Cleantech-Boom Goldrausch in Silicon Valley

Sie haben Amazon auf die Sprünge geholfen, Google und Sun Microsystems - und Millionen daran verdient: KPCB ist einer der Großen im Wagniskapitalgeschäft. Jetzt hat die Branche Cleantech entdeckt. manager-magazin.de sprach mit KPCB-Partner und Ex-Oracle-Präsident Ray Lane über Chancen und Gefahren des neuen Booms.

mm.de: Ihr Partner bei Kleiner Perkins Caufield & Byers (KPCB), John Doerr, soll einmal gesagt haben, Cleantech - also umweltentlastende Verfahren wie beispielsweise ressourcenschonende Energietechnik, könnte die größte wirtschaftliche Chance des 21. Jahrhunderts sein. Wie schätzen Sie die Marktchancen dieses Bereichs ein?

Lane: Ich stimme ihm voll und ganz zu. Die weltweite Energiewirtschaft ist heute eine Sechs-Billionen-Dollar-Industrie - der größte Geschäftszweig der Welt. Und die Welt hat ein massives Energieproblem. Um von fossilen Energieträgern wegzukommen und der weltweiten Nachfrage nach Energie nachkommen zu können, müssen wir neue Techniken entwickeln. Das ist eine enorme wirtschaftliche Chance für diejenigen Länder, die neuen Technologien erfinden und sie zu Marktreife bringen können.

mm.de: Welchen Staaten trauen Sie hier am meisten zu?

Lane: Die besten Aussichten darauf haben einige europäische Länder - allen voran Deutschland - und die USA. Auch Skandinavien, Spanien und Portugal haben gute Chancen. Im Gegensatz zu Deutschland gibt es in den USA allerdings eine Menge Wagniskapital, das in diese neuen Technologien gesteckt wird. In Kalifornien - gerade in Silicon Valley - ist das Ganze ein große Sache.

mm.de: In welchen Bereichen sehen Sie das größte Potenzial?

Lane: In Solarthermie, Techniken im Zusammenhang mit Biotreibstoffen wie Ethanol, neuen Technologien zur Energiespeicherung und nicht zuletzt in Geothermie.

Es wird aber mit Sicherheit nicht eine Energieform sein, mit der wir das Problem lösen können - wir müssen auf eine Vielzahl von Techniken setzen. Ein großes Problem, das es zudem zu lösen gilt, ist aber vor allem auch die effiziente Umwandlung. Heute gehen immer noch rund 55 Prozent der Energie in Form von Hitze verloren. Und wir müssen daran arbeiten, die Energie effizienter zu nutzen.

"Viel größer als das Internet"

mm.de: Im Zusammenhang mit dem Cleantech-Boom wird immer wieder der Vergleich mit der Dotcom-Blase herangezogen. Sehen Sie Parallelen?

Lane: Ja, ich denke, es lassen sich gewisse Parallelen erkennen. Das Problem der Dotcom-Ära war, dass jeder angefangen hat, neue Technologien zu entwickeln, eine Menge Geld investiert wurde und so schließlich eine riesige Blase entstand.

Dies hier ist eine enorme Gelegenheit, es fließt ein ganze Menge Wagniskapital hinein, und wenn es weiter so wächst wie bisher, und das Geld weiter in Strömen fließt, könnte es an einem gewissen Punkt lächerlich werden.

mm.de: Im Vergleich zum Internet - wie groß schätzen Sie den Markt für Cleantech ein?

Lane: Cleantech ist größer, viel größer als das Internet. Anders als damals beim Internet existiert heute ja schon ein Energiemarkt. Selbst wenn man sich die Internet- und Hightech-Größen der Dotcom-Ära anschaut und selbst Unternehmen wie Oracle, IBM, Google, Microsoft dazunimmt, kommt man nicht einmal im Ansatz an das Energiegeschäft heran.

mm.de: Derzeit rangiert Cleantech bei den Wagniskapitalinvestitionen in den USA laut neuester Statistik schon auf Platz drei. Wo sehen Sie den Bereich in fünf Jahren?

Lane: In fünf Jahren wird Cleantech ganz klar die Nummer eins sein.

Künftige Nummer eins

mm.de: Und welche Rolle spielt der Bereich bei Kleiner Perkins?

Lane: Greentech macht mittlerweile ein Drittel unseres Engagements aus. Bislang haben wir 20 Projekte unterstützt und eine Reihe weitere sind geplant. Wir haben noch eine ganze Menge in der Pipeline.

mm.de: Im Gegensatz zu vielen Internetunternehmen ist Cleantech ein sehr kapitalintensiver Bereich, da neue Techniken aufwendig erforscht und nicht selten riesige Anlagen gebaut werden müssen. Wird Wagniskapital Ihrer Einschätzung nach hier weiter eine Rolle spielen, oder wird der Bereich mehr und mehr von Private Equity übernommen?

Lane: Private Equity ist essenziell. Die meisten Unternehmen können ohne Private-Equity-Investitionen gar nicht wettbewerbsfähig gemacht werden. Venture Capital finanziert die Projekte in der Pilotphase und vielleicht auch noch in einer Demonstrationsphase. Aber danach - für die großen Projekte und die Fabriken - ist dann eine andere Finanzierungsform nötig. Aber es scheint eine Menge Geld da draußen zu sein.

mm.de: Im Zusammenhang mit Cleantech ist mittlerweile immer wieder von einem grünen Goldrausch die Rede. Sehen Sie das auch so?

Lane: Ja, weil sich in der Tat die Wagniskapitalinvestitionen in diesen Bereich in der letzten Zeit verdoppelt haben. Noch vor fünf Jahren hat kaum jemand im großen Stil in Greentech investiert. Mittlerweile steckt fast die gesamte Venture-Capital-Industrie ihr Geld rein. Jeder ist dabei. Ja, es gibt so etwas wie eine Goldrauschmentalität.

Nicht ganz ungefährlich

mm.de: Welche Chance bietet sich hier für private Anleger?

Lane: Ich glaube, für Kleinanleger ist das Ganze mit einem erheblichen Risiko behaftet. Selbst die Venture-Capital-Industrie hat weder die technischen Fähigkeiten noch das Expertenwissen im Energiebereich. Wir haben eine lange Zeit damit zugebracht, uns einige Bereiche auszusuchen, uns darin über Jahre hinweg einzuarbeiten und auf dem aktuellen Stand der Forschung zu halten.

mm.de: Wenn das Ganze so risikoreich ist, sind sie mit einigen ihrer 20 Investments schon auf die Nase gefallen?

Lane: Es ist noch zu früh, darüber eine Aussage zu treffen. Aber wir sind uns darüber im Klaren, dass einige dieser Projekte scheitern werden. Das liegt in der Natur von Venture Capital. Man muss auf Fehlschläge vorbereitet sein.

Aber ein Charakteristikum und auch der Vorteil von Silicon Valley ist, dass man scheitern und es noch einmal versuchen kann. In Europa ist das nicht der Fall.

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