Deutsche Börse Nyse könnte Frankfurt die Übernahme vermasseln

Die Deutsche Börse muss sich auf ein kostspieliges Bietergefecht einstellen. Gerüchten zufolge hat auch die Nyse Interesse an der US-Derivatebörse ISE. Doch die Frankfurter scheinen auf einen Bieterwettkampf vorbereitet zu sein.

Frankfurt am Main - Nur zwei Tage, nachdem die Deutsche Börse  die Übernahme der US-Derivatebörse International Securities Exchange ISE  für 2,8 Milliarden US-Dollar angekündigt hat, kursieren bereits Spekulationen um ein Gegenangebot für den New Yorker Börsenbetreiber.

Mehrere Aktienhändler berichten am Mittwochvormittag übereinstimmend von Gerüchten, dass die New Yorker Börse (Nyse) ein Gegenangebot für die ISE vorbereitet. Grund für diese Spekulationen ist eine Mitteilung des transatlantischen Börsenkonzerns, wonach sich dieser eine Kreditlinie von drei Milliarden Dollar gesichert hat.

Der Aktienkurs des Ende 2006 fusionierten Börsenkonzerns Nyse Euronext, der die New Yorker Börse und die paneuropäische Börse Euronext betreibt, gibt am Mittwochvormittag in Paris 3,5 Prozent auf 60,96 Euro nach. Die Papiere der Deutsche Börse verbilligen sich um rund 2,20 Prozent auf 168,82 Euro.

Die Deutsche Börse hatte der US-Derivatebörse ISE am Montag ein freundliches Übernahmeangebot unterbreitet. Sie will je ISE-Aktie 67,50 Dollar zahlen - das ist ein Aufschlag von 48 Prozent gegenüber dem Schlusskurs vom vergangenen Freitag. Sollte die Transaktion gelingen, entstünde die größte transatlantische Derivatebörse.

Deutsche Börse angeblich auf Gegengebot vorbereitet

Ein Gegenangebot zur Offerte des Frankfurter Börsenbetreibers für die ISE käme nach Ansicht von Marktteilnehmern nicht überraschend. Zum einen hatte Nyse-Chef John Thain in der Vergangenheit mehrfach bekundet, das Derivategeschäft ausbauen zu wollen. Zum anderen hat sich selbst die Deutsche Börse  bereits auf ein solches Szenario eingestellt. Über einen möglichen Bieterkampf sei in der Aufsichtsratssitzung am vergangenen Montag lange diskutiert worden, sagten zwei Mitglieder des Aufsichtsgremiums zur Nachrichtenagentur Dow Jones.

Sollte dieser Fall eintreten, würde der Strategieausschuss des Aufsichtsrates die neue Situation sehr kurzfristig beraten. Anschließend könnte der gesamte Aufsichtsrat - wiederum sehr kurzfristig - in einer außerordentliche Sitzung neue Beschlüsse fassen. Beim Festlegen der weiteren strategischen Schritte könnte auch die Schweizer UBS ein wichtiges Wort mitreden: Per Adhoc-Mitteilung teilte die Börse am Mittwoch um 14 Uhr mit, dass die Schweizer Bank die meldepflichte 5-Prozent-Schwelle überschritten habe. Die UBS hält nun 5,62 Prozent an der Deutschen Börse.

Ein weiteres Aufsichtsratsmitglied hatte im Gespräch mit Dow Jones bereits am Montag vor voreiligem Optimismus gewarnt: Es gebe keine Garantie, dass die Transaktion auch wirklich zustande kommt. "Ich denke, dass auch andere sich die ISE anschauen", sagte das Gremiumsmitglied.

Auch die "Financial Times Deutschland" (FTD) berichtet in ihrer Mittwochausgabe unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen, dass eine Offerte der Nyse Euronext für die ISE möglich ist.

Am Dienstag wollte sich der Vorstandsvorsitzende der Nyse Euronext zu einer möglichen Offerte für die ISE nicht äußern. Er sagte aber, dass sich die Wettbewerbslage von Nyse Euronext durch die angekündigte Transaktion nicht ändern werde. Nyse Euronext sei auch nach der Transaktion in der gleichen Lage wie vorher: In den USA konkurriere Nyse Euronext mit der ISE und in Europa mit der Eurex.

manager-magazin.de mit Material von dow jones

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