Deutsche Börse 14 Milliarden Dollar für US-Terminbörse?

Der weltgrößte Energie-Terminmarkt, die Nymex, steht offenbar zum Verkauf. Angeblich prüfen die NYSE Euronext und die Chicago Mercantile Exchange eine Übernahme. Dritter Interessent soll die Deutsche Börse sein. Die Nymex-Aktie steigt stark.

New York - Die New York Mercantile Exchange (Nymex ) wird betrieben von der börsennotierten Nymex Holdings Inc.. Das Unternehmen könnte 155 Dollar je Aktie wert sein - insgesamt 14,3 Milliarden Dollar (10,6 Milliarden Euro), berichtete die US-Finanznachrichtenagentur Bloomberg am Freitag. Damit würde sich das internationale Fusionskarussell für Börsen und Derivatemärkte immer schneller drehen. Die Nymex ist mit ihrem riesigen Derivate-Geschäft ein attraktives Übernahmeziel.

Nymex-Führungskräfte hätten sich mit Vertretern der drei Interessenten Chicago Mercantile Exchange (CME), NYSE Euronext , und Deutsche Börse  getroffen, hieß es unter Berufung auf Verhandlungskreise. Der Nymex-Verwaltungsrat sei über die Gespräche informiert worden. Sprecher der drei Interessenten lehnten Bloomberg zufolge Stellungnahmen ab.

Die Nymex-Aktien waren in dieser Woche angesichts von Übernahmespekulationen weiter stark gestiegen. Sie legten am Donnerstag um fünf Prozent auf 139,80 Dollar zu und waren damit insgesamt 12,9 Milliarden Dollar wert. An der Nymex in New York werden im Parketthandel und über die Globex-Plattform der CME in Chicago Terminkontrakte vor allem auf Öl, Erdgas und Gold gehandelt. Die Nymex verfügt selbst nicht über eine elektronische Handelsplattform.

Die Nyse Group  hatte im April die europäische Mehrländerbörse Euronext NV für 14,6 Milliarden Dollar geschluckt und firmiert jetzt als größter transatlantischer Börsenbetreiber als Nyse Euronext. Die Deutsche Börse ist dabei, die auf den Optionshandel konzentrierte International Securities Exchange (ISE) in New York für 2,8 Milliarden Dollar zu kaufen.

Bietergefecht um CBOT und ICE

Um den Derivate- und Warenterminmarkt Chicago Board of Trade (CBOT)  streiten sich momentan die CME und die im Energiehandel sehr starke Terminbörse Intercontinental Exchange (ICE). Die CME-Offerte ist momentan über zehn Milliarden Dollar und die der ICE mehr als elf Milliarden Dollar wert. Sollten die CME und die CBOT in Chicago zusammengehen, wäre die CME der mit Abstand größte Derivativ-Markt der Welt. Die US-Kartellbehörden haben bereits grünes Licht für die Übernahme der CBOT durch die CME gegeben. Dies hat die Nymex- Übernahmespekulationen weiter angeheizt.

Die Nasdaq Stock Market  Inc., der zweitgrößte amerikanische Börsenbetreiber, übernimmt den skandinavischen Börsenbetreiber OMX AB für 2,7 Milliarden Euro. OMX kontrolliert mehrere Börsen in Skandinavien und in den baltischen Ländern. Die Nasdaq war bei der London Stock Exchange (LSE) mit mehrfachen Akquisitionsversuchen abgeblitzt. Sie hält aber noch 30 Prozent der LSE-Aktien und könnte nach britischen aktienrechtlichen Vorschriften im kommenden Jahr einen neuen Übernahmeanlauf machen.

Nyse-Euronext-Chef John Thain hatte keinen Zweifel daran gelassen, dass die weltgrößte Börse einen amerikanischen Terminmarkt kaufen und in Asien expandieren möchte. Die Konsolidierungen versprechen den Marktbetreibern erhebliche Kostenersparnisse und den Kunden ein viel breiteres und preiswerteres Angebot aus einer Hand. Deshalb spricht nach Darstellung von US-Börsenfachleuten momentan jeder mit jedem.

manager-magazin.de mit Material von dpa

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.