Blackstone-IPO Beschleunigter Börsengang

Angeblich will der Private-Equity-Investor und Telekom-Großaktionär Blackstone seinen Börsengang vorziehen - schon am morgigen Freitag soll es so weit sein. Die US-Steuer treibe den Börsenaspiranten zur Eile, wird gemunkelt. Doch auch andere Gründe sprechen dafür.
Von Arne Gottschalck

Hamburg - Deutsche Sparer schauen auf die Steuer, das ist bekannt. Nicht umsonst zählt in Vertriebskreisen das Locken mit Steuervorteilen zu den schlagkräftigsten Argumenten im Arsenal der Anlegerverführung. Doch offenbar beugen sich auch Großinvestoren dieser Logik.

Großinvestoren wie angeblich Blackstone. Das Unternehmen will an die Börse, so weit besteht Klarheit. Das Volumen des Börsengangs liegt bei 32 Milliarden Dollar, auch das ist klar. Und man reißt sich offenbar um die Aktie; sie soll sechsfach überzeichnet sein, berichtet die "Financial Times" (FT). Doch dann beginnen die Unklarheiten.

Denn eigentlich sollte der Ersthandel für die Aktien des Private-Equity-Hauses erst nächste Woche erfolgen. Nun heißt es, es sei bereits diesen Freitag so weit. Bestätigen wollte man bei Blackstone auf Nachfrage diese Information nicht - allerdings auch nicht dementieren. Das Unternehmen sei noch in der stillen Phase, und Spekulationen könne und wolle man nicht unterbinden. Und so wurde dann auch die "FT", die diese Nachricht verbreitete, bislang nicht zu einer Richtigstellung aufgefordert, weiß die Onlineausgabe der "Neuen Zürcher Zeitung".

Immerhin - technisch erscheint der vorzeitige Börsengang möglich. Morgan Stanley, eine der führenden Konsortialbanken des Börsendebüts, sagte bereits am Dienstag, der Ausgabepreis der Aktien solle am Donnerstag festgelegt werden. Gesetzt also den Fall, das Blackstone-IPO würde bereits morgen starten und nicht erst nächste Woche - warum sollte das Unternehmen seine Pläne so beschleunigen?

Bekannt sind eher die anderen Fälle, in denen ein IPO nach hinten verlegt wird. Wie im Falle von Wacker Constructions. Das Unternehmen wollte eigentlich im Juli 2006 an die Börse gehen. Doch daraus wurde der Mai des Folgejahres. Weil im damaligen Börsenumfeld keine angemessene Bewertung des Unternehmens zu erzielen gewesen wäre, so die damalige Mitteilung von Wacker. Die Börse kann also der Grund für eine Verschiebung sein.

Die Stimmung ist gut - noch

Die Stimmung ist gut

Das gleiche Argument gilt auch in die andere Richtung. Allgemein zieht man den Börsengang vor, wenn man die gute Stimmung an der Börse mitnehmen will, sagt Vermögensberater Markus Zschaber. Denn immerhin ist der Erlös bei allgemein guter Kauflaune ja höher.

Aber auch andere Gründe sind für das Vorpreschen denkbar. Und so wird dann auch an allen Ecken gemunkelt, die Steuer würde Blackstone Beine machen. Genauer: In den USA soll das Steuerrecht geändert werden. Private-Equity-Gesellschaften würden dann ihr Privileg verlieren, Gewinne als Partnerschaft mit 15 Prozent zu versteuern. Stattdessen würden 35 Prozent fällig, wie für jede andere Kapitalgesellschaft.

Für Blackstone wäre das ärgerlich. Offenbar so ärgerlich, dass Unternehmensgründer und -lenker Stephen Schwarzman in der US-Zeitung "Wall Street Journal" zur Feder greift und einen Artikel dazu verfasst. Überschrift: The Blackstone Tax, die Blackstone-Steuer. Darin wehrt er sich dagegen, dass diese Steueränderung anhand seines Unternehmens durchexerziert wird. Angeblich soll der entsprechende Entwurf, so der Amerikaner, sogar Blackstone-Bill heißen, also der Blackstone-Antrag. Und vergleicht das Vorgehen der USA mit "beschlagnahmenden Kommissaren".

Starker Tobak. Aber es dürfte die Nervosität zeigen, die sich der Betroffenen bemächtigt hat. Dabei geht es gar nicht um die finanzielle Dimension - Schwarzman ist es gewohnt, in großen Zahlen zu denken. Aber Blackstone steht ein Paradigmenwechsel bevor. Aktionäre wollen nämlich nicht nur Rendite sehen, sondern auch Auskünfte erhalten. Und das ist für das schmallippige Private-Equity-Unternehmen ungewohnt.

Manager normaler Aktienfonds winken daher auch ab, wenn das Gespräch auf die verschwiegenen Kollegen kommt.

"Man wisse ja gar nicht, was in den Unternehmen stecke", so das allgemeine Urteil. Immerhin, in einer Sache wird es morgen mehr Klarheit geben - ob der Börsengang tatsächlich auf den Freitag vorgezogen wurde.