Strommarkt Zur Kasse, bitte

Deutschlands Stromverkäufer rüsten zur nächsten Preisrunde. Vom 1. Juli an müssen viele Verbraucher erneut mehr für die spannungsgeladene Versorgung aus der Steckdose hinblättern. Rund 100 der insgesamt 1000 Energieversorger werden wohl die Preise erhöhen. Kritik kommt von allen Seiten.

Berlin - Politiker fordern mehr Wettbewerb auf dem Strommarkt, und Verbraucherschützer rufen die Bundesbürger zum Wechsel des Energielieferanten auf: Vor allem in Berlin und Hamburg gab es Ärger über die Ankündigung von Vattenfall Europe, die Strompreise um bis zu 7,2 Prozent anzuheben.

Die meisten Unternehmen hatten bereits zum Jahresanfang im Zuge der Mehrwertsteuererhöhung ihre Preise erhöht, darunter auch die beiden größten Stromversorger Eon und RWE. Die beiden Unternehmen, die 2005 etwa einen Marktanteil von jeweils knapp 17 Prozent besaßen und zusammen knapp 18 Millionen Haushalte mit Strom beliefern, wollen zum 1. Juli nicht erhöhen. Deutschlands Nummer drei, EnBW, plant bis März 2008 nur bei Nachtspeicherstrombeziehern eine Erhöhung. Sie müssen am 1. Juli mit bis zu 16 Prozent Preisaufschlägen rechnen.

Die Deutschen mussten bereits in den vergangenen Jahren mehr für ihren Strom ausgeben. Bezahlte ein durchschnittlicher Drei-Personen-Haushalt mit 3500 Kilowattstunden Jahresverbrauch im Jahr 2002 noch 46,99 Euro im Monat für seine Stromversorgung, waren es im laufenden Jahr monatlich 59,38 Euro; das sind immerhin 26 Prozent mehr.

Dafür allerdings sind nicht nur die Stromfirmen verantwortlich. Zum Teil sind ihre eigenen Einkaufspreise gestiegen. Und kräftig an der Preisspirale hat auch der Bund gedreht: Neben der Mehrwertsteuer belasten etwa die Ökosteuer sowie Abgaben für umweltschonendere Energieerzeugung. Der Staatsanteil macht somit mittlerweile rund 40 Prozent des Strompreises aus - und indirekt stehen somit auch die Bundesbürger für den Versuch gerade, Energie umweltschonender als in der Vergangenheit herzustellen, um sowohl die Abhängigkeit der Republik vom Erdöl zu senken als auch die drohende Klimakatastrophe möglichst weitgehend in Schach zu halten.

Nach Angaben des Verbands der Elektrizitätswirtschaft (VDEW) haben die Stromfirmen hierzulande 39 Millionen Haushaltskunden. Zwölf Millionen davon hätten seit der Liberalisierung der Strommärkte 1998 günstigere Verträge abgeschlossen - rund zehn Millionen davon bei ihrem bisherigen Versorger. Nur etwas über zwei Millionen haben den Anbieter gewechselt, das sind umgerechnet 6 Prozent.

manager-magazin.de mit Material von dpa