Gewinnsprung Allianz nutzt Börsenhoch

Die Allianz hat im ersten Quartal zahlreiche Aktien verkauft und damit ihren Nettogewinn um mehr als drei Viertel gesteigert. Auch das operative Geschäft lief besser als erwartet. Konzernchef Michael Diekmann will mehr: Bis 2009 soll das Ergebnis um rund 30 Prozent steigen.

München - Der Versicherungsriese Allianz  will in den nächsten Jahren ohne größere Zukäufe sein Ergebnis um ein Drittel steigern. "Wir wollen den Weg aus eigener Kraft schaffen, größere Akquisitionen sind zurzeit nicht geplant", sagte Firmenchef Michael Diekmann am Mittwoch auf der Hauptversammlung in München vor rund 5000 Aktionären. Auszuschließen seien Zukäufe aber nicht.

Die Allianz will ihr operatives Ergebnis bis 2009 auf 13,3 Milliarden Euro erhöhen. 2006 waren es - adjustiert auf eine durchschnittliche Belastung aus Naturkatastrophen - zehn Milliarden Euro. Zugleich machte Diekmann den Aktionären Hoffnung auf weiter steigende Gewinnausschüttungen.

"Es ist unser Ziel, die Dividende weiter zu steigern, und wir sind überzeugt, dass die künftigen Ergebnisse das möglich machen werden", sagte Diekmann. Nach einem Rekordgewinn von gut sieben Milliarden Euro im vergangenen Jahr hatten die Münchner ihre Dividende deutlich auf 3,80 Euro je Anteilsschein angehoben. Die Hauptversammlung soll heute die angekündigte Dividendenerhöhung beschließen.

Im abgelaufenen ersten Quartal hat die Allianz  ihren Gewinn dank Beteiligungsverkäufen um mehr als drei Viertel gesteigert. Der Überschuss sei auf 3,2 (2006: 1,8) Milliarden Euro geklettert, teilte der Konzern am Mittwoch weiter mit. Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt nur mit einem Nettogewinn von 2,47 Milliarden Euro gerechnet.

Im Auftaktquartal reduzierte die Allianz unter anderem ihre Beteiligungen an BMW  und KarstadtQuelle . Der Konzern habe insgesamt zwei Milliarden Euro Gewinne aus Kapitalanlagen realisiert, hieß es. Damit habe die Allianz die boomenden Börsen genutzt. Die Erlöse aus den Verkäufen wurden zur Finanzierung der Komplettübernahme der französischen Tochter AGF eingesetzt. An dieser hält die Allianz mittlerweile mehr als 95 Prozent und will die restlichen Kleinaktionäre gegen eine Zwangsabfindung aus dem Unternehmen drängen. Die Anteilsaufstockung auf 100 von 58 Prozent kostet insgesamt zehn Milliarden Euro.

Die Allianz verbuchte im ersten Quartal einen Umsatz von 29,3 Milliarden Euro, womit er währungsbereinigt auf dem Niveau des Vorjahres lag. Das operative Ergebnis erhöhte sich um mehr als 7 Prozent auf rund 2,9 Milliarden Euro. "Hierin sind bereits die Schadenbelastungen aus dem Sturm 'Kyrill' in Höhe von 340 Millionen Euro enthalten", betonte die Allianz. Wegen des Orkans sank das operative Ergebnis im Segment Schaden/Unfall um 119 Millionen Euro. Die übrigen Sparten verzeichneten aber operative Zuwächse.

Analysten loben das Zahlenwerk

"Das Zahlenwerk ist besser als erwartet", sagte Konrad Becker von Merck Finck & Co (MeFiCo). Die Allianz habe offensichtlich nicht nur bei den großen bekannten Verkäufen wie Karstadt oder BMW kräftig verdient, sondern auch kleinere bisher nicht bekannte Positionen veräußert. Aber auch das operative Geschäft sei deutlich besser gelaufen als erwartet, so Becker weiter. Die Gewinnschätzungen dürften somit tendenziell leicht steigen, wobei weitere Erkenntnisse am 8. Mai erwartet würden.

Als "exzellent" bewertete Analyst Thorsten Wenzel von der DZ-Bank die Zahlen für das erste Quartal. Während der Überschuss vor allem von Gewinnen aus Kapitalanlagen getrieben war, habe sich auch das operative Ergebnis sehr gut entwickelt. Dadurch sollte sich die Glaubwürdigkeit der langfristigen Ziele des Konzerns erhöhen.

Ziele für die einzelnen Semente

Ziele für die einzelnen Sparten

Zu dem positiven Ergebnisausblick für die kommenden drei Jahre führte Diekmann weiter aus: "Dazu müssen alle Segmente durch weitere operative Verbesserungen und Wachstum beitragen."

In der Schaden- und Unfallversicherung strebt der Versicherer in den nächsten drei Jahren im Schnitt eine Schaden- und Kosten-Quote unter 94 (2006: 92,9) Prozent an, "selbst wenn die Schäden aus Naturkatastrophen anders als 2006 wieder zunehmen", bekräftigte Diekmann. Die Neugeschäftsmarge in der Lebens- und Krankenversicherung solle über 3 Prozent liegen. Im Bankgeschäft solle eine Rendite auf das eingesetzte Risikokapital von durchschnittlich mehr als 15 Prozent (Vorjahr: 13,2 Proezent) pro Jahr erreichen. "Hier müssen wir weiter hart arbeiten, auf der Umsatz- wie auf der Kostenseite", sagte Diekmann. Im Asset Management sollen die Kapitalanlagen für Dritte um 10 Prozent pro Jahr wachsen.

Profitables Wachstum und Kundenfokussierung, eine höhere Effizienz sowie einen weiteren Abbau der Komplexität des Konzerns nannte Diekmann als die strategischen Stoßrichtungen der Allianz. Hinsichtlich der Eigenkapitalrendite, die 2006 auf 15,6 Prozent (Vorjahr 12,6 Prozent) stieg, gebe es im Vergleich zu den Wettbewerbern "durchaus noch Verbesserungsmöglichkeiten".

Mit der Entwicklung des Gesamtumsatzes könne die Allianz nicht zufrieden sein, sagte Diekmann mit Blick auf das Jahr 2006. Während sich das Geschäft im Asset Management und des Bankgeschäfts erfreulich entwickelt habe, bleibe Wachstum in der Schaden- und Unfallversicherung angesichts der Marktsättigung und des Preiswettbewerbs schwierig. Unerfreulich sei der Umsatzrückgang in der Lebens- und Krankenversicherung. Dieser sei durch Sondereinflüsse in den USA und in Italien bedingt gewesen.

Zwar sei die Allianz zuversichtlich, in beiden Ländern künftig wieder an die Wachstumsraten der Vergangenheit anknüpfen zu können. Jedoch werde der Umsatzrückgang in dem Segment die Allianz aber "noch mindestens bis in die zweite Jahreshälfte 2007 begleiten", sagte Diekmann.

In den USA war der Umsatz in dem Bereich 2006 durch aufsichtsrechtliche Änderungen um mehr als 20 Prozent zurückgegangen. In Italien, wo rund 60 Prozent der Lebensversicherungen über Bankschalter verkauft werden, hatten die Allianz-Partner UniCredit und die von der ABN Amro übernommene Banca Antonveneta den Verkauf von Allianz-Lebenspolicen reduziert.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen

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