Tognum Börsengang könnte noch platzen

Der finnische Motorenbauer Wärtsila zeigt Interesse, die frühere Daimler-Tochter MTU direkt zu kaufen. Sollte das Angebot den Eigner EQT zufriedenstellen, könnte der für Juli geplante, rund 3 Milliarden Euro schwere Börsengang von Tognum kurzfristig abgesagt werden.

Frankfurt am Main - Wie am Freitag aus Branchenkreisen zu erfahren war, dürfte der Tognum-Eigner EQT am Wochenanfang erläutern, wie die Zukunft der ehemaligen MTU aussehen soll. Nach diesen Informationen könnte statt des Börsengangs auch ein Verkauf an den finnischen Dieselmotorenbauer Wärtsila in Frage kommen.

Ein Tognum-Sprecher sagte dazu am Freitag, dass man dies nicht kommentiere. Man konzentriere sich weiter auf den Börsengang.

Wie aus den Kreisen weiter zu erfahren war, befindet sich Wärtsila-Chef Ole Johannsen am Tognum-Sitz in Friedrichshafen. Der finnische Konzern mit Sitz in Helsinki (Umsatz 2006 rund 3,2 Milliarden Euro) baut vor allem Dieselmotoren für große Schiffe. Der schwedische Finanzinvestor EQT, der die frühere MTU und heutige Tognum AG von DaimlerChrysler  gekauft hatte, verspricht sich möglicherweise von einem Verkauf an Wärtsila mehr Geld als durch einen Börsengang.

Verkauf als "neue Variante"

Die Arbeitnehmer im Aufsichtsrat erklärten in einem der dpa vorliegenden Schreiben an die Mitarbeiter, sie seien mit "einer neuen Variante", dem eventuellen Verkauf an Wärtsila, konfrontiert worden. EQT prüfe diese Möglichkeit. Inwieweit eine Mehrheitsbeteiligung der Finnen negative Auswirkungen auf den Standort und die Beschäftigung dort habe, könne auf Grund fehlender Information nicht bewertet werden.

Bislang war man davon ausgegangen, dass EQT im Juli etwa die Hälfte der Aktien der Tognum AG an die Börse bringt. Der Börsengang dürfte nach Bankenstudien über drei Milliarden Euro einbringen.

Mehrere Banken hatten den geplanten Börsengang des Motorenbauers als den größten seit der Postbank  im Sommer 2004 bewertet. Die Investmentbank Dresdner Kleinwort erwartet einen Börsenwert von 3,3 Milliarden Euro.

Auf Basis der verschiedenen Bewertungsmodelle ergebe sich eine Spanne von 3,0 bis 3,8 Milliarden Euro, schreiben die Analysten in einer Studie. Das Unternehmen aus Friedrichshafen, das von EQT vor rund eineinhalb Jahren von DaimlerChrysler für knapp 1,5 Milliarden Euro gekauft wurde, strebt nach den bisherigen Plänen eine Notierung im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse an.

Tognum erzielte im Jahr 2006 mit 7500 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 2,5 Milliarden Euro (plus 20 Prozent).

manager-magazin.de mit dpa

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