Unicredit/Capitalia Gespräche über Fusion

Die italienischen Banken Unicredit und Capitalia verhandeln über eine mögliche Fusion. Damit würde ein neuer Branchenprimus in Italien und der zweitgrößte Vertreter auf dem europäischen Markt entstehen.

Mailand - Auf dem italienischen Bankenmarkt bahnt sich ein Zusammenschluss der HVB-Mutter Unicredit  und Capitalia  zum neuen Branchenprimus an. Die beiden Kreditinstitute bestätigten am Dienstagabend, Gespräche zu führen. Nach Einschätzung von mit der Situation vertrauten Personen könnte bereits in der kommenden Woche eine Einigung erzielt werden. Bei einem Zusammenschluss entstünde eine Bank mit einer Marktkapitalisierung von ungefähr 100 Milliarden Euro - damit würde sie zu den zehn größten Kreditinstituten der Welt gehören und wäre der zweitgrößte Vertreter in Europa.

Kreisen zufolge hat die Nummer drei in Italien, Capitalia, für kommenden Montag ein Treffen des Führungsgremiums angesetzt, in dem über die Fusion gesprochen werden soll. Die Bank mit Sitz in Rom gilt seit Längerem als Übernahmekandidat.

Bislang wurde vor allem über ein Interesse ausländischer Kreditinstitute spekuliert. Als mögliche Partner wurden etwa der Capitalia-Großaktionär ABN Amro  aus den Niederlanden oder die spanische Santander  genannt. Mit Unicredit als Käufer bliebe Capitalia in italienischer Hand - das dürfte auch bei der Regierung in Rom auf Zustimmung stoßen. Regierungschef Romano Prodi hat bereits sein Einverständnis signalisiert.

Unicredit könnte mit dem Kauf von Capitalia ihr Filialnetz in Italien nahezu verdoppeln und den Marktanteil deutlich ausbauen, läge damit jedoch weiterhin hinter der Nummer zwei, Intesa Sanpaolo. Capitalia verfügt über etwa 2020 Filialen vor allem in der Mitte und im Süden des Landes, Unicredit betreibt knapp 3000 Außenstellen in Italien. Zudem erhielte Unicredit Beteiligungen von 18 Prozent an der Handelsbank Mediobanca  und 6,5 Prozent des Versicherers Generali . Analysten bezifferten die möglichen Kosteneinsparungen auf bis zu 1,2 Milliarden Euro.

Nach der Übernahme der deutschen HVB 2005 verfügt Unicredit über ein starkes Standbein in Deutschland und Osteuropa, wo das Kreditinstitut mit 3000 Filialen über ein großes Netz verfügt und etwa zwei Drittel seiner Erträge erwirtschaftet.

Unsicherheitsfaktor ist nach Einschätzung von Analysten jedoch die anstehende Übernahme des Capitalia-Großaktionärs ABN Amro. Sollte das Konsortium um die Royal Bank of Scotland (RBS) mit ihrer Offerte Erfolg haben und die britische Barclays übertrumpfen, droht eine Aufspaltung der Bank. In italienischen Medien wurde über ein Interesse von Santander an dem ABN-Anteil von 8,6 Prozent an Capitalia spekuliert. Möglicherweise könnten die Spanier demnach dann ein Gebot für die gesamte Bank vorlegen und einen Bieterwettstreit auslösen.

manager-magazin.de mit Material von dow jones und reuters