Puma-Übernahme Franken ist nicht Frankreich

Die Börse feiert die angekündigte Übernahme mit satten Kurszuwächsen. Doch wie gut passt Puma wirklich zum Luxusimperium des französischen PPR-Konzerns? Muss die Kaufofferte noch nachgebessert werden? Und was wird aus Puma-Chef Jochen Zeitz? manager-magazin.de hat Analysten nach ihrer Einschätzung befragt.

Hamburg - Noch dürfte es wohl ein wenig dauern, bis in den Shops der luxuriösen Einkaufsmeilen dieser Welt das schnittige Puma-Täschchen neben dem sündhaft teuren Prêt-à-Porter-Kleidchen von Gucci zu finden sein wird. Und so recht mag es auf den ersten Blick auch nicht einleuchten, dass der Luxusmarkenkonzern Pinault-Printemps-Redoute  (PPR), der unter seinem Dach ebenso die Nobelmarke Yves Saint Laurent beherbergt, nun auch nach dem Sportartikelhersteller Puma  greift.

Doch derlei Einschätzung dürfte eher dem Blick des hartnäckigen Modemuffels geschuldet sein. Denn schon längst haben Spitzendesigner aus der französischen Metropole Paris auch für das fränkische Unternehmen in Herzogenaurach gearbeitet. Und dass Puma und Pinault-Printemps-Redoute durchaus eine gemeinsame Zukunft haben könnten, da besteht unter Analysten kein Zweifel.

"PPR und Puma passen von der Ausrichtung prinzipiell zusammen", sagt Analyst Tim Burkhardt von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) am Dienstag im Gespräch mit manager-magazin.de. Puma genieße zwar nicht das Renommee von Gucci, stelle aber bereits eine hochwertige Marke dar. Zudem habe sich das Lifestyle-Unternehmen zuletzt geschickt in kleineren Segmenten wie dem Segelsport positionieren können, wo man eine zahlungskräftige Klientel anspreche und mit hochpreisigen Artikeln punkten werde.

"Zusätzliches Design-Know-how für Puma"

Puma trete vor allem als sportliche Modemarke und weniger als reiner Sportartikelhersteller auf. Deshalb dürfte sich das Unternehmen unter dem Dach von PPR zweifelsohne wohler fühlen, als unter der Decke von Nike , urteilt auch Analyst Roland Könen vom Bankhaus Lampe. Die Denkweise in Herzogenaurach in Bezug auf die Marke dürfte jedenfalls der eines Luxusgüterkonzerns deutlich näher sein als der eines reinen Sportartikelherstellers, sagt der Analyst im Gespräch mit manager-magazin.de.

Vorstandschef Jochen Zeitz hat Puma im vergangenen Jahrzehnt zu einer weltweit begehrten Lifestyle-Marke ausgebaut und bezeichnete am Dienstag den französischen Konzern im Bereich Mode und Handel als "idealen Partner für eines der führenden Sportlifestyle-Unternehmen wie Puma". Dieser Auffassung will man in Analystenkreisen nicht widersprechen. "Puma hat zwar in vielen Ländern Lizenzen vergeben, könnte mit PPR künftig allerdings auf ein weltweites Vertriebsnetzwerk und zusätzliches Design-Know-how zurückgreifen", sagt Könen vom Bankhaus Lampe.

PPR wird "nachlegen müssen"

PPR wird "nachlegen müssen"

Doch noch haben die Franzosen die Wildkatze nicht im Sack. PPR hat sich zwar den 27-Prozent-Anteil der Puma-Großaktionäre Günter und Daniela Herz gesichert und will den restlichen Aktionären nun 330 Euro je Aktie bieten. "Fest und endgültig" sei der gebotene Übernahmepreis.

Ob diese Offerte der Franzosen allerdings ausreicht, um die Aktionäre zu überzeugen, ist zweifelhaft. Puma-Titel, bereits am Gründonnerstag von Übernahmegerüchten um rund 10 Prozent noch oben getrieben, sind am Dienstag in der Spitze erneut um rund 10 Prozent auf bis zu 345 Euro geklettert. Der Markt spekuliert also auf einen Nachschlag.

Und diesen halten Analysten nicht nur für möglich, sondern durchaus auch für angemessen. "Wenn PPR Puma ganz haben will, werden sie wohl noch nachlegen müssen", sagt Könen. "Mit 330 Euro werden sie nicht ganz zum Zuge kommen", glaubt auch Analyst Burkhardt. Viel mehr als 10 bis 15 Prozent werde PPR nach Einschätzung der Experten allerdings nicht zusätzlich locker machen.

