signal für eine Zinserhöhung im September, sondern auch als Hinweis auf eine weitere Straffung der Geldpolitik bis ins kommende Jahr hinein. "Die Zinsängste stehen wieder etwas stärker im Vordergrund", erklärte Marktstratege Carsten Klude von MM Warburg.

Steigende Zinsen machen Anlagen in Rentenpapieren attraktiver und belasten damit den Aktienmarkt. Nach den Zinsentscheiden in der Eurozone und in Großbritannien richtet sich der Blick zur Wochenmitte auf die japanische Notenbank. Allerdings rechnen den Commerzbank-Analysten zufolge nur wenige Marktteilnehmer mit einer Zinserhöhung durch die Bank of Japan.

Hingegen wird der wieder steigende Ölpreis nach Einschätzung von Analysten keinen gravierenden Einfluss auf die Aktienmärkte haben. "Für die Unternehmen scheint der hohe Ölpreis handhabbar zu sein", sagte Klude. Der Preis für ein Fass Rohöl ist zum Wochenschluss auf ein Elf-Monats-Hoch von über 75 Dollar gestiegen.

manager-magazin.de mit Material von reuters