HypoVereinsbank "Richten Sie sich auf Strafanzeigen ein"

Auch am zweiten Tag der Hauptversammlung hat sich die Wut vieler HypoVereinsbank-Aktionäre nicht abgekühlt. Sogar die Abwahl des Versammlungsleiters wurde beantragt - erfolglos. Aufgebrachte Anleger kündigten Strafanzeigen und gerichtliche Auseinandersetzungen an.

München - Die Kleinaktionäre der HypoVereinsbank (HVB)  haben auch am zweiten Tag der Hauptversammlung mit einer Vielzahl von Anträgen und Widersprüchen Front gemacht gegen ihren geplanten Zwangsausschluss. "Wir werden um eine gerichtliche Auseinandersetzung nicht herumkommen", sagte ein aufgebrachter Kleinanleger beim voraussichtlich letzten und zugleich auch längsten Aktionärstreffen in der HVB-Geschichte.

Dabei wollte sich die UniCredit den Squeeze-Out genehmigen lassen. Auch am frühen Abend war ein Ende der Veranstaltung noch nicht absehbar. Das Mailänder Institut hält mehr als 95 Prozent am Grundkapital der HVB und will die verbliebenen Aktionäre herausdrängen, um die Münchner Bank anschließend von der Börse zu nehmen.

UniCredit-Chef Alessandro Profumo verfolgte auch am zweiten Tag die Hauptversammlung schweigend und überließ es HVB-Chef Wolfgang Sprißler, die Vielzahl der Detail-Fragen zu beantworten und sich zu Vorwürfen zu äußern.

Nachdem bereits am Mittag wieder zahlreiche Wortmeldungen vorlagen, schloss der stellvertretende HVB-Aufsichtsratschef Lothar Meyer die Rednerliste und beschränkte mehrfach die Redezeit. Außerdem kündigte er an, die Generaldebatte am frühen Abend möglichst schließen zu wollen. Bei den Aktionären sorgte das für teils heftigen Protest, mehrere Redner gaben Widerspruch zu Protokoll. Auch die Abwahl Meyers als Versammlungsleiter wurde zwischenzeitlich beantragt, aber angesichts der Mehrheitsverhältnisse abgelehnt.

Bereits am Vortag hatten Aktionärsschützer der UniCredit unter anderem eine Ausplünderung ihrer deutschen Tochter vorgeworfen. Auch am Mittwoch kam scharfe Kritik am Vorgehen der italienischen Großbank und an der HVB-Führung. "Richten Sie sich darauf ein, dass wir demnächst ein paar Strafanzeigen vom Stapel lassen werden", rief ein aufgebrachter Aktionärsvertreter. "Der Vorstand der HVB wird dafür bezahlt, dass er uns bescheißen will." Zudem sprach er vom "Tatverdacht der Untreue".

Die gebotene Barabfindung für die verbliebenen Kleinanleger in Höhe von 38,26 Euro je Aktie sei um rund 20 Euro zu niedrig angesetzt. HVB-Chef Wolfgang Sprißler wies die Vorwürfe zurück. Schon am Vortag hatte er die Barabfindung als angemessen bezeichnet und sich dabei auf ein Gutachten berufen.

Die Aktionäre wenden sich auch gegen den Verkauf der früheren HVB-Tochter Bank Austria Creditanstalt an UniCredit. Aus Anlegersicht wurden das österreichische Geldhaus und seine lukrativen Osteuropa-Aktivitäten deutlich zu billig abgegeben, mit entsprechenden Konsequenzen für die Barabfindung. Dagegen sind zahlreiche Klagen beim Landgericht München anhängig. Auch mit Blick auf den Squeeze-Out richtet sich die HVB nach den Worten Sprißlers auf weitere Klagen ein. Bereits am Vortag hatten Redner angekündigt, die von ihnen für zu niedrig befundene Barabfindung gerichtlich klären lassen zu wollen.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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