Cewe Color Hedgefonds ausgebremst

Im Machtkampf beim Oldenburger Fotodienstleister Cewe Color haben US-Finanzinvestoren eine Niederlage erlitten. Auf der Hauptversammlung setzte sich das Management nach zäher Auseinandersetzung mit klarer Mehrheit durch. Die Präsenz der Aktionäre erreichte mit 87 Prozent Rekordniveau.

Oldenburg - Ein Duell kennt nur einen Sieger. Auf der Hauptversammlung des SDax-Unternehmens Cewe Color , lange als Showdown in Westernmanier angekündigt, setzte sich das Management am Donnerstag in allen Punkten durch. Für den Dividendenvorschlag von 1,20 Euro gab es eine satte 84-Prozent-Mehrheit. Der Aufsichtsrat wurde knapp bestätigt. Sogar die von Aktionären beider Seiten kritisierte Satzungsänderung, die Mehrheiten auf künftigen Hauptversammlungen schwieriger macht, kam mit 53,8 Prozent durch.

In frostiger Stimmung hatte das Aktionärstreffen begonnen. Der Aufsichtsratsvorsitzende Hubert Rothärmel bedankte sich zwar zu Beginn für das große Interesse, dessentwegen die Versammlung aus einem Hotel in eine Basketball-Arena verlegt wurde. Wahre Freude verrieten das eingefrorene Lächeln von Vorstandschef Rolf Hollander und die Nervosität auf dem Podium jedoch nicht. Das Wort "Gegenanträge" sprach Rothärmel vorwurfsvoll gedehnt aus.

Die Versammlung war von einer scharfen Auseinandersetzung zwischen dem Management und US-Finanzinvestoren, die Aufsichtsrat und Vorstand austauschen und einen Strategiewechsel herbeiführen wollten, geprägt.

Gleich zu Beginn sah Rothärmel sich zu einer Erklärung in eigener Sache veranlasst. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg habe das erst vor einer Woche eingeleitete Verfahren gegen ihn wegen Insiderhandels inzwischen eingestellt, auch die Finanzaufsicht BaFin ermittle nicht deswegen. Auch der andere von Hedgefonds erhobene Vorwurf, Rothärmel habe mit Hollander eine Kursmanipulation verabredet, werde sich bald ausräumen lassen.

Beifall für 1,20 Euro statt fünf Euro Dividende

Hollander verwies zum Beleg auf den Aktienkurs, der nach jeder Veröffentlichung neuer Zahlen gestiegen sei. "Wie Sie sehen, ist der Vorwurf, dass der Kurs gedrückt wurde, völlig absurd", sagte er. Er sei "froh darüber", dass der Verdacht geklärt werde, es habe auch nur den Versuch dazu gegeben.

"Und nun zurück zum Formalen", leitete Rothärmel nach seiner Erklärung sichtlich erleichtert zur Tagesordnung über. Doch die brachte gleich neuen Streit. Ein Vertreter der Finanzinvestoren gab zu Protokoll, Rothärmel sei gar nicht berechtigt, die Versammlung zu leiten.

Beifall von den Rängen bekam Vorstandschef Hollander, als er sich direkt gegen eine Forderung des Investors David Marcus wandte. "Wir müssen in unsere Zukunft investieren", sagte Hollander. "Deswegen sind Sonderausschüttungen nicht angebracht und nicht nötig." Der Vorstand warb für seinen Dividendenvorschlag von 1,20 Euro je Aktie, "die höchste Ausschüttung der Firmengeschichte". Marcus hatte in den vergangenen Monaten eine zusätzliche Dividende von fünf Euro verlangt.

"Oldenburg wird gewinnen!"

"Oldenburg wird gewinnen!"

