Deutsche Börse Atticus gegen ISE-Kauf

Vor wenigen Tagen gab die Deutsche Börse bekannt, die US-Derivatebörse ISE übernehmen zu wollen. Nun mischt sich der Hedgefonds Atticus in die Pläne ein: Der Großaktionär der Börse spricht sich gegen einen Kauf der ISE aus.

Frankfurt am Main - Der US-Hedgefonds Atticus hat sich in harten Worten gegen den geplanten Kauf der US-Derivatebörse International Securities Exchange (ISE) durch die Deutsche Börse  ausgesprochen. "Wir sind erbost mit Blick auf die Übernahmevereinbarung mit der ISE", schreibt Atticus, die 11,68 Prozent an der Deutschen Börse besitzt, in einem Brief an Vorstand und Aufsichtsrat, in den die Nachrichtenagentur Dow Jones Einsicht hatte.

Ein Kauf der ISE habe keinen strategischen Sinn und sei wertvernichtend. Die Erläuterung der Transaktion durch das Management der Deutschen Börse sei nicht überzeugend und zeige das begrenzte Verständnis des US-Optionsmarktes. Die Deutsche Börse war für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar.

"Wir haben das Vertrauen in die strategische und finanzielle Strategie des Management bei der Analyse möglicher Transaktionen verloren", schreibt Atticus in dem Brief weiter. Atticus sei besonders besorgt über die Tatsache, dass sich im Aufsichtsrat ein Verhaltensmuster herauskristallisiere, mit dem Aktionärsinteressen ignoriert würden.

Der Hedgefonds warnte die Deutsche Börse davor, im Falle weiterer größerer Zukäufe, die von den Aktionären nicht genehmigt wurden, eine außerordentliche Hauptversammlung einzuberufen. Dabei würde dann die Abberufung der gewählten Aufsichtsratsmitglieder und deren Ersatz durch Personen, die stärker im Interesse der Aktionäre handeln, vorgeschlagen. "Wir prüfen zudem alle Optionen, die uns als Aktionär zustehen", schrieb Atticus abschließend.

Atticus hat die Deutsche Börse bereits im Jahr 2005 bei ihrem Versuch, mit der London Stock Exchange  zu fusionieren, massiv unter Druck gesetzt. Der Hedgefonds-Betreiber tat sich seinerzeit mit der Londoner Children's Investment Fund Management LLP (TCI) zusammen, um den Zusammenschluss zu verhindern. Die Konfrontation führte schließlich dazu, dass der damalige Vorstandsvorsitzende der Börse, Werner Seifert, seinen Hut nahm.

manager-magazin.de mit Material von dow jones

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