Daimler Milliardenplus trotz gewaltiger Verluste bei Chrysler

Der Autokonzern DaimlerChrysler hat im ersten Quartal knapp zwei Milliarden Euro Vorsteuergewinn eingefahren - obwohl die vor dem Verkauf stehende US-Tochter Chrysler noch tiefer ins Minus rutschte. Neben Erfolgen bei der Mercedes Car Group brachte vor allem der Verkauf von EADS-Anteilen Ertrag.

Stuttgart/Detroit - Der Autobauer DaimlerChrysler  hat trotz eines Milliardenverlusts der US-Tochter Chrysler im Auftaktquartal dieses Jahres einen kräftigen Gewinnzuwachs verzeichnet. Zwischen Januar und Ende März sei das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 1,181 auf 2,041 Milliarden Euro gestiegen, teilte das Unternehmen am Dienstag in Stuttgart mit. Die Erwartungen der Analysten wurden damit deutlich übertroffen. Gründe waren Sondereinnahmen durch den Verkauf eines 7,5-Prozent-Anteils an EADS  und eine Kehrtwende bei Mercedes.

Düster sah es allerdings bei der US-Tochter Chrysler aus. In den ersten drei Monaten fiel ein operativer Verlust von 1,485 Milliarden Euro an, weit mehr als die befürchteten 1,007 Milliarden Euro. Im vergangenen Jahr hatte Chrysler noch ein operatives Plus von 641 Millionen Euro ausgewiesen. Auch beim Umsatz enttäuschten die vor dem Verkauf stehenden Amerikaner. Er gab deutlich von 12,492 auf 10,237 Milliarden Euro nach.

Der Mutterkonzern begründete das schwache Abschneiden unter anderem mit den Aufwendungen für die laufende Sanierung in diesem Jahr und positiven Einmaleffekten im vergangenen Jahr. Außerdem belastete der harte Preiskampf in den USA das Abschneiden.

Die Mercedes Car Group (MCG) schaffte im ersten Quartal den Sprung aus den roten Zahlen und wies ein Ebit von 792 Millionen Euro nach einem operativen Verlust von 735 Millionen Euro im Vorjahr aus. Dieser Wert lag über den Schätzungen der Analysten, die von 730,4 Millionen Euro ausgegangen waren. Im Vorjahr hatten vor allem die Einstellung des Smart forfour und das Einsparprogramm CORE bei Mercedes das Ergebnis belastet. Der Umsatz lag mit 12,07 Milliarden Euro (Vorjahr: 11,937) leicht unter den Prognosen in Höhe von 12,202 Milliarden Euro.

Die Lastwagensparte startete nach dem Boomjahr 2006 gut. Der Umsatz blieb mit 7,29 Milliarden wie erwartet fast stabil. Das operative Ergebnis verbesserte sich um 25 Prozent auf 528 Millionen Euro und lag damit weit über den erwarteten 376,7 Millionen Euro. Solide entwickelte sich auch das Geschäft bei Financial Services. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahr von 3,912 auf 4,158 Milliarden Euro, das Ebit gab von 455 auf 419 Millionen Euro nach. Beim Umsatz hatten die Experten mit etwas weniger gerechnet, das Ergebnis erfüllte die Erwartungen.

Im Bereich Vans/Busses/Other, bei dem auch die Beteiligung am Luft- und Raumfahrtkonzern EADS verbucht wird, schnellte das Ergebnis von 366 Millionen auf 1,872 Milliarden Euro hoch. Dafür sorgten Sondererträge in Höhe von 1,563 Milliarden Euro aus dem Verkauf von EADS-Anteilen. Eine Reihe weiterer Sonderfaktoren beeinflusste das Konzernergebnis. So schlug das im Februar angekündigte Sanierungsprogramm bei Chrysler mit 914 Millionen Euro zu Buche. Außerdem bezuschusste der Konzern insolvenzgefährdete Lieferanten mit 120 Millionen Euro und steckte 54 Millionen Euro in die Umsetzung des neuen Managementmodells. Negativ zu Buche schlugen außerdem Aufwendungen von 114 Millionen Euro für das Restrukturierungsprogramm "Power8" bei EADS.

Zetsche bedauert den Chrysler-Verkauf

Zetsche bedauert den Chrysler-Verkauf

Am Vortag hatte der Stuttgarter Automobilkonzern die lange erwartete Trennung von der US-Tochter Chrysler bekannt gegeben. Die US-Investmentgesellschaft Cerberus übernimmt 80,1 Prozent an dem drittgrößten US-Automobilhersteller. Dafür bezahlt er 5,5 Milliarden Euro. Unter dem Strich macht Daimler allerdings einen Barverlust von 500 Millionen Euro bei dem Deal, weil Chrysler im dritten Quartal schuldenfrei übergeben werden muss und bis dahin die eingeleitete Sanierung mit dem Abbau tausender Stellen weitergeführt wird.

Wahrscheinlich sind außerdem Abschreibungen auf den Firmenwert von Chrysler, der aktuell mit 1,8 Milliarden Dollar in den Büchern steht. Zusammen mit den Kosten für den Deal rechnet DaimlerChrysler mit einer Belastung des Nettogewinns von 3 bis 4 Milliarden Euro im laufenden Jahr. Mit der Trennung überträgt DaimlerChrysler die hohen Pensions- und Gesundheitsverpflichtungen für die Chrysler-Mitarbeiter auf den neuen Eigentümer und minimiert so das eigene Risiko. Diese Lasten hatten zusammen mit den regelmäßig wiederkehrenden Verlusten stark auf den Aktienkurs des Konzerns gedrückt.

Nach der Trennung will sich das Unternehmen in Daimler AG umbenennen und sich auf das verbleibende Geschäft mit Premium-Pkw um die Kernmarke Mercedes-Benz sowie den Nutzfahrzeug- und Transporter-Aktivitäten und der Finanzierung konzentrieren.

DaimlerChrysler-Chef Dieter Zetsche betonte in einem Schreiben an die Chrysler-Mitarbeiter, dass ihm der Verkauf nicht leicht gefallen sei. Diese Entscheidung sei eine der schwierigsten in seiner Manager-Karriere gewesen, schrieb Zetsche am Montagabend in einer e-mail. Er habe persönlich viel in Chrysler und Daimler investiert und sich zu beiden Firmen bekannt, betonte Zetsche. Gerade deshalb habe man alle Möglichkeiten gesucht, um die beste Lösung für Chrysler langfristige Zukunft zu finden.

Zetsche hatte angekündigt, dass die künftige Zusammenarbeit zwischen Daimler und Chrysler von einem "Joint Automotive Council" koordiniert werden soll. Die beiden Unternehmen wollen laut Zetsche bei Antrieben, im Einkauf sowie im Vertrieb und bei Finanzdienstleistungen außerhalb Nordamerikas zusammenarbeiten. Den Chrysler-Mitarbeitern bescheinigte er, dass sie in den vergangenen Jahren "das stärkste in den USA ansässige Autounternehmen" aufgebaut hätten.

manager-magazin.de mit Agenturen

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