Pierer-Rücktritt "Das Ende der alten Siemens AG"

Nach dem Rücktritt von Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer sind Siemens-Aktien an der Börse wieder gefragt. Konzernchef Klaus Kleinfeld gewinne nun an Handlungsfreiheit, erklären Analysten gegenüber manager-magazin.de. Doch es gibt auch andere Gründe für die Kurszuwächse.

Hamburg - Der angekündigte Rücktritt Heinrich von Pierers als Siemens-Aufsichtsratschef ist an der Börse auf positive Resonanz gestoßen. Die Siemens-Aktie  legte etwa 4 Prozent auf rund 90 Euro zu. "Heinrich von Pierer hat im Aufsichtsrat den Weg frei gemacht für den weiteren Umbau des Konzerns", bewertet Dresdner-Bank-Analyst Stefan Schöppner den angekündigten Rücktritt des Aufsichtsratschefs.

"Jetzt ist Vorstandschef Klaus Kleinfeld völlig frei", fährt Schöppner fort, "ohne die Kontrolle Pierers als Wächter seines eigenen Erbes". Vor seinem Wechsel an die Spitze des Kontrollgremiums hatte von Pierer den Münchener Konzern mehr als zwölf Jahre lang selbst geführt. Seinen Rückzug beurteilt Schöppner als "das Ende der alten Siemens AG".

"Die Wahrscheinlichkeit ist gestiegen, dass die notwendigen Restrukturierungsmaßnahmen beschleunigt werden können", sagt auch Theo Kitz, Analyst bei der Privatbank Merck Finck. Allerdings seien die wichtigsten Sanierungsschritte ohnehin bereits getätigt. Offen seien beispielsweise noch der Verkauf des Bereichs Enterprise Networks sowie der Börsengang der Autozuliefersparte VDO.

Der Rücktritt von Pierers könne auch die Diskussion um schwarze Kassen und Schmiergelder beruhigen, erklärt Frank Rothauge. "Nun muss sich der Konzern nicht mehr so intensiv um Nebenkriegsschauplätze kümmern", sagt der Analyst der Privatbank Sal. Oppenheim gegenüber manager-magazin.de. "Das Management kann sich endlich wieder mit seinen eigentlichen Aufgaben beschäftigen". Mit der Ankündigung seines Abschieds habe von Pierer "eine Belastung vom Konzern genommen".

Allerdings weist Rothauge auch darauf hin, dass sich die Anleger bislang kaum für die Korruptionsaffäre interessiert hätten. Seit 15. November 2006, als die Polizei erstmals Siemens-Büros durchsuchte, ist die Aktie von rund 75 auf nunmehr rund 90 Euro gestiegen. Die Märkte richten ihren Blick laut Rothauge vor allem darauf, ob Siemens seine Margenziele erfüllen könne. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" hatte gestern in ihrer Online-Ausgabe ohne Nennung von Quellen berichtet, der Siemens-Konzern habe seine ehrgeizigen Gewinnziele im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2006/2007 (30.September) erstmals erreicht. Offiziell verkündet Siemens seine aktuellen Halbjahreszahlen am Donnerstag, 26. April.

Auch Aktionärsschützer haben den Rücktritt von Pierers begrüßt. "Das ist der richtige Schritt. Das nimmt jetzt viel Feuer aus dem Geschehen", sagte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) der Nachrichtenagentur dpa. Für von Pierer sei die Entwicklung tragisch. "Das darf jetzt nicht dazu führen, dass man ihn vorverurteilt." Es sei aber höchste Zeit gewesen, dass er die politische Verantwortung übernimmt. Nun habe der Konzern die Chance für einen Neuanfang. Pierer hatte in der Nacht die Konsequenzen aus der Schmiergeldaffäre bei Deutschlands größtem Elektrokonzern gezogen und seinen Rücktritt angekündigt.

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