WestLB Vorzugsaktien bevorzugt

Bei der WestLB stehen Aktienhändler offenbar unter dem Verdacht, jahrelang die Kurse ausgewählter Aktien künstlich beeinflusst zu haben. Unter dem Strich scheint ein dicker Verlust mit den Geschäften aufgelaufen zu sein. Jetzt ermittelt die BaFin.

Düsseldorf - Die Westedeutsche Landesbank (WestLB) hat ein Problem mit ihrem Aktiengeschäft. Händler, die auf eigene Rechnung des Geldhauses Aktien und andere Wertpapiere gehandelt haben, hielten sich offenbar nicht an die gängigen Börsenregeln. Das Ergebnis: Ein möglicher Verlust von 100 Millionen Euro, wird am Hauptsitz der Bank in Düsseldorf spekuliert.

Angeblich hätten sich die Börsenprofis der Bank für ihre Geschäfte gezielt Aktien jener deutschen Firmen ausgesucht, deren Titel nicht nur im Frankfurter Aktienleitindex Dax notiert sind. Sie hätten Ihre Kauf- und Verkauforders darüber hinaus gezielt für jene Titel der Unternehmen BMW , Metro  und Volkswagen  eingesetzt, in denen traditionell vergleichsweise geringer Handel aufkomme - und große Orders deshalb zu besonders deutlichen Kursausschlägen der Wertpapiere führen können.

Das trifft beispielsweise auf die Vorzugsaktien dieser Firmen zu. Denn die sind speziell bei ausländischen Investoren weniger beliebt als die klassischen Stammaktien, kaufen Investoren mit ihnen doch Anteilsscheine ohne Stimmrecht. Zum Ausgleich erhalten die Besitzer solcher Vorzugsaktien beispielsweise meist eine höhere Dividende.

Nach Angaben aus Händlerkreisen seien bei solchen Titeln der Firmen BMW, Metro und Volkswagen den vergangenen Monaten immer wieder auffällige Ausschläge festzustellen gewesen. Kurz vor Ende des elektronischen Xetra-Handels seien sowohl die Kurse der Papiere plötzlich in ungewöhnlichem Maße gestiegen oder gefallen, aber auch die Menge der gehandelten Aktien sei auf einen Schlag kräftig angeschwollen.

Spekuliert wird nun, dass die mittlerweile entlassenen WestLB-Händler womöglich zu diesen Auffälligkeiten beigetragen hätten - beispielsweise, indem sie kurz vor Ende der Xetra-Auktion größere Orders platzierten. Das wäre nicht zu beanstanden. Anders aber sähe es aus, wenn hinter diesen Orders gar keine echte Nachfrage nach den Wertpapieren gestanden habe, sondern die Händler nur untereinander handelten - etwa mit den Beständen der Bank in Düsseldorf gegen Filialen des eigenen Unternehmens außerhalb der Bundesrepublik, etwa mit einer Tochtergesellschaft im Steuerparadies der Cayman Islands.

Bei den so erzielten Gewinnen hätte es sich dann überwiegend um Scheinerträge gehandelt, hieß es weiter. Die durch die Geschäfte aufgebauten Positionen seien zum größten Teil noch vorhanden. Müssten sie aufgelöst werden, werde ein tatsächlicher Verlust sichtbar. Über dessen Höhe gibt es allerdings aktuell unterschiedliche Angaben.

Die "Financial Times Deutschland" schätzt den Rückstellungsbedarf auf 300 Millionen Euro. Das aber bestreitet die Führung der Bank. "Es gibt keinen aktuellen oder absehbaren Rückstellungsbedarf von 300 Millionen Euro oder auch nur annähernd in dieser Höhe", sagte ein WestLB-Sprecher heute in Düsseldorf. Eine Sprecherin der Aufsichtsbehörde BaFin ergänzte: "Wir werden den Fall unter allen aufsichtsrelevanten Gesichtspunkten untersuchen und ihn aufklären."

Die WestLB erstattete unterdessen Strafanzeige gegen zwei frühere Mitarbeiter und gegen unbekannt, unter anderem wegen möglicher Verstöße gegen das Wertpapierhandelsgesetz. Die beiden Mitarbeiter sind den Angaben zufolge der Bereichsvorstand und der Managing Director, die beide am Montag vergangener Woche entlassen worden waren.

manager-magazin.de mit Material von reuters