Konjunktur Die magische Drei

Die Bundesbürger erleben einen rasanten Aufschwung. Im ersten Quartal 2007 stieg das Bruttoinlandsprodukt im Jahresvergleich um 3,3 Prozent - und damit stärker als im Superboomjahr 2000. Jetzt reiben sich selbst Experten die Augen: Deutschlands Firmen schafften den Riesensprung, wie nie zuvor in der Wirtschaftsgeschichte der Republik.
Von Karsten Stumm

Düsseldorf - Deutschland steht vor dem größten Wirtschaftserfolg seit zwei Jahrzehnten. Viele Unternehmen hierzulande sind in so glänzender Verfassung, dass sie investieren wie lange nicht mehr - und damit das deutsche Bruttoinlandsprodukt immer weiter in die Höhe treiben. Allein in den ersten drei Monaten dieses Jahres legte die Wirtschaft so um satte 3,3 Prozent verglichen mit der gleichen Vorjahresperiode zu. Jetzt hat die Wirtschaftsforscher in der Bundesrepublik fiebrige Unruhe gepackt. Alles wispert.

"Man kann sich an allen Fingern abzählen, dass unser Plus beim Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr eine 3 vor dem Komma aufweisen wird", sagt Carsten-Patrick Meier zu manager-magazin.de, der das Konjunkturprognoseteam des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel leitet; er hat das aktuelle deutsche Wirtschaftswachstum vor Monaten punktgenau vorhergesagt.

Behält Meier nun auch mit seiner Jahresprognose Recht, wird die Wirtschaft hierzulande in diesem Jahr noch besser abschneiden als im bisherigen Superboomjahr 2000. Damals stieg der Wert der erwirtschafteten Leistung real um 3,1 Prozent verglichen mit dem Vorjahr, jetzt aber scheint noch mehr drin zu sein. Das aber würde reichen, damit die deutsche Wirtschaft das stärkste Wachstum seit 1991 vorweisen könnte. Das Plus fiele zudem doppelt so hoch aus wie im Durchschnitt des abgelaufenen Jahrzehnts. "Die positiven Überraschungen reißen nicht ab", kommentierten die Commerzbank-Volkswirte heute die Lage der deutschen Wirtschaft.

"Wir nehmen Fahrt auf für den Gipfelsturm, der 2008 stattfindet", sagt der Chefvolkswirt der DekaBank, Ulrich Kater. Auch 2009 müsse keineswegs der Abstieg kommen, ein Ende des Aufwärtstrends sei nicht abzusehen: "Es kann komfortabel so weitergehen." Die Deutsche Bundesbank geht davon aus, dass Deutschland erst am Anfang eines Konjunkturaufschwungs steht, der sich in den kommenden Jahren fortsetzen wird. Deutschland sei wie "Phönix aus der Asche" wieder aufgetaucht, schreibt die Bank of America.

"Besser noch: Der Aufschwung geht auch noch weiter", sagt jetzt auch Volkswirt Andreas Scheuerle von der Deka-Bank zu manager-magazin.de. "So gut wie jetzt ging es Deutschland lange nicht mehr." Das klassische Aufschwungmuster greife und werde Deutschland auch 2008 ein starkes Wachstum bescheren.

Ganz typisch verläuft der Wirtschaftsaufschwung hierzulande allerdings nicht. Unternehmen und Verbraucher verschulden sich derzeit in Deutschland viel weniger stark, als es für Phasen solch kräftigen wirtschaftlichen Wachstums üblich wäre. Ein Blick in die Zins- und Kreditstatistik der Bundesbank zeigt, dass Verbraucher und Firmen im ersten Quartal mit 2,2 Billionen Euro bei den Kreditinstituten hierzulande in der Kreide standen. Das war nur ein mäßiges halbes Prozentpünktchen mehr als im vergangenen Jahr. Und abzüglich der Inflationsrate von derzeit rund 2 Prozent ist die Kreditsumme real sogar zurückgegangen.

Anders dagegen sieht es im gesamten Euro-Raum aus, wie die Brüsseler Statistiker ermittelt haben. Dort haben sich Haushalte und Unternehmen zuletzt muntere 14 Prozent höhere Schulden zugetraut als im Vorjahr - eine typische Reaktion auf die anziehende Konjunktur.

"Dass es in Deutschland derzeit anders ist, muss uns aber nicht unbedingt beunruhigen, auch wenn die deutsche Kreditnachfrage für solch einen starken Aufschwung ganz mau ist", sagt der Kieler Wirtschaftsforscher Meier. "Aber die Gewinne der Unternehmen sind zuletzt offenbar so stark gestiegen, dass viele Firmen ihre Investitionen schlicht ohne die Hilfe von Banken stemmen können." Und das könne sogar Spielraum für die Zukunft lassen.

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