Applaus gab es aber auch für die von Marcus vorgeschlagenen Gegenkandidaten für den Aufsichtsrat. Deren Namen klangen wie das Who is who der von US-Finanzinvestoren kontrollierten deutschen Mittelständler. Reiner Beutel stellte sich als Vorstandsvorsitzender von Schefenacker und Aufsichtsratschef des Maschinenbauers IWKA  vor, Georg-Peter Kränzlin als Alleinvorstand der insolventen Babcock Borsig . Uwe Ganzer gab die Spitze ab, ihm sei es als Alleinvorstand der Finanzholding Varta gelungen, den ehemaligen Batteriehersteller "durch ein schwieriges Marktfeld zu führen, ohne dass die unterschiedlichen Interessen der Aktionäre in der Öffentlichkeit auseinanderflogen".

Thomas Hechtfischer von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) äußerte für die Kleinaktionäre die Hoffnung, "das Kapitel Streit zu schließen". Doch die Hoffnung währte nicht lang. Die Aktionäre müssen sich auf eine Nachtsitzung einstellen, denn allein Marcus' Anwalt Sebastian Freitag trug einen Katalog von 78 Fragen an den Vorstand vor. Er erneuerte außerdem die Vorwürfe der "Telefon-Affäre" und drohte, Gerichtsverfahren könnten das Unternehmen "paralysieren", sollte das Unternehmen nicht den Forderungen der Finanzinvestoren stattgeben.

Oldenburgs Oberbürgermeister Gerd Schwandner reagierte mit noch unversöhnlicherem Ton. "Das Spiel heißt Oldenburg gegen New York", sagte er - und schloss kämpferisch: "Oldenburg wird gewinnen!" Ein Aktionärsvertreter erhielt Jubel mit der Aufforderung an die Investoren: "Satteln Sie Ihre Pferde und reiten Sie nach Westen!"

"Er muss mich abschießen"

Lange schienen die Rollen klar verteilt zu sein. Hier der Vorstand eines deutschen Mittelständlers, der sein Unternehmen verteidigt; dort eine Reihe US-Finanzinvestoren, die mit der Rendite ihres Investments unzufrieden sind und jetzt Bares sehen wollen - eine Sonderdividende von fünf Euro, für die Cewe Color sich nach eigenen Angaben verschulden müsste. "Ich steh vor der Kasse", beschwor Vorstandschef Rolf Hollander gegenüber dem SPIEGEL den Zweikampf. "Er muss mich abschießen."

Vor dem Duell waren die Sympathien des Standorts Deutschland auf Hollanders Seite. Die Beschäftigten von Cewe Color demonstrierten gegen die "Heuschrecken" und erklärten ihre Solidarität mit dem Vorstand - obwohl der gleichzeitig das Fotolabor in Nürnberg schloss. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) rief die Kleinaktionäre zur Teilnahme an der Hauptversammlung auf, um den größten Fotoentwickler Europas, "ein niedersächsisches Vorzeigeunternehmen", zu schützen - mit Erfolg. 87 Prozent des stimmberechtigten Kapitals waren in der Arena anwesend.

Auf die Kleinaktionäre kam es an, weil die Mehrheit der Unterstützer des Managements nur knapp ist. Die Erbengemeinschaft des Unternehmensgründers Heinz Neumüller hält 27,1 Prozent der Anteile, die kürzlich mit 5,7 Prozent eingestiegene NordLB, die dänische Sparinvest Holding mit 4 Prozent und einige kleinere Investoren stehen ebenfalls zu Hollander.

Stelldichein der Hedgefonds

Stelldichein der Hedgefonds

Das Lager der Angreifer führt David Marcus aus New York mit seiner Gesellschaft Marcap an, die auf 10,3 Prozent kommt. Weitere mindestens 20 Prozent sind im Besitz anderer US-Investoren, darunter des berüchtigten Firmenjägers Guy Wyser-Pratte, die sich Marcaps Forderungen anschließen. Unterhalb der Meldeschwelle von 3 Prozent tummeln sich noch mehrere Hedgefonds, aber auch Verbündete des Managements.

Inzwischen hat aber auch das Management in der Öffentlichkeit Punkte verloren. Gut eine Woche vor der Hauptversammlung wurde die "Telefon-Affäre" publik. Hollander und Aufsichtsratschef Hubert Rothärmel hätten verabredet, den Aktienkurs mit einer Gewinnwarnung zu drücken, um die Finanzinvestoren zum Rückzug zu bewegen, lauten die Vorwürfe.

