Hedgefonds Weitermachen

Die Manager der spekulativsten Finanzvehikel der Welt können aufatmen: Die Euopäische Union hat sich nicht geeinigt, wie Hedgefonds künftig verbindlich und besser kontrolliert werden. Stattdessen sollen die vorhandenen staatlichen Aufsichtsbehörden einfach gut aufpassen.

Brüssel - Europas Finanzminister verzichten nach längeren Diskussionen auf einen verbindlichen Verhaltenskodex für die hochspekulativen Hedgefonds.

Wie EU-Diplomaten am Wochenende übereinstimmend in Brüssel berichteten, wollen die Minister übermorgen ein Dokument verabschieden, in dem der diskutierte Verhaltenskodex nicht erwähnt wird. Stattdessen sollen Kreditgeber, Anleger und Aufsichtsbehörden aufgerufen werden, die potenziellen Risiken dieser Investoren angemessen abzuschätzen.

In Berlin hatte es Mitte April noch geheißen, angesichts wachsender Bedrohungen für das globale Finanzsystem sollten zumindest die wichtigsten Hedgefonds einen verbindlichen Verhaltenskodex unterschreiben.

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) hatte gesagt, es wäre schon ein Erfolg, den angestrebten Verhaltenskodex mit 10 bis 15 Prozent der Fonds zu vereinbaren, die den Großteil des gesamten Volumens verwalten. Den EU-Ministern geht es nicht um eine gesetzliche Regulierung der Fonds; sie setzen vielmehr auf eine freiwillige Selbstverpflichtung der Fondsmanager.

Erst vor wenigen Tagen hat die Deutsche Bundesbank gewarnt, Hedgefonds verfügten bald sogar über genügend Geld, Kreditinstitute in Deutschland zu übernehmen. Wir müssen uns darauf vorbereiten", sagt das für Bankaufsicht zuständige Vorstandsmitglied Edgar Meister. "Solche Übernahmen können zu erheblichen Risiken im Finanzsystem führen", warnte er vor Reputationsrisiken für die betroffenen Banken. Allerdings gilt ein störungsfreies Finanzsystem als Grundlage der gesamten westlichen Wirtschaft. Die Bundesbank hat deshalb ein internationales Regelwerk gefordert - offenbar vergeblich.

Derzeit gibt es weltweit rund 9000 Hedgefonds, die meisten im angelsächsischen Raum. Sie verwalteten Ende 2006 ein Kapital von mehr als 1,4 Billionen Dollar, mittlerweile sollen es 1,6 Billionen sein.

manager-magazin.de mit Material von dpa