Telekom-Prozess Geduldsprobe für Anleger

16.000 Anleger klagen gegen die Telekom, weil sie sich von dem Konzern betrogen fühlen. Nun wird ein zweites Musterverfahren eröffnet. Das dürfte den Prozess weiter verlängern. Klägeranwalt Tilp hält der Telekom eine Verzögerungstaktik vor.

Frankfurt am Main - Der Mammutprozess tausender Kleinaktionäre gegen die Deutsche Telekom wird wieder komplexer. Statt nur eines einzigen Musterverfahrens, wie von den Anwälten der Kläger erhofft, gibt es nun bereits zwei solcher Klagen. Das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt bestätigte eine entsprechende Meldung der Kanzlei Tilp Rechtsanwälte am Montag.

In dem seit Jahren andauernden Prozess werfen rund 16.000 Aktionäre der Telekom vor, in den Prospekten zu ihrem Börsengang von 1996 und den Aktienemissionen der Jahre 1999 und 2000 unrichtige Angaben gemacht und so den Wert des Unternehmens falsch dargestellt zu haben. Angesichts der späteren deutlichen Kursverluste der T-Aktie  fühlen sich die Anleger hinters Licht geführt. Sie pochen auf Schadensersatz.

Die neue Musterklage bezieht sich den Angaben zufolge auf die zweite Aktienemission vom März 1999. Der vom Oberlandesgericht bestimmte Musterkläger hat damals eine größere Menge T-Aktien erworben und in der Folge nach Angaben seiner Anwälte einen hohen sechsstelligen Verlust erlitten. Bei dem seit neun Monaten anhängigen ersten Musterverfahren geht es um die Drittemission des Konzerns aus dem Jahre 2000. Die Kläger in beiden Verfahren werden von Tilp vertreten.

Anhand der beiden Fälle soll das OLG zentrale Rechtsfragen vorab klären, bevor der eigentliche, seit November 2004 laufende Prozess in erster Instanz beim Landgericht Frankfurt fortgesetzt wird. Dort liegen rund 2500 Klagen von zusammen rund 17.000 Aktionären, die von der Telekom Schadenersatz für erlittene Kursverluste verlangen. Zentraler Vorwurf ist die Falschbewertung des Immobilienvermögens. Die Klagen sollen nach dem neuen Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetz (KapMuG) zusammengeführt werden.

Ein Termin für die erste Verhandlung beim OLG sei aber noch nicht absehbar, sagte ein Gerichtssprecher am Montag. Derzeit streiten sich die Anwälte um die Frage, ob jede Klage vor ihrer Aussetzung einzeln geprüft werden muss. Die Tilp-Anwälte warfen der Telekom vor, das Gericht mit der Forderung nach Einzelprüfungen absichtlich lahm zu legen. "Zudem sorgt sie mit ihren fortlaufend eingebrachten Ergänzungsanträgen zu den Vorlagenbeschlüssen des Landgerichts Frankfurt für ein Ping-Pong-Spiel zwischen Landgericht und Oberlandesgericht", so Tilp. Die Telekom wollte sich dazu zunächst nicht äußern.

Als problematisch am KapMuG gilt, dass die übrigen Kläger der Musterklage als "Beigeladene" beitreten oder aber ihre Ansprüche fallen lassen müssen. Klagen sie weiter, tragen sie steigende Kostenrisiken mit, zum Beispiel für aufwendige Gutachten.

manager-magazin.de mit Material von dow jones und dpa-afx