Nun kommt zum Kampf um die Stimmen der Aktionäre juristischer Streit hinzu. Das Unternehmen stellte Strafanzeige wegen Verletzung der "Vertraulichkeit des Worts" - ein mit den Hedgefonds verbundener Investmentbanker hatte das Gespräch angeblich mitgehört, weil Hollander und Rothärmel nach einer Telefonkonferenz vergaßen, den Hörer aufzulegen.

Die Vorwürfe hätten neue Dynamik in das Ringen um Stimmen gebracht, sagt Matthias Link, Sprecher von David Marcus. Er widerspricht aber dem Eindruck, die Information sei gezielt kurz vor der Hauptversammlung gestreut worden, um Stimmen zu gewinnen. "Das wäre wenig clever", sagt Link. Schließlich sei die Sache erst nach dem Record Day am 5. April, als die für die Hauptversammlung gültigen Stimmrechte erhoben wurden, publik geworden - zu spät, um weitere Mitstreiter zu gewinnen.

Schlammschlacht um die Kasse

Schlammschlacht um die Kasse

Die Investoren werfen dem Vorstand auch vor, dass er eigene Aktien des Unternehmens, die nicht stimmberechtigt sind, an die hauseigenen Pensionskasse verkauft hat. Das riecht nach Stimmenkauf, zumal die Kasse mit 43,50 Euro je Aktie einen recht hohen Preis zahlen musste. Wyser-Pratte ließ den Vorgang auch gleich juristisch prüfen. Der Vorstand bestreitet den Vorwurf allerdings.

"Im Blickpunkt sollte die sachliche Auseinandersetzung stehen", sagt trotz der Schlammschlacht Marcus-Sprecher Link. Die allerdings ist der wunde Punkt der Finanzinvestoren. Dem Unternehmen fiel es leicht, den Streit auf die geforderte Sonderdividende zu konzentrieren, die auch viele Analysten und Kleinaktionäre für unangebracht halten.

Die Extraausschüttung stand zwar gar nicht auf der Tagesordnung, Marcus hat sich aber auch nie davon distanziert. "Aus Sicht der Investoren braucht das Unternehmen die Kriegskasse nicht", sagt Link. Es gehe nicht darum, das Unternehmen zu plündern, sondern um "die Optimierung der Kapitalstruktur". Ein "gesunder Anteil Fremdkapital" bringe langfristig mehr für die Wertsteigerung des Unternehmens.

Marcus fordert, das Unternehmen strategisch auf das Geschäft mit digitalen Fotos zu konzentrieren. Das allerdings hat Cewe Color schon früher als die meisten Konkurrenten getan. Stolz verweist der Vorstand auf die Konkurrenten, die entweder in Konkurs gegangen, aus dem Geschäft mit Fotofinishing ausgestiegen sind oder Verlust schreiben. "Intellektuell schlecht vorbereitet" nannte Christoph Bruns, Fondsmanager der Vermögensverwaltung Loys, die auch an Cewe Color beteiligt ist, daher die Angriffe im Interview mit manager-magazin.de.

Die Hedgefonds beteuern, dass sie an einem langfristigen Engagement interessiert seien. Nach der Niederlage auf der Hauptversammlung sind ihre Chancen allerdings deutlich gesunken, Einfluss auf den Kurs des Unternehmens zu nehmen. Vor allem dank der Satzungsänderung, die für künftige Abstimmungen Dreiviertelmehrheiten verlangt, kann das Management sich für einige Jahre in Ruhe wähnen - es sei denn, die Front verlagert sich von den Aktionären zu den Gerichten. Marcus beließ es am Morgen nach der Niederlage bei einer knappen Mitteilung. Er bleibe bei seinen Forderungen, begrüße aber, dass mit Produktinnovationen bereits "die nötigen Entwicklungen eingeleitet" worden seien.

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