ABN Amro/Barclays Hedgefonds meutert

Großaktionäre der britischen Bank Barclays erhöhen Presseberichten zufolge ihren Widerstand gegen die geplante Übernahme der niederländischen ABN Amro. Der Hedgefonds Atticus hat dazu einen Brandbrief an Barclays geschrieben. ABN sei zu teuer und "minderwertig".

London/New York - Der Hedgefonds Atticus, der ein Prozent der Barclays-Anteile halte, dränge darauf, dass die Bank ihr Übernahmeangebot zurück ziehe, berichten "Financial Times" (FT) und "Wall Street Journal Europe" (WSJE/Montag). In einem Brief an Barclays-Chairman Marcus Agius vom 1. Juni drohten Atticus-Chef Timothy Barakett und sein Vize David Slager damit, andernfalls auf der für die Übernahme notwendigen Hauptversammlung gegen die rund 64 Milliarden Euro teure Akquisition zu stimmen, so die "FT".

Barakett und Slager hielten ABN Amro  für eine "minderwertige" Bank, deren Preis im Zuge des Bieterkampfes inzwischen "inflationiert hoch" sei. Sollte Barclays  an der Übernahme festhalten, werde dies die "Glaubwürdigkeit des Vorstandes beschädigen und Aktionäre verärgern".

Die ABN-Aktie hat sich seit Beginn der Übernahmeschlacht um rund 30 Prozent verteuert. Barclays solle lieber in ihr Kerngeschäft investieren oder überschüssiges Kapital an die Aktionäre ausschütten, empfiehlt Slager, der "nicht generell gegen Zukäufe ist", wie er der "FT" sagte.

Erhöhung der Offerte "wertvernichtend"

Der Angriff des US-Hedgefonds könnte das Blatt zugunsten der Royal Bank of Scotland  und Banco Santander Central Hispano  (BSCH) sowie Fortis  wenden, hieß es weiter. Der Dreierpakt will ABN feindlich für rund 71 Milliarden Euro übernehmen und anschließend zerschlagen.

Die Ansicht von Atticus sei nicht repräsentativ für die Barclays-Anteilseigner, zitierte das "Wall Street Journal" eine Stellungnahme der britischen Bank. Die Übernahme steigere im Gegenteil den Wert für die Aktionäre.

Kritische Töne schlagen Barclays laut "FT" aber auch in der Heimat entgegen. So warnten Großaktionäre, die rund 15 Prozent halten, davor, die Offerte für ABN zu erhöhen. "Das wäre wertvernichtend", sagte einer der Aktionäre. Das Angebot von Barclays sei "weniger logisch" als das der Royal Bank, die viel mehr einsparen und Umsatzsynergien heben könne. "ABN ist eine der am wenigsten attraktiven Aktien im Bankensektor, und dafür auch noch zu bieten hinterlässt bei uns Aktionären einen bitteren Geschmack."

manager-magazin.de mit Material von dpa

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