Tognum 2,2 Milliarden Euro beim Börsengang

Es wird der größte Börsengang seit 2004. Am 2. Juli sollen die Aktien des Dieselmotorenspezialisten Tognum erstmals an der Börse gehandelt werden. Damit sind die Verkaufspläne vom Tisch - auch die Spanne des Ausgabepreises steht fest.

Friedrichshafen - Der Börsengang des Dieselmotorenbauers Tognum soll bis zu 2,2 Milliarden Euro bringen. Die Preisspanne wurde auf 22 bis 26 Euro je Aktie festgesetzt, wie das Unternehmen am Montagabend mitteilte. Inklusive Mehrzuteilungsoption werde ein Erlös von 1,9 bis 2,2 Milliarden Euro erwartet. Die Aktien sollen am 2. Juli erstmals an der Frankfurter Börse gehandelt werden. Der Streubesitz soll dann bei 65 Prozent liegen. Bis zuletzt war lange darüber spekuliert worden, ob für Tognum mit seiner Kernmarke MTU bei einem Verkauf zum Beispiel an den finnischen Konkurrenten Wärtsilä nicht mehr als bei einem Gang aufs Parkett erzielt werden könne. Tognum-Eigner EQT stellte am Sonntag klar, dass man zu 100 Prozent auf den Börsengang fokussiert sei.

Es sollen 75 Millionen Aktien platziert werden plus 11,3 Millionen für die Mehrzuteilung. Die Zeichnungsfrist läuft vom 19. bis voraussichtlich 29. Juni. 11,4 Millionen Aktien kommen aus einer Kapitalerhöhung, der Rest von EQT. Banken hatten für Tognum mit seiner Kernmarke MTU einen Börsenwert von mehr als drei Milliarden Euro erwartet.

Tognum-Chef Volker Heuer zeigte sich erfreut über den geplanten Börsengang. "Wir im Vorstand begrüßen diese Entscheidung von EQT ausdrücklich. Dadurch könne Tognum seine starke Position als selbstständiger Unternehmensverbund nicht nur erhalten, sondern kontinuierlich weiter ausbauen. Der Spezialist für schnelle Dieselmotoren für Schiffe, Schwerfahrzeuge und dezentrale Energieanlagen sei bestens dafür aufgestellt, auch in Zukunft seine Strategie selber zu bestimmen.

Erleichterung bei der Belegschaft

Auch die Mitarbeitervertreter reagierten erleichtert. "Wir sind froh, dass es nun die Gewissheit in Richtung Börsengang gibt", sagte Volker Joos, der für die Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat von Tognum sitzt. "Wir sind überzeugt, dass wir allein den Wachstumskurs fortsetzen können und eine weit über dem Markt liegende Entwicklung haben werden." Zwar habe die Belegschaft nicht daran gezweifelt, dass der schwedische Finanzinvestor einen Börsengang forciert. Jedoch sei es verständlich, dass EQT Angebote von Kaufinteressenten wie etwa Wärtsilä geprüft habe. Beobachter waren davon ausgegangen, dass bei einem Einstieg der Finnen in Friedrichshafen, wo die überwiegende Mehrheit der rund 7500 Mitarbeiter beschäftigt ist, zahlreiche Arbeitsplätze gefährdet gewesen wären. Wärtsilä-Chef Ole Johannsen hatte sich noch am Freitag am Bodensee aufgehalten.

Heuer hatte in der vergangenen Woche angekündigt, dass Tognum auch 2007 stärker als der Markt wachsen wolle. Die Tognum AG erzielte im Jahr 2006 einen Umsatz von rund 2,5 Milliarden Euro (plus 20 Prozent). Das um Sonderfaktoren bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) betrug rund 310 Millionen Euro. Im ersten Quartal 2007 setzte das Unternehmen etwa 670 Millionen Euro um und wies ein bereinigtes EBIT von 100 Millionen Euro aus.

Dresdner Kleinwort errechnet Volumen von 3,3 Milliarden

Mehrere Banken bewerten den Börsengang des Motorenbauers als den größten seit der Postbank  im Sommer 2004. Die Investmentbank Dresdner Kleinwort erwartet einen Börsenwert von 3,3 Milliarden Euro. Auf Basis der verschiedenen Bewertungsmodelle ergebe sich eine Spanne von 3,0 bis 3,8 Milliarden Euro, schreiben die Analysten in einer Studie. Die Post-Tochter hatte im Juni 2004 rund 1,55 Milliarden Euro über den direkten Verkauf von Aktien sowie rund eine Milliarde Euro über den Verkauf einer Umtauschanleihe erlöst.

Laut Dresdner Kleinwort will EQT, der die frühere MTU Friedrichshafen vor rund eineinhalb Jahren von DaimlerChrysler  für knapp 1,5 Milliarden Euro gekauft hatte, seinen Anteil um die Hälfte reduzieren. Somit ergibt sich bereits ohne Kapitalerhöhung ein Streubesitz von 50 Prozent und damit auf der Basis der Dresdner-Kleinwort-Berechnungen ein Emissionsvolumen von mehr als 1,6 Milliarden Euro. Zudem will Tognum der Studie zufolge 250 Millionen Euro aus einer Kapitalerhöhung erlösen.

manager-magazin.de mit Material von dpa