EZB Leitzins bleibt unverändert

Der Leitzins im Euroraum bleibt unverändert bei 3,75 Prozent. In seinen Erläuterungen zur Zinsentscheidung gab EZB-Präsident Jean-Claude Trichet unterdessen Signale für eine Zinserhöhung im Juni.

Frankfurt am Main - Die Europäische Zentralbank (EZB) hat wie erwartet für Anfang Juni eine weitere Zinserhöhung angekündigt. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet sprach am Donnerstag von "hoher Wachsamkeit", auf die es wegen weiter bestehender Inflationsrisiken ankomme. Damit gebrauchte er einen Schlüsselbegriff, mit dem die EZB jeden der bisher sieben Zinsschritte einen Monat im Voraus signalisierte. Bei seiner auswärtigen Ratssitzung in Dublin hatte der Rat den Leitzins von 3,75 Prozent wie erwartet unverändert gelassen.

Der Aufschwung im Euro-Raum sei solide, und die Wirtschaft könne weiter nachhaltig wachsen, sagte Trichet auf der Pressekonferenz. Zugleich gebe es weiter Risiken für die Preisstabilität, diese gingen vor allem von kräftigen Lohnerhöhungen im Euro-Raum aus. "Der EZB-Rat wird weiter hoch wachsam sein, um sicherzustellen, dass die Risiken für Preisstabilität nicht eintreten."

Analysten sagen einhellig eine Anhebung um 25 Basispunkte auf 4,0 Prozent im Juni voraus. Seit Ende 2005 hat die EZB den Schlüsselsatz für die Bankenrefinanzierung in sieben kleinen Schritten um 1,75 Prozentpunkte erhöht, um den Preisanstieg während des Aufschwungs im Euro-Raum zu dämpfen. Eine knappe Mehrheit der monatlich von Reuters befragten rund 80 Volkswirte prognostiziert eine weitere Zinserhöhung nach Juni auf dann 4,25 Prozent.

Robustes Wachstum, der erneute Ölpreisanstieg und höhere Lohnabschlüsse als in den vergangenen Jahren halten die Währungshüter in Alarmstimmung über Inflationsgefahr. Zudem wuchs die Geldversorgung der Wirtschaft trotz Zinserhöhungen zuletzt mit über 10 Prozent so stark wie seit 24 Jahren nicht mehr. Der Trend eines anhaltend starken Geldmengenwachstums sei ein klarer Hinweis auf längerfristige Inflationsrisiken, sagte Trichet.

Einen Anstieg der Inflationsrate versucht auch die britische Notenbank einzudämmen. Die Bank von England hob den Schlüsselzins um 25 Basispunkte auf 5,5 Prozent an, das höchste Niveau seit sechs Jahren. Die Inflationsrate liegt derzeit bei 3,1 Prozent, während die Zentralbank den Preisanstieg auf 2 Prozent begrenzen will.

Die amerikanische Notenbank Federal Reserve gab unterdessen kein Signal, dass sie bald den Leitzins senken würde, wie es die Finanzmärkte erwarten. Die Fed hatte die Zinserhöhungsrunde vor knapp einem Jahr mit einem Tagesgeld-Zielsatz von 5,25 Prozent ausgesetzt. In ihrer Erklärung nach dem Zinsbeschluss am Mittwochabend bezeichneten die Währungshüter die Inflation weiter als ihre Hauptsorge.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa