Börsenfusion Nasdaq greift nach Schweden

Am Börsenmarkt wird es einen weiteren transatlantischen Zusammenschluss geben. Die Technologiebörse Nasdaq und die skandinavische Plattform OMX haben sich auf einen Zusammenschluss geeinigt. Für die Deutsche Börse wird der Markt eng.

Stockholm - Die New Yorker Technologiebörse Nasdaq  und der schwedische Börsenbetreiber OMX  wollen sich zusammenschließen. Wie beide Unternehmen am Freitag mitteilten, bietet die Nasdaq 2,7 Milliarden Euro oder 208,1 schwedische Kronen je Aktie für OMX. Der Nasdaq zufolge entspricht dies einem Aufschlag von 19 Prozent auf den OMX-Schlusskurs vom Mittwoch.

Das fusionierte Unternehmen soll den Namen The Nasdaq OMX Group tragen. Das pro forma mit 7,1 Milliarden Dollar bewertete neue Unternehmen wird zu 72 Prozent den Nasdaq-Aktionären und zu 28 Prozent OMX-Aktionären gehören. Von dem Zusammengang versprechen sie die beiden Börsenbetreiber Synergieeffekte in Höhe von jährlich 150 Millionen Dollar vor Steuern. Davon sollen 100 Million Dollar durch Einsparungen bei IT und Verwaltungsfunktionen entstehen sowie 50 Million durch Umsatzsynergien dank besserer Liquidität und intensiveren transnationalen Handels.

Der Zusammenschluss soll im vierten Quartal 2007 abgeschlossen werden. Ab 2009 soll die Fusion sich positiv auf den Gewinn je Aktie niederschlagen. Nasdaq-Chef Robert Greifeld wird das fusionierte Unternehmen leiten, OMX-Chef Magnus Böcker übernimmt das Amt des Präsidenten.

Das Angebot werde von dem OMX-Führungsgremium und Großaktionären beider Unternehmen unterstützt, hieß es. Am Donnerstag waren die Aktien beider Unternehmen vom Handel ausgesetzt. Im Verlauf des Tages hatte es Gerüchte über ein Interesse der London Stock Exchange (LSE)  gegeben. Schon Anfang April hatte es in Medienberichten geheißen, die Nasdaq werbe um die OMX. Die Nordeuropäer hatten jedoch lediglich erklärt, mit mehreren Börsenplätzen Kooperationsgespräche zu führen und kein Übernahmeangebot erhalten zu haben.

OMX ist derzeit an der Börse mit etwa 3,17 Milliarden Dollar bewertet. Das Unternehmen betreibt die Handelsplätze in Stockholm, Helsinki, Kopenhagen, Reykjavik und den baltischen Staaten. Daneben bietet OMX technische Lösungen für Handelsplätze an. Die Nasdaq steht nach der geglückten transatlantischen Fusion der New York Stock Exchange (Nyse)  mit der europäischen Börse Euronext  im Dezember unter massivem Erfolgsdruck. Im vergangenen Jahr war ihr Versuch, die LSE zu übernehmen, am Widerstand des LSE-Managements und einflussreicher Kreise in der Londoner Finanzszene gescheitert.

Nicht zuletzt wegen der Bedürfnisse von Anlegern nach länderübergreifendem Handel auch über Zeitzonen hinweg erlebt die Börsenlandschaft derzeit eine regelrechte Übernahmewelle. So hatten zuletzt am Mittwoch Spekulationen über ein Interesse der LSE an der Deutschen Börse deren Aktien in die Höhe getrieben.

Die Aktien der Deutschen Börse  fielen am Freitag vorbörslich bei Lang & Schwarz auf 167,25 zu 167,99 Euro (Schlusskurs: 168,52 Euro). "Der Deutschen Börse gehen jetzt wirklich die Optionen aus", sagte ein Händler. Hinzu komme, dass sich die Hedgefonds unter den Eignern wie TCI bereits gegen die Übernahme der US-Terminbörse International Securities Exchange (ISE)  ausgesprochen haben. "Daher ist es unwahrscheinlich, dass die Frankfurter in nächster Zeit eine größere Akquisition tätigen", so der Börsianer.

manager-magazin.de mit Material von reuters, dow jones, dpa

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.