Hauptversammlung Pumas Preisfrage

Die Aktionäre des Sportartikel- und Modekonzerns Puma haben das Übernahmeangebot der Luxusholding Pinault-Printemps-Redoute während der Hauptversammlung als zu niedrig kritisiert. Am Donnerstag werden PPR-Chef Pinault sowie Puma-Chef Jochen Zeitz über die geplante Übernahme informieren.

Nürnberg/Paris - Der Chef des französischen Luxusgüterkonzerns PPR , François-Henri Pinault, will am Donnerstag über die geplante Übernahme des Herzogenauracher Sportartikelherstellers Puma  informieren. PPR hat bereits 27,1 Prozent der Anteile erworben und bietet den übrigen Aktionären 330 Euro je Aktie an. Puma-Chef Jochen Zeitz, der ebenfalls an der Pressekonferenz teilnimmt, hat sich für die Annahme des Angebots ausgesprochen.

Auf der Hauptversammlung am Mittwoch hatten viele Anteilseigner die Offerte von PPR als zu niedrig kritisiert - der Aktienkurs ist unterdessen weiter gestiegen. "Wenn Sie von einem fairen Preis sprechen, dann frage ich mich nur - fair für wen?", monierte ein Puma-Aktionär, der darauf verwies, dass immerhin 70 Prozent der Aktien im Streubesitz sind. Angesichts eines um 20 Euro höheren aktuellen Kurses forderten verschiedene Anteilseigner einen deutlichen Aufschlag zu den gebotenen 330 Euro.

Am zweithäufigsten tauchte in den Beiträgen der Aktionäre im sogenannten Puma Brand Center in Nürnberg die Frage auf, was PPR mit Puma konkret plane. "Will PPR überhaupt alle Puma-Aktien haben?", wollte ein Anleger wissen - eine präzise Antwort blieb Puma-Chef Jochen Zeitz schuldig.

Allerdings zeigt der Plan von Puma und PPR, drei Vertreter des bisherigen Aktionärs Mayfair im sechsköpfigen Aufsichtsrat gegen PPR-Manager auszuwechseln, recht deutlich, dass künftig von einer beherrschenden Rolle der Franzosen ausgegangen wird.

Puma-Primus Zeitz hatte zuvor allerdings nicht ausgeschlossen, dass der französische Luxusgüterkonzern seine Offerte für den fränkischen Sportartikelhersteller erhöht. Die Frage, ob das Angebot über 330 Euro je Puma-Aktie nachgebessert werde, müsse PPR beantworten, sagte Zeitz der ARD im Vorfeld des Aktionärstreffens. "Grundsätzlich geht man hier davon aus, dass der Preis steht, aber man wird sehen."

Zeitz, der die geplante Übernahme ausdrücklich begrüßte, sieht durch Kaufinteressent PPR keine Jobs in Deutschland in Gefahr. Im Gegenteil, sagte Zeitz: "Wir wollen weiter wachsen, weiter Arbeitsplätze schaffen". Der Chef des weltweit drittgrößten Sportartikelherstellers betonte während seiner 20-minütigen Rede, PPR sei dazu ein idealer Partner, da Sport immer modischer werde und die Mode immer sportlicher. Der französische Konzern, zu dem Luxusmarken wie Yves Saint Laurent und Gucci gehören, hatte am Dienstag rund 5,5 Milliarden Euro für Puma geboten.

Während der HV verteidigte Zeitz, der am Rednerpult kaum einmal emotional reagierte sondern kühl referierte, den gebotenen Preis: "Der Puma-Vorstand ist einstimmig der Überzeugung, dass das angekündigte freiwillige Übernahmeangebot von 330 Euro je Aktie fair ist." Auf Basis einer vorläufigen Fairness Opinion, die von Lehman Brothers erstellt wurde, und vorbehaltlich einer Prüfung der Angebotsunterlagen werde der Vorstand den Puma-Aktionären das unterbreitete Angebot empfehlen. Nun liege es an den Aktionären, ihre individuelle Meinung zu dem Deal zu finden. Die im MDax  gelistete Puma-Aktie  notierte gegen 14.00 Uhr bei 350,10 Euro mit 1,79 Prozent im Plus.

Zudem erklärte der Puma-Chef, dass es bereits einen Letter of Intent (Absichtserklärung) gebe, in dem PPR Puma auch rechtlich ein hohes Maß an Unabhängigkeit garantiere, und dass kein Arbeitsplatzabbau erfolgen solle.

Zeitz schließt "Kannibalisierung" aus

Zeitz sieht die Ausrichtung des Unternehmens in die Bereiche Sport und Mode nach einer PPR-Übernahme nicht gefährdet. "Ich fürchte überhaupt nicht, dass der Sport nun ins Hintertreffen geraten könnte", sagte er der Nachrichtenagentur dpa am Rande der HV. Puma werde weiterhin in die "sportliche Kompetenz" investieren. Dafür rechne er ebenfalls mit der Unterstützung durch PPR. Es werde keine "Kannibalisierung" geben.

