China Wachstum erschreckt Börsianer

Die chinesische Wirtschaft ist im ersten Quartal um 11 Prozent gewachsen: Beobachter fürchten, dass die Konjunktur im Boomland trotz steigender Zinsen überhitzt. Der Einbruch der Börsen in Shanghai und Peking belastet am Donnerstag auch Dow Jones und Dax.

Peking - Die wichtigsten Indizes in China haben am Donnerstag jeweils um fast fünf Prozent verloren. Es sei der größte Abschwung seit sieben Wochen, wie die "Shanghai Daily" berichtete. Ende Februar hatte ein Einbruch in Schanghai um fast neun Prozent weltweit die Börsenkurse mit sich gerissen.

Der Shanghai Composite Index verlor 4,5 Prozent, der Shenzhen Composite Index der kleineren Festlandsbörse in Chinas Süden verlor sogar 4,9 Prozent. Der Shanghai Composite hat innerhalb der vergangenen 12 Monate mehr als 100 Prozent zugelegt.

Die schwachen Vorgaben aus Asien belasteten auch den Dax  sowie die Börsen in Übersee. Der deutsche Leitindex verlor bis zur Eröffnung der Wall Street 1,2 Prozent.

Der US-Index Dow Jones  startete ebenfalls mit Abschlägen in den Handel, nachdem er am Vortag noch ein Rekordhoch erreicht hatte. Der Dow Jones gab zum Start 0,5 Prozent nach, der Technologieindex Nasdaq Composite  um 0,9 Prozent.

Überhitzung: Bremsversuche aus Peking bislang erfolglos

Grund für die starken Kursverluste seien Ängste der Anleger vor einer Überhitzung der chinesischen Wirtschaft. Die Regierung sowie die Notenbank hatten in der Vergangenheit mehrmals versucht, durch Zinserhöhungen gegenzusteuern: Bislang erfolglos. Weitere Zinserhöhungen durch die chinesische Zentralbank seien wahrscheinlich, hieß es.

Der Zuwachs von 11 Prozent wäre noch deutlich höher ausgefallen, hätte die Regierung in den vergangenen Monaten nicht massiv auf die Bremse getreten. Mit solchen Zuwachsraten bleibt China auf Kurs, bereits im nächsten Jahr Deutschland als drittgrößte Volkswirtschaft der Welt abzulösen. Das Wachstum im ersten Quartal stellt eine weitere Beschleunigung gegenüber den 10,4 Prozent Ende 2006 dar.

Aufwertung des Yuan gefordert

Aufwertung des Yuan gefordert

Der vor allem auf den Exporten und Auslandsinvestitionen basierende Boom der chinesischen Wirtschaft hält damit seit Jahren unvermindert an. Seit 1978 ist das BIP im Schnitt um 9,8 Prozent pro Jahr gewachsen. Die USA und andere Handelspartner drängen China deshalb mit Nachdruck dazu, den künstlich niedrig gehaltenen Kurs der Landeswährung Yuan völlig freizugeben, um das Exportwachstum zu bremsen.

Der rapide Aufschwung bereitet der kommunistischen Regierung zunehmend Kopfzerbrechen. Denn mit ihm einher gehen kräftige Preissteigerungen, was in der Bevölkerung immer stärkeren Unmut auslöst. So stieg die Jahresteuerung im März erstmals seit zwei Jahren über drei Prozent und zwar auf 3,3 Prozent.

An den Märkten wird daher schon bald fest mit weiteren Zinserhöhungen der Zentralbank gerechnet, um das Wachstum und die Inflation abzubremsen. In diesem Jahr hat sie dies bereits einmal getan nach mehreren Anhebungen 2006 und zudem die Mindestreservepflicht für die Banken drei Mal verschärft, womit sie dem Wirtschaftskreislauf ebenfalls Geld entzog.

Regierungschef Wen äußert sich besorgt

Regierungschef Wen äußerte sich nach Vorlage der Zahlen besorgt über Gefahren für die Wirtschaft. In einer im Internet veröffentlichten Erklärung des Ministerpräsidenten hieß es, das Wachstum der Kredite und der Geldmenge sei zu stark. Seine Regierung werde daher alles tun, um die Preise stabil zu halten und ein abruptes Abwürgen des Aufschwungs zu verhindern.

Der Vize-Gouverneur der chinesischen Notenbank forderte , Investmentfonds sollten auch verstärkt Rentenpapiere und andere festverzinsliche Papiere in ihr Portfolio aufnehmen. Eine Konzentration auf Aktien berge Risiken, warnte Wu Xiaoling. Investmentfons in China halten derzeit Anlagen im Wert von rund 130 Milliarden Dollar, nachdem sie vor Jahren noch praktisch am Aktienmarkt nicht präsent waren.

manager-magazin.de mit dpa

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