Bieterwettkampf um Puma fraglich

Damit läge die Aktie in etwa auf dem von Könen auf 360 Euro angehobenen Kursziel, was zugleich ihrem fairen Wert entspreche, so der Experte vom Bankhaus Lampe. Seine Abstufung des Titels von "Kaufen" auf "Halten" begründet der Analyst damit, dass die Puma-Aktie in der jüngsten Vergangenheit bereits kräftig zugelegt habe und er nicht mit einem Bieterwettkampf rechne, wie manche andere Beobachter. "Der Schlüssel für Puma war das Aktienpaket der Herz-Geschwister, das jetzt bei PPR liegt. Und ich glaube nicht, dass die Franzosen sich jetzt wieder von diesen Anteilen trennen werden."

Sven Madsen von Hauck & Aufhäuser hingegen will ein Gegengebot etwa von Nike nicht ausschließen. "So etwas ist durchaus möglich", sagt Madsen. Der Weltmarktführer bei Sportartikeln ist in der Vergangenheit immer wieder als möglicher Interessent gehandelt worden, aber offenbar nie an Puma herangetreten.

Wie auch seine Kollegen von der HypoVereinsbank würde Könen den Investoren derzeit nicht empfehlen, das PPR-Angebot anzunehmen. Sollte der Kurs weiter steigen, rät der Analyst den Anlegern zu Gewinnmitnahmen. Die HVB hat das Kursziel für die Puma-Aktie am Dienstag von 286 auf stolze 400 Euro angehoben und dies mit der sehr guten Performance und den mittelfristigen Aussichten für Puma begründet.

Puma-Preise nach oben drehen

Puma-Preise nach oben drehen

Auf die Frage nach möglichen Synergien, die ja für den Preis einer Übernahme durchaus von Bedeutung sind, winken die meisten Analysten ab. Bei Puma könne nicht von einem riesigen, kostenträchtigen Verwaltungsapparat die Rede sein. "Synergiepotenzial auf der Kostenebene sehe ich daher kaum", sagt Analyst Burkhardt von der LBBW. PPR werde eher versuchen, mit seinem Know-how und seiner Finanzkraft die Marke Puma weiter aufzuwerten, um damit die Preisspirale für Pumas Lifestyle-Produkte nach oben zu drehen.

Und auch Puma-Chef Zeitz scheint sich in der Analystenkonferenz am Dienstag nicht lange mit der Frage erwarteter Synergien aufhalten zu wollen. Konkrete Zahlen dazu nennt er jedenfalls nicht. Man müsse sich den Deal "nicht schön rechnen", sagt Zeitz und spricht von "qualitativen Synergien", die die Übernahme für das Unternehmen mit sich bringen werde. So werde Puma von der Design- und Beschaffungskompetenz der Franzosen ebenso profitieren wie von der Handelserfahrung des Luxusgüterkonzerns.

"Vorstandchef Zeitz ist Puma"

Puma selbst hat das französische Angebot von 330 Euro je Aktie am Dienstag als fair bezeichnet und wird es seinen Aktionären auf der Hauptversammlung am Mittwoch zur Annahme empfehlen. In Analystenkreisen schließt man nicht aus, dass dieses klare Votum des Vorstandes womöglich der Zusage von PPR geschuldet ist, dass der französische Konzern Standorte und Management von Puma nicht antasten wolle. Puma solle seine Eigenständigkeit behalten, heißt es.

"Sie würden auch gut daran tun, die Strukturen so zu lassen, wie sie jetzt sind. Puma ist hoch profitabel und kein Restrukturierungsfall", sagt Könen. Laufe es aber mal nicht so gut, würde PPR die Zügel zweifelsohne anziehen und Puma sehr viel enger an den Konzern binden. Deshalb schließt der Experte vom Bankhaus Lampe auf längere Sicht auch nicht aus, dass Puma seine Unabhängigkeit verlieren könnte. "Zeitz muss künftig in Paris Rede und Antwort stehen. Das ist schon ein ganz anderer Druck, dem das Management künftig ausgesetzt ist."

Spekulationen, dass Zeitz womöglich seinen Chefsessel räumen müsste, sollte PPR wie angestrebt Puma ganz übernehmen, wollen Analysten indes nicht folgen. "Zeitz ist Puma. Und so schnell kann PPR hier nicht einen französischen Manager einsetzen", sagt Analyst Könen. Franken sei schließlich nicht Frankreich. Da gebe es kulturelle Unterschiede auch im Managementstil. Ein Wechsel an der Puma-Spitze würde der Marke eher schaden.