Schieder Von Heuschrecken gerettet?

Mit Cheyne Capital und Cyrus Capital sollen angeblich zwei Hedgefonds bereitstehen, den Möbelhersteller Schieder zu übernehmen und damit vor der Insolvenz zu retten. Eine "seriöse Chance", urteilt Insolvenzrichter Klaus-Peter Busch.

Schieder-Schwalenberg - Europas größter Möbelhersteller Schieder soll einem Zeitungsbericht zufolge von den oft abwertend als Heuschrecken bezeichneten Hedgefonds übernommen werden. Dabei handele es sich um Cheyne Capital aus London und Cyrus Capital aus New York, berichtete die "Financial Times Deutschland" unter Berufung auf Finanzkreise.

Schieder-Interims-Geschäftsführer Ulrich Wlecke wollte den Bericht nicht kommentieren. Grund sei eine Vertraulichkeitserklärung. Die Verhandlungen liefen auf Hochtouren. Der Detmolder Insolvenzrichter Klaus-Peter Busch hatte die Übernahmepläne am Montag als "seriöse Chance" bezeichnet. Schieder hatte am Freitag für die Holding Insolvenz angemeldet.

Busch hatte zuvor auch bestätigt, dass es um Unternehmen aus dem angelsächsischen Raum gehe, die bereits als Kreditgeber an dem Möbelriesen beteiligt seien. "Das ist kein Luftschloss, sondern etwas, was man ernst nehmen muss", sagte er. Geplant sei, dass die Investoren die operativen Schieder-Töchter für einen symbolischen Betrag aus der Insolvenz herauskaufen. Nach Buschs Angaben muss die Entscheidung innerhalb einer Woche fallen, danach müssten auch die Töchter Insolvenz anmelden. "Es geht darum, den Zusammenhalt der Gruppe zu gewährleisten", betonte Wlecke. Am Sonntagabend war bekannt geworden, dass eine Absichtserklärung für eine Übernahme vorliegt.

Nach Angaben der IG Metall beschäftigt Schieder in Deutschland rund 1300 Mitarbeiter, insgesamt sind es 11.000. Grundsätzlich seien Stellenstreichungen "nicht ausgeschlossen", hieß es aus Unternehmenskreisen.

Management, Banken und Investoren hatten tagelang über die künftige Finanzierung des Möbelriesen verhandelt, der nach Bekanntwerden von Bilanzfälschungen in Millionenhöhe überschuldet ist. Vier frühere Manager, die die Bilanzen der Geschäftsjahre 2004/2005 und 2005/2006 um jeweils 34 Millionen Euro geschönt und Kredite und Genussscheine über rund 283 Millionen Euro erschlichen haben sollen, sind in Untersuchungshaft. Bereits im April war Schieder nach einem Überbrückungskredit nur knapp einer Insolvenz entgangen.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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