Euro Auf Rekordfahrt

Europas Gemeinschaftswährung stellt den Dollar derzeit in den Schatten. Der Euro hat ein Zweijahreshoch gegenüber Amerikas Währung erreicht, bald schon könnte er sein bisheriges Rekordniveau erreichen. Das bekommt der deutschen Exportwirtschaft zwar schlecht. Noch aber bleiben die Exporteure gelassen.

Frankfurt am Main - Der Euro ist der Star an den Finanzmärkten. Europas Gemeinschaftswährung ist heute mit einem Kurs von mehr als 1,35 Dollar so teuer, wie seit zwei Jahren nicht mehr. Jetzt trauen Ökonomen dem Euro sogar zu, dass er in den nächsten Tagen sein historisches Rekordhoch von 1,3666 vom Dezember 2004 übertrifft. Mehr noch: Auch gegenüber anderen wichtigen Währungen zeigt der Euro Stärke. In den vergangenen Tagen mussten für einen Euro beispielsweise 160 japanische Yen gezahlt werden, so viel wie nie zuvor.

Im Gegensatz zu früheren Höhenflügen bleiben die Klagen aus Politik und Wirtschaft über Nachteile für die Exportwirtschaft aber aus. Denn nach Expertenansicht haben sich die deutschen Exporteure bereits auf Kurse von 1,40 Dollar eingestellt und gegen Währungsrisiken abgesichert. "Die Aufwärtsbewegung erfolgt kontinuierlich und nicht in Sprüngen", sagt der Währungsexperte der BHF-Bank, Stephan Rieke. "Das lässt den Unternehmen Zeit, sich darauf einzustellen."

Das allerdings ist auch nötig. Denn der starke Euro verteuert Waren in Ländern, in denen in Dollar abgerechnet wird, und mindert die deutsche Wettbewerbsfähigkeit - wenn auch in Maßen. Schließlich steht die Industrie nach Jahren mit geringen Lohnsteigerungen und Kosteneinsparungen gut da. "Wir können einen starken Euro gut verkraften", sagt der Chefvolkswirt des Deutschen Maschinenbauverbands VDMA, Ralph Wiechers. "Die Aufwertung tut schon weh, aber die gute Konjunktur gleicht das aus." Die Maschinenbauer, die sieben von zehn Maschinen ins Ausland verkaufen, profitierten von neuen Märkten wie Indien, Osteuropa und den Ölländern.

Zwei Gründe haben den Euro seit Jahresbeginn von einem Kurs von 1,32 Dollar auf seine Reise in Richtung Rekordhoch geschickt: In Europa läuft die Konjunktur - trotz der Mehrwertsteuererhöhung in Deutschland - unerwartet gut, während die Entwicklung in den USA ungewiss ist. Die Erwartungen reichen von einem langsamen Abflauen bis zu einer "harten Landung", die in eine Rezession münden könnte. Das macht den Dollar für internationale Investoren weniger attraktiv, während Anlagen im Euro-Raum beliebter werden.

Darüber hinaus weitet sich die Zinsdifferenz zwischen dem Euro-Raum und den USA. Während die US-Notenbank Fed wegen der Abkühlung der Konjunktur an eine Senkung des Zinsniveaus von derzeit 5,25 Prozent denkt, hat die Europäische Zentralbank (EZB) im März die Zinsen auf 3,5 Prozent erhöht. Am Donnerstag schickte die EZB den Euro Richtung Rekordhoch, als sie einen Zinsschritt für Juni andeutete. Dadurch schrumpft der Zinsunterschied zwischen Europa und den USA.

Die Kursentwicklung sieht EZB-Präsident Jean-Claude Trichet gelassen: "Starke Kursschwankungen sind unerwünscht", wiederholte Trichet eine Standardformulierung. Ebenso zurückhaltend werden wohl auch die sieben mächtigsten Finanzminister und Notenbankchefs (G7) auf ihrem Treffen an diesem Wochenende in Washington bleiben.

manager-magazin.de mit Material von dpa