Wirtschaftsforscher "Steuersenkungen fördern Wachstum"

Der kräftige Aufschwung in Deutschland setzt sich laut Frühjahrsgutachten fort. Die Wirtschaftsforscher mahnten Politik und Tarifpartner, den Schwung nicht zu bremsen - und empfehlen Steuersenkungen, um Wachstum und Beschäftigung zu sichern.

Berlin - Die Wirtschaftsforscher mahnten eindringlich zu moderaten Lohnabschlüssen. Andernfalls werde der Abbau der Arbeitslosigkeit gebremst. Die Forscher sagten für dieses und das nächste Jahr Wachstumsraten von je 2,4 Prozent voraus nach 2,7 Prozent 2006. Sie warnten die Politik davor, angesichts der guten Konjunktur im Reformwillen nachzulassen.

Die Wirtschaft warnte vor zu viel Euphorie. Der gegenwärtige Aufschwung sei "noch kein Selbstläufer", erklärten BDI und BDA. Die beiden Spitzenverbände von Industrie und Arbeitgebern mahnten zu mutigeren Reformen und warnten vor zu hohen Lohnabschlüssen.

"Für die deutsche Wirtschaft haben sich die Schleier gelichtet. Es ist jetzt klar, der Aufschwung hat sich gefestigt", sagte Udo Ludwig vom Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). Zentraler Faktor für die unerwartet starke Belebung und die Besserung am Arbeitsmarkt sei die moderate Lohnpolitik.

Nach der neuen Vorhersage der Forscher wird die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr sogar stärker wachsen als die der USA, für die nur ein Plus von 2,3 Prozent erwartet wird. Besonders deutlich sollte die Zahl der Arbeitslosen in diesem Jahr sinken.

Weniger als 4 Millionen Arbeitslose

Sie werde um 700.000 auf unter 3,8 Millionen und dann im nächsten Jahr auf unter 3,5 Millionen zurückgehen. Dass sich der Abbau 2008 verlangsamt, schreiben die Forscher den dann wohl stärker wachsenden Löhnen zu.

Von der Tarifpolitik werde damit kein Impuls für mehr Beschäftigung ausgehen. "Von daher deuten sich Bremsen an, was den Abbau der Arbeitslosigkeit anbetrifft", erläuterte Ludwig. Die Marke von drei Millionen Arbeitslosen werde bis Ende 2008 nicht durchstoßen.

Keine neuen Schulden - weniger Steuern

Defizitquote bald auf Null?

Der starke Aufschwung wird dem Staat erheblich mehr Steuern in die Kassen spülen, sagten die Forscher voraus. Dadurch dürfte die Defizitquote auf Null sinken. Damit wäre der Staatshaushalt erstmals seit vielen Jahren wieder ausgeglichen.

Theoretisch könnte dann der Abbau der 1,5 Billionen Euro Staatsschulden starten. Dennoch müsse der Sparkurs fortgeführt werden, forderten die Institute. Die Gesundung der Staatsfinanzen sei zentrale Voraussetzung für alle sonst noch erforderlichen Reformen.

Von der Politik forderten die Institute, nicht von ihren Reformanstrengungen abzulassen. So bedürfe es mittelfristig einer Senkung der Lohn- und Einkommensteuer, um Wachstum und Beschäftigung zu fördern.

"Steuersenkungen fördern Wachstum und Beschäftigung"

Auch weitere Reformen am Arbeitsmarkt seien notwendig. Der falsche Weg seien Mindestlöhne, die Arbeitsplätze eher vernichteten. An der für 2008 geplanten Unternehmenssteuerreform ließen die Institute kaum ein gutes Haar. Sie gebe kaum Wachstumsimpulse, schade den Firmen zum Teil und bremse mit Abschreibungsverschlechterungen Investitionen. Das Steuersystem bleibe intransparent.

Bei den Leitzinsen in der Euro-Zone, die maßgeblich für die Finanzierung der Unternehmen und der öffentlichen Haushalte sind, erwarten die Forscher keine negativen Überraschungen. Wie die Finanzmärkte rechnen sie mit einer Anhebung des Zinses von derzeit 3,75 auf vier Prozent im Frühsommer. Allerdings gebe es Risiken, die zu weiteren Zinsschritten führen könnten. Das betreffe vor allem zu starke Lohnerhöhungen mit der Gefahr eines größeren Preisauftriebs.

manager-magazin.de mit reuters und ap

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