Immobilien-AG Reits dürfen in den Dax

Entgegen ihrer ursprünglichen Absicht will die Deutsche Börse börsennotierten Immobilienaktiengesellschaften (Reits) die Aufnahme in einen der großen Aktien-Auswahlindizes wie Dax oder MDax nicht mehr verwehren. Doppelnotierungen eines Reit sind möglich.

Hamburg - Die Deutsche Börse wird zwar wie angekündigt ein eigenes Marktsegment für diese neue Anlageklasse einführen und zwei eigenständige Indizes dafür berechnen. Erfüllten Reits aber die Aufnahmekriterien für einen Aktien-Auswahlindex, dann könnten sie auch in Dax , MDax  oder SDax  notiert sein, sagte Sprecher Frank Herkenhoff am Dienstag auf Anfrage von manager-magazin.de.

"Es kann damit durchaus zu einer Doppelnotierung eines Reit in einem Aktienauswahlindex und einem der beiden Reits-Inidizes kommen."

Forderungen aus der Immobilienwirtschaft, Reits den Zugang zu den Aktien-Auswahlindizes nicht zu versperren, weil sich viele Investoren bei ihrer Anlageentscheidung eben an den etablierten Dax-Indizes orientierten, hatte die Deutsche Börse  in der Vergangenheit immer wieder zurückgewiesen. Reits seien aufgrund ihrer steuerlichen Sonderbehandlung, ihrer geringen Volatilität und der geringen Korrelation zu anderen Anlageklassen bis hin zu Kurs-Gewinn-Verhältnissen eine gänzlich eigenständige Anlageklasse, begründete die Börse seinerzeit ihre Entscheidung.

Streit um Immobilien-Schlagseite im MDax

Und noch ein Argument hatte die Deutsche Börse Ende vergangenen Jahres im Gespräch mit manager-magazin.de gegen eine mögliche Aufnahme der Reits in einen der Aktien-Auswahlindizes geltend gemacht: Angesichts der zu erwartenden Emissionsvolumina und Marktkapitalisierungen der börsennotierten Reits könnte etwa der MDax schnell eine "Immobilien-Schlagseite" bekommen. Reits würden dann andere Branchen aus dem Index verdrängen, was aber nicht gewünscht sei.

Diese Gefahr scheint gegenwärtig so nicht mehr zu bestehen, wie jüngste Simulationsrechnungen der Deutschen Börse ergeben hätten. Denn nachdem der Gesetzgeber beschlossen hat, dass erst nach dem 1. Januar errichtete deutsche Wohnimmobilien in einen Reit eingebracht werden dürfen, werde sich nach Schätzungen der Deutschen Börse das Volumen der deutschen Reits um bis zu ein Drittel verringern.

"Entscheiden alle drei Monate neu"

Die mögliche Zugehörigkeit eines Reit zu Dax und Co. ist allerdings nicht in Stein gemeißelt. "Wir werden die Entwicklung ständig beobachten und alle drei Monate neu entscheiden", erklärte der Sprecher weiter. Dies bedeutet im Klartext: Ein im SDax notierter Reit muss unter Umständen den Aktien-Auswahlindex wieder verlassen und fände sich dann ausschließlich in einem der beiden Reits-Indizes wieder.

Dies könnte zum Beispiel dann der Fall sein, sollte das Segment sehr viel schneller wachsen als erwartet, womöglich auch weil der Gesetzgeber zu einem späteren Zeitpunkt Wohnimmobilien nun doch noch zulassen sollte.

Auswahlindex "RX" für die 20 größten Fonds

Die beiden Indizes für das Reits-Segment werden, wie manager-magazin.de bereits berichtete, aus einem Auswahlindex "RX" und einem marktbreiteren All-Share-Index bestehen. Letzterer erstrecke sich nach Angaben der Deutschen Börse auf alle Reits des Prime Standard und des General Standard und wird sowohl deutschen als auch ausländischen Reits offenstehen. Der Auswahlindex "RX" werde die 20 größten und liquidesten Fonds ausschließlich aus dem Prime Standard enthalten, konkretisierte der Sprecher der Deutschen Börse.

Immobilienwirtschaft reagiert positiv

Erste Reaktionen aus der Immobilienwirtschaft auf die nun getroffene Regelung waren positiv. "Wir begrüßen das sehr", sagte Eckart John von Freyend, Vorsitzender des Zentralen Immobilien Ausschusses (ZIA), auf Anfrage von manager-magazin.de am Dienstag. Es sei eine gute Entscheidung der Deutschen Börse, ihren ursprünglichen Plan zurückzunehmen. Denn einen expliziten Ausschluss von Reits aus Börsenindizes gebe es nirgends. So seien Reits in den USA etwa zum S&P-500-Index zugelassen. Auch in Frankreich und Holland hätte man mit Reits in Aktienindizes gute Erfahrungen gemacht.

Eurohypo-Chef Bernd Knobloch, einer der schärfsten Kritiker der ursprünglichen Pläne der Deutschen Börse, sprach am Dienstag von einer "Kehrtwende" der Deutschen Börse. "Mit der Entscheidung wird sicher gestellt, dass deutsche Reits im internationalen Wettbewerb nicht benachteiligt werden", sagte Knobloch.