Der Puma-Vorstand habe sich auch deshalb klar für das Angebot von PPR ausgesprochen, "weil es uns eine gewisse Unabhängigkeit zusichert, auch was die Firmenzentralen, was die Mitarbeiter insgesamt anbelangt", sagte Zeitz. Er nannte die Wahrscheinlichkeit relativ gering, dass andere Unternehmen noch in einen Bieterwettbewerb einsteigen könnten.

Zeitz betonte, dass Puma seinen von zweistelligen Zuwachsraten geprägten Wachstumskurs weiter fortsetzen wolle. Im vergangenen Jahr habe Puma weltweit 2650 neue Arbeitsplätze geschaffen und beschäftige knapp 7800 Mitarbeiter. In Deutschland sei die Mitarbeiterzahl von 836 auf 992 gestiegen. Puma steigerte im vergangenen Jahr seinen Umsatz um 34 Prozent auf knapp 2,4 Milliarden Euro und machte 236,2 Millionen Euro Gewinn.

Analysten gespalten über Kurspotenzial

Analysten gespalten über Kurspotenzial

Belastet von negativen Analystenkommentaren haben die Aktien von PPR  am Mittwoch verloren. Die Titel fielen nach den hohen Gewinnen vom Vortag bis 14.00 Uhr um 0,6 Prozent auf 130,91 Euro. Der französische Leitindex CAC 40  stieg bis zum Mittag um rund 0,5 Prozent auf 5793 Punkte.

Neben den hohen Vortagesgewinnen verwiesen Händler auf kritische Analystenkommentare, die das Papier von PPR bremsten. So haben die Experten von J. P. Morgan die Aktie von "Overweight" auf "Neutral" gesenkt. Auch die Analysten von SG Securities stuften das Papier von "Buy" auf "Hold" ab. Goldman Sachs  nahm Puma und PPR von seiner "Buy-List" mit Topanlageempfehlungen - ein Hinweis darauf, dass die Fantasie aus den Kursen heraus sein könnte, oder das Risiko eines geplatzten Deals von den Analysten als zu hoch eingeschätzt wird.

Warten auf den nächsten Bieter

Die Citigroup  hat die PPR-Aktie dagegen mit "Buy" und einem Kursziel von 146 Euro bestätigt. Die Übernahme einer starken Lifestyle-Marke wie Puma sei eine solide Alternative zu einer potenziell verwässernden Akquisition einer Luxusmarke und würde die Gewinne von PPR schon im ersten Jahr verbessern, schrieb Analystin Constanza Mardones in einer Studie vom Mittwoch.

Auch BNP Paribas  ist zuversichtlich und nimmt die Puma-Aktie am Mittwoch mit einem Kursziel von 394 Euro ("Outperform") erstmals in die Bewertung auf.

Sal. Oppenheim hat die Aktien mit "Strong Buy" und einem fairen Wert auf eigenständiger Basis von 365 Euro bestätigt. Eine Anhebung des Kaufpreises oder ein weiterer Bieter seien möglich, schreibt Analyst Jörg Frey in einer Studie vom Mittwoch.

Aktionär Atlantic fordert 400 Euro pro Aktie

Independent Research hat das Kursziel von 330 auf 400 Euro angehoben. Die Offerte dürfte noch um eine Übernahmeprämie von 20 Prozent erhöht werden, schrieb Analyst Zafer Rüzgar in einer Studie vom Mittwoch. Rüzgar zufolge werde der Sportartikelhersteller von der Übernahme profitieren. Insbesondere hinsichtlich der regionalen Ergänzung und der guten Marktposition von PPR im Premium-Segment sei mit Vorteilen für Puma zu rechnen. Das Votum lautet weiterhin "Kaufen".

Das aktuelle PPR-Gebot sei eine Einladung, um auf eine Aufstockung der Offerte zu spekulieren. Zu diesem Preis werden nach Ansicht des Analysten nur wenige Puma-Aktionäre ihre Anteile verkaufen. Deshalb müsse sich PPR entweder von ihrem Plan, den deutschen Sportartikelhersteller vollständig zu konsolidieren, verabschieden oder das Angebot erhöhen.

Viele Analysten rechnen jedoch damit, dass PPR bei der geplanten Übernahme noch mehr zahlen muss. Zudem hat der mit einem Anteil von 0,87 Prozent drittgrößte Puma-Aktionär Atlantic Investment erklärt, dass PPR es sich leisten könne, bis zu 400 Euro je Aktie zu zahlen. Dies sei der faire Preis.

manager-magazin.de mit Material von ap, dpa, reuters und vwd

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