Finanzinvestoren Attraktive deutsche Konzerne

Deutsche Konzerne sind bei internationalen Investoren hoch beliebt - das zeigte sich einmal mehr bei einer Konferenz in Frankfurt. Mehr als 500 Investoren aus aller Welt reisten an, um sich über hiesige Unternehmen zu informieren. Besonders gefragt war ein Maschinenbauer.
Von Rita Syre

Frankfurt am Main - Wie in einem Bienenkorb sei es bei dem Treffen zugegangen, berichtet Steffen Fuchs von der Deutschen Bank . Das Geldinstitut hat die Konferenz zum 10. Mal ausgerichtet. Knapp 1400 Einzelgespräche zwischen Unternehmensmanagern und mehr als 500 Investoren hat es gegeben - so viel wie noch nie, und dabei sind noch einmal alle Anleger zum Zug gekommen.

Die Botschaft ist für die Deutsche Bank klar: Das Interesse ausländischer, insbesondere amerikanischer Investoren an deutschen Dividendenpapieren ist ungebrochen. "Institutionelle Investoren aus den USA werden weiterhin ihre Mittel aus amerikanischen Aktien und Staatsanleihen in europäische und insbesondere deutsche Aktien umschichten", berichtet Fuchs nach seinen Gesprächen mit den Fondsmanagern.

Die Geldmanager jenseits des Atlantiks scheint es nicht wirklich zu stören, dass der Dax  in der vergangenen Woche erstmals seit sieben Jahren über der 8000-Punkte-Marke geschlossen hat. Sein historisches Hoch von 8136 Punkten aus dem Jahr 2000 scheint einerseits in Reichweite gerückt zu sein, andererseits schwankt der Index von Tag zu Tag mal wegen Zinssorgen, mal wegen Turbulenzen an den Schwellenländerbörsen recht stark.

Längerfristige Trends im Auge

Das Geschehen am hiesigen Aktienmarkt "fühle sich nicht wie eine Party" an, sagt Fuchs. Keiner wisse, wo die Reise hingehe. Mal sei das Ende der Aufwärtsbewegung nah, wie etwa vor drei Wochen, als die Kurse eingebrochen seien. Dann aber habe der Index wieder eine Bestmarke erreicht. So eine volatile Kursbewegung beunruhigt den Aktienexperten. Für ihn sind kräftig steigende Zinsen das derzeit größte Risiko für Aktien.

Ausländische Investoren haben bei Investitionsentscheidungen jedoch längerfristige Trends im Blick. So wie die Auflösung der Deutschland AG und die dadurch losgetretene Restrukturierungswelle vor ein paar Jahren. "Viel Material" sei schon von Boston und New York nach Deutschland gewandert, nachdem der Startschuss für das Aufbrechen der Deutschland AG abgegeben worden sei, sagt Fuchs' Kollege Markus Rausch. Schon damals hätten die ausländischen Investoren das Megathema Restrukturierung in Deutschland erkannt und sich entsprechend positioniert. Kurz vor Weihnachten des Jahres 1999 hatte die damalige Bundesregierung unter Kanzler Gerhard Schröder (SPD) beschlossen, Gewinne aus dem Verkauf von Unternehmensbeteiligungen von der Steuer zu befreien.

"Margen auf historischem Niveau"

"Margen auf historischem Niveau"

Die Fitnesskur deutscher Unternehmen hat jedoch als Kaufargument etwas an Bedeutung verloren. Dafür locken jetzt die Früchte der Restrukturierung: die steigenden Gewinne. "Die Ebit-Margen der wichtigsten 120 deutschen Unternehmen bewegen sich in diesem Jahr mit etwa 8 Prozent auf einem historischen Niveau", sagt Fuchs. Und die operativen Margen würden sich in den nächsten beiden Jahren weiter verbessern.

Zusammen mit der steigenden Kapazitätsauslastung bei weiterhin wachsender Nachfrage ist nach Ansicht der Deutschen Bank eine kräftige "Pricing-Power" zu beobachten. Die Unternehmen können also die Preise für ihre Produkte und Dienstleistungen deutlich erhöhen. "So eine Situation hatten wir schon lange nicht mehr in Deutschland", sagt Fuchs. Mehr am Rande weist Rausch auf die niedrige Börsenbewertung der Unternehmen hin. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von durchschnittlich 14 auf der Basis der für 2008 geschätzten Gewinne seien die Firmen im Vergleich zu den amerikanischen billig.

Von der neuen "Pricing-Power" profitieren nach Ansicht der Deutschen Bank die Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes wie der Maschinenbau am stärksten. "Die GEA Group war das meistbesuchte Unternehmen", hat auch Deutschbanker Lars von Cleff beobachtet. Getragen von der steigenden Konsumfreude der Deutschen stehen zudem die Handelsaktien im Fokus der internationalen Investoren. Metro  und KarstadtQuelle  seien ebenfalls bei den Einzelgesprächen zwischen Investoren und Managern hoch begehrt gewesen. Dagegen seien Immobilienunternehmen "etwas out", so Rausch. Dort würden die Investmentmanager in Wartestellung